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02.05.2015

14:10 Uhr

Dax-Ausblick

Anleger brauchen starke Nerven

VonKatharina Schneider

Die Kursverluste der vergangenen Woche haben gezeigt, wie sensibel die Börsen derzeit reagieren. Ist die Rally nun vorbei? So weit würden Experten nicht gehen. Was die nächste Woche bringt.

Plötzliche Kurseinbrüche stellen die Nerven vieler Anleger auf die Probe. Getty Images

Die Zickzack-Bewegungen des Dax

Plötzliche Kurseinbrüche stellen die Nerven vieler Anleger auf die Probe.

FrankfurtDa sind sie wieder, die bangen Fragen: „War’s das jetzt? Ist die Rally nun vorbei?“ Seit mehr als drei Monaten kannte der Dax quasi nur eine Richtung: nach oben. Doch am vergangenen Mittwoch wurden viele Anleger recht unsanft daran erinnert, dass auch ein Index plötzlich große Verluste verzeichnen kann. Innerhalb weniger Stunden ging es etwa 400 Punkte abwärts, ein Tagesverlust von 3,2 Prozent. Am Ende der durch den Feiertag verkürzten Handelswoche stand der Dax dann bei 11.454 Punkten. Die Angst vor weiteren Rückschlägen dürfte Anleger auch in der kommenden Woche begleiten.

Grund für die Kursverluste zur Wochenmitte waren enttäuschende Wachstumszahlen aus den USA. Im ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aufs Jahr hochgerechnet nur magere 0,2 Prozent zu. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten dagegen mit 1,0 Prozent gerechnet, Ende 2014 hatte das Plus noch 2,2 Prozent betragen. Auf diese Nachricht hin war der Euro deutlich nach oben geklettert und die Kurse der Bundesanleihen waren eingebrochen.

Auch in der kommenden Woche dürfte sich der Blick der Anleger wieder auf die USA richten. An den Aktienmärkten ging es dort schon am Freitag wieder aufwärts. Der Dow Jones schaffte ein Plus von einem Prozent auf 18.024 Dollar. Im Fokus werden dieses Mal die aktuellen Arbeitslosenzahlen stehen.

Die Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

5. April 1991

In Frankfurt geht das „Interbank Informations System” - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

19. Januar 1996

Die Börse führt den MDax ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDax auf 50 Unternehmen verkleinert.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

10. März 1997

Start des Neuen Marktes. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Am 24. März 2003 wird als inoffizieller Nachfolger der TecDax eingeführt, dem 30 Tech-Aktien angehören.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading” - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Zunächst werden 109 Aktien auf Xetra gehandelt. Später öffnet die Börse Xetra für alle deutschen sowie für europäische und US-Aktien.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2000

Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Beim Börsendebüt am nächsten Tag erreicht die Aktie in der Spitze knapp 85 Euro. Heute notieren die Infineon-Titel bei 6,60 Euro. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

1. Juni 2007

Erstmals seit März 2000 steigt der Dax wieder über 8000 Punkte.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

21. Januar 2008

Der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate leitet die Talfahrt des Dax ein. Am 21. Januar fällt der Index um mehr als 500 Zähler oder sieben Prozent auf 6790 Punkte.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

30.12.2010

Es reicht nicht ganz bis zur 7000-Punkte-Marke, aber mit 6.914 Punkten hat der Dax bis Ende 2010 schon wieder kräftig aufgeholt.

22. Mai 2013

Der Mai wurde für den Dax der Monat der Rekorde. Nachdem der Dax ein Rekordhoch nach dem anderen knackt, liegt das neue Allzeithoch bei 8.558 Punkten.

25. Oktober 2013

Der Dax schafft zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

30. Dezember 2013

Der Dax beendet seine Jahresendrally knapp über der Marke von 9500 Punkten.

21. Januar 2014

Der Dax startet stark ins neue Jahr und erreicht am 21. Januar mit 9794 Punkten abermals ein Rekordhoch. Börsianer hoffen, dass der Index nun über die 10000-Punkte-Markte springt. Damit müssen sie sich aber noch gedulden.

5. Juni 2014

Erstmals in seiner Historie ist der Dax fünfstellig. Um 14:33 Uhr knackt der deutsche Leitindex die magische Marke und steigt bis auf 10.014 Punkte .

20. Juni 2014

Der Dax markiert bei 10.051 Punkten sein neues Allzeithoch.

2. Dezember 2014

Der Dax knackt nach über vier Monaten wieder die 10.000-Punkte-Marke. In der Spitze erreicht der Dax einen Punktestand von 10.038 Zählern.

4. und 5. Dezember 2014

Der Dax springt im Verlauf der EZB-Pressekonferenz bei 10.084 Punkten auf ein neues Rekordhoch. Doch bereits Minuten später fällt der Leitindex wieder unter die Marke von 10.000 Punkten. Am folgenden Freitag erreicht er mit 10.093 Punkten ein neues Allzeithoch.

22. Januar 2015

EZB-Präsident Mario Draghi beschließt ein Anleihekaufprogramm im Stile der Federal Reserve. Die Zentralbank wird bis September 2016 Staats- und Unternehmensanleihen im Wert von 60 Millionen Euro aufkaufen. Insgesamt sollen so 1,14 Billionen in die Märkte gespült werden. Der Dax springt nach nervösen Pendelbewegungen auf ein Rekordhoch von 10.454 Punkten. In den folgenden Tagen hält die Hausse an, am 13. Februar springt der Dax das erste Mal über in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen.

27. Januar 2015

Die mehrtägige Rekordjagd des Dax endet mit einem zwischenzeitlichen Allzeithoch von 10.810 Punkten.

13.Februar 2015

Ein Mix aus guten Konjunkturnachrichten und die lockere Hand der EZB hatten den Dax am Freitag, den 13. Februar 2015, das erste Mal in seiner Geschichte über die 11.000-Punkte-Marke springen lassen. Damit sollte die Rekordjagd aber gerade erst beginnen...

23. Februar 2015

Die neugewählte griechische Regierung sorgte mit ihrer unkonventionellen und forschen Art für mächtigen Aufruhr in der europäischen Politik. Vor allem die Unnachgiebigkeit, mit der die neuen starken Männer Griechenlands, Ministerpräsident Tsipras und Finanzminister Varoufakis, an ihren Wahlkampfversprechen festhielten, brachte die Verhandlungsparteien auf Konfrontationskurs. Nachdem sich die Finanzminister des gemeinsamen Währungsraumes am Freitagabend endlich auf eine Verlängerung der Hilfsprogramme für Hellas einigen konnten, markierte der Deutsche Aktienindex kurz nach seiner Eröffnung am Montag seinen aktuellen Höchststand von 11.158 Zählern.

10. April 2015

Und weiter geht die Rekordjagd. Der Dax kletterte zwischenzeitlich am 10. April zeitweise auf 12.390 Punkte. Seit Jahresbeginn hat der Index mehr als 25 Prozent zugelegt.

16.März 2015

Bereits wenige Wochen nach der Eroberung der 11.000-Punkte steht ein weiterer Meilenstein der Dax-Geschichte auf der Börsen-Agenda. Der Leitindex klettert zum ersten Mal über 12.000 Punkte. Weder der Konflikt in der Ostukraine noch der sich immer weiter zuspitzende Schuldenstreit scheinen die Börsenteilnehmer groß zu stören. Sie kaufen Aktien und befeuern die Hausse.

10. April 2015

Der Dax erreicht sein Allzeithoch: 12.390,75 Zähler.

29.April 2015

Nach Langem Hin- und Her beim Index der vergangenen Wochen stehen die Zeichen beim Dax nun endgültig auf Korrektur. Im Laufe des Tages verlor der Index satte 3,2 Prozent auf 11.433 Punkte - der größte Tagesverlust des Jahres.

08. März 2016

Der Dax rutscht deutlich unter die 9.000er-Marke – zum ersten Mal seit anderthalb Jahren. Schon von Beginn des Jahres sind die Aktienkurse geschwächt. Als wesentlicher Grund gilt unter Beobachtern der stark gesunkene Ölpreis und der derzeit immer noch enge Zusammenhang zwischen dessen Entwicklung und der Aktienbörse.

31. März 2016

Das Minus im ersten Quartal 2016 beläuft sich auf gut sieben Prozent. Schon im März dreht aber die Stimmung zum Besseren, denn die US-Notenbank Fed verschiebt auch aus Rücksicht auf die nahende Brexit-Abstimmung ihre Zinserhöhungen.

24. Juni 2016

Die Briten haben sich für den Austritt aus der EU entschieden und lösen an den Märkten einen allerdings kurzen Ausverkauf aus. Der Dax fällt um fast sieben Prozent, holt in den Folgewochen aber rasch wieder auf.

9. November 2016

Die Amerikaner haben Donald Trump zum Präsidenten gewählt. An der Wall Street schieben die Anleger vorher geäußerte Bedenken beiseite und setzen auf sinkende Steuern für Unternehmen und massive Infrastrukturmaßnahmen. Der Dow-Jones geht auf Rekordkurs. Nach und nach zieht auch der Dax an und etabliert sich wieder in der Fünfstelligkeit.

14. Juni 2017

In Erwartung einer positiven Zinsentscheidung der US-Notenbank knackt der Dax das erste Mal im Laufe seiner Geschichte die 12.900 Punkte und erreicht schließlich sein Allzeithoch von 12.921 Punkten. Schon in den Monaten zuvor hatte der Dax im Anschluss an den Erfolg des europafreundlichen Politikers Emmanuel Macron bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich seinen Höchststand mehrfach verbessert.

Am Mittwoch kommen Zahlen der privaten Arbeitsagentur ADP. Diese liefern einen Vorgeschmack auf die offiziellen US-Daten, die am 8. Mai veröffentlicht werden. Schon in dieser Woche hatte das US-Arbeitsministerium vermeldet, dass die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe in den vergangenen acht Wochen stets unter 300.000 geblieben war. Bei Werten unter dieser Marke sehen Ökonomen üblicherweise einen Aufschwung am Arbeitsmarkt.

Das wiederum dürfte zu einer Erholung der US-Wirtschaft beitragen, die zu etwa 70 Prozent von den privaten Konsumausgaben abhängt. Sollten die Zahlen jedoch schwach ausfallen, könnte das Spekulationen auf eine Verschiebung der Zinserhöhung schüren. Die Folge könnte eine beschleunigte Aufwertung des Euro sein, der derzeit rund 1,12 Dollar kostet. Ein Ende der Dollar-Rally könnte neuen Schwung für die US-Märkte bedeuten. Doch aus europäischer Sicht wäre ein starker Euro ungünstig. Zuletzt hatte die Schwäche der Gemeinschaftswährung als Kurstreiber gewirkt. Sie trug dazu bei, dass Geld aus dem Dollar-Raum in europäische und deutsche Aktien investiert wurde.

Zur Frage, wann sie mit Zinserhöhungen beginnen will, kamen von der Fed in einer Sitzung am vergangenen Mittwochabend noch immer keine konkreten Aussagen. Aber: „Die Fed sichert nicht mehr zu, dass die Leitzinsen für einen bestimmten Zeitraum unverändert bleiben werden“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Stattdessen lasse sie sich von den Daten leiten. „Dies bedeutet, dass der Ausblick für die Geldpolitik unsicherer wird – und dass sich die Fed einen größeren Handlungsspielraum einräumt.“

Patrick Franke von der Helaba erwarte die Zinswende „unverändert im Sommer – frühestens im Juni, spätestens im September“. Der Juni sei aus heutiger Sicht aber nicht mehr der wahrscheinlichste Termin. Robert Halver dagegen rechnet nicht mit einer langen Wartezeit: „Ich glaube, dass die US-Wirtschaft ein wunderbares, robustes zweites Quartal hinlegen wird“, sagt der Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Und dann ist die Zinswende wieder in aller Munde, auch wenn sie sich letztendlich als Zinswendchen entpuppen wird. Und auch die EZB macht natürlich weiter mit ihrem Anleihekaufprogramm.“

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