Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.11.2013

11:57 Uhr

Dax-Ausblick

Anleger fürchten Gewinnmitnahmen

Nachdem die EZB durch die Leitzinssenkung der Inflation entgegentreten will, bleibt die Frage, wie lange die Fed ihre Maßnahmen laufen lassen wird. Die Konjunkturdaten der nächsten Woche bestimmen die Richtung.

Erst mal durchatmen: Nach neuem Dax-Höchststand und EZB-Zinsentscheid tanken die Händler Energie für die nächste Handelswoche. dapd

Erst mal durchatmen: Nach neuem Dax-Höchststand und EZB-Zinsentscheid tanken die Händler Energie für die nächste Handelswoche.

Trotz einer Flut von Quartalsberichten dürften die Zentralbanken in der neuen Woche die Richtung an den Aktienmärkten vorgeben. Dax und Dow sollten angesichts der anhaltenden Geldschwemme schon bald neue Rekorde aufstellen, sagen Marktstrategen.

„Doch auch kurzfristige Rücksetzer sind in der neue Woche nicht auszuschließen“, warnt Rüdiger Janßen von der Bremer Landesbank. „Das hohe Kursniveau verleitet nun mal zu Gewinnmitnahmen.“ Zuletzt hatte die überraschende Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) den Dax auf ein neues Allzeithoch von 9193,98 Zählern getrieben, auf Wochensicht kommt er auf ein Plus von rund 0,4 Prozent.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Die EZB hatte den Leitzins am Donnerstag um einen Viertelpunkt auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt, damit sorgt sie für noch mehr billiges Geld im Finanzsystem.

Wie lange die US-Notenbank Fed ihren ultralockeren geldpolitischen Kurs fortsetzt, dürfte von den Konjunkturdaten der kommenden Monate abhängen. In der neuen Woche stehen unter anderem die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Donnerstag) wie auch die Zahlen zur Industrieproduktion (Freitag) auf der Agenda.

Aus Sicht einiger Ökonomen sind die Aussichten für die USA nicht so rosig: Sie befürchten, dass die Nachwehen des Haushaltsstreits mit der Beurlaubung hunderttausender Staatsdiener die Konjunktur am Jahresende belasten werden. Die meisten Experten gehen deshalb davon aus, dass die US-Notenbank ihren milliardenschweren Anleihekäufe erst im März 2014 zurückfahren wird.

Erneut hoch her geht es in der neuen Woche auf Unternehmensseite: Mit Spannung warten Anleger vor allem auf die Berichte der Versorger Eon und RWE, denen zuletzt vor allem sinkende Großhandelspreise für Strom zu schaffen machten. RWE-Chef Peter Terium dreht bei dem 115 Jahre alten Traditionsunternehmen derzeit jeden Stein um.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×