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14.06.2014

15:05 Uhr

Dax-Ausblick

Anleger leiden unter Höhenangst

Kaum hat der Dax die 10.000-Punkte-Marke erklommen, bekommen es einige Experten mit der Angst zu tun. Dabei ist der wahre Dax noch weit von seinem Rekord entfernt. Gefahr droht der Börse eher von anderer Seite.

Getty Images

DüsseldorfAnfang der vergangenen Woche stieg der Dax bis auf 10.034 Punkte. Ein neues Allzeithoch. Doch genauso schnell ging es wieder nach unten, zeitweise um mehr als 200 Punkte. Damit meldeten sich die Pessimisten wieder zu Wort. Der Index habe die 10.000 Punkte nicht verteidigen können – das sei ein schlechtes Zeichen, kommentierten Experten. Eine größere Korrektur stehe bevor.

Um eines klar zu stellen: Es mag viele gute Gründe geben, an der Börse vorsichtiger zu werden. Aber dafür braucht es mehr als nur eine runde Zahl. Man könnte etwa die geopolitischen Risiken nennen. Oder die stagnierenden Unternehmensgewinne. Oder das verdächtig geringe Handelsvolumen an der Börse.

Aber bitte nicht die 10.000-Punkte-Marke. Zumal der Dax, so wie wir ihn kennen, gar nicht der echte Dax ist. Das liegt an einer ungewöhnlichen Methode, mit der dieser Index berechnet wird. Anders als der Dow Jones oder der S&P500 in den USA ist der Dax ein sogenannter Performance-Index. Bei einem solchen Index werden nicht nur die Kursentwicklung, sondern auch die ausgeschütteten Dividenden einberechnet – als wären diese gar nicht ausgezahlt oder direkt wieder investiert worden.

Chancen und Risiken der Dax-30 (Teil 1)

Adidas

Die Bilanz des vergangenen Quartals brachte Ernüchterung. Von der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien versprechen sich die Analysten zudem kaum Impulse für Adidas. Der hohe Russlandanteil der Geschäfte sorgt zusätzlich für Unsicherheit. Insgesamt wird die Aktie von Experten als zu teuer eingeschätzt.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) (2014): 18,4
Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) (2014): 1,6
Dividendenrendite: 1,7 Prozent

Allianz

Das niedrige Zinsniveau macht dem größten Versicherungskonzern der Welt zu schaffen. Das operative Wachstum kommt deswegen nicht in Fahrt. Wie bei Adidas ist auch bei der Allianz das Russlandgeschäft ausgeprägt. Die Zahlen für das erste Quartal seien dennoch im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, schrieb Bernstein-Analyst Thomas Seidl. Mit dem anhaltenden Aufwärtstrend in der Schaden- und Unfallversicherung und der stabilen Lage im Lebensversicherungsgeschäft habe er bereits gerechnet. Dennoch sei für ihn die relativ schwache Prämienentwicklung im ersteren Geschäftsbereich eine große Überraschung gewesen, während im letzteren die Preise enorm angezogen hätten. Für die Allianz wird eine Halteposition empfohlen.

KGV (2014): 8,9
KCV (2014): 8,5
Dividendenrendite: 3,7 Prozent

BASF

Beim Chemieriesen BASF spielt weniger Russland, sondern vielmehr China eine Rolle. Das unbeständige Wachstum in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt birgt Risiken für den Konzern. Paul Walsh, Analyst bei Morgan Stanley, lobt den guten Geschäftsmix, durch den BASF eine gewisse Konjunkturabhängigkeit erreicht. Den Kennzahlen folgend wird dennoch von einem Kauf der Aktie vorerst abgeraten.

KGV (2014): 14,2
KCV (2014): 9,0
Dividendenrendite: 3,2 Prozent

Bayer

Mit dem Zukauf der Sparte der rezeptfreien Medikamente vom US-Pharmahersteller Merck & Co. gelang Bayer ein Coup. Die Übernahme stärke das Portfolio der Leverkusener weiter in Richtung des höhermargigen Life-Sciences-Geschäfts, schrieb Goldman-Sachs-Analyst Steve Chesney in einer Studie. Die Aussichten sind bei Bayer dementsprechend stabil.

KGV (2014): 16,5
KCV (2014): 12,8
Dividendenrendite: 2,1 Prozent

Beiersdorf

Auch bei Beiersdorf loben die Analysten das weitestgehend konjunkturunabhängige Wachstum. Die Hamburger hätten ein solides Quartal hinter sich, schrieb Analyst Simon Hales in einer Branchenstudie. Er hob die beeindruckende Markenbelebung hervor, verwies aber zugleich auf die hohe Bewertung der Aktie.

KGV (2014): 28,5
KCV (2014): 23,7
Dividendenrendite: 1,0 Prozent

BMW

Eine erfolgreiche Modellpolitik und die Prestige-Modellreihe „i“ machen BMW zu einem der erfolgreichsten Autobauer der Welt. Eine starke Positionierung im US-Markt sorgt für starke Absatzzahlen. Allerdings ist BMW wie die anderen Autobauer auch stark konjunkturabhängig. Ein Kauf lohnt sich deshalb nur in Schwächephasen mit mittelfristig positiven Aussichten.

KGV (2014): 10,0
KCV (2014): 6,2
Dividendenrendite: 2,8 Prozent

Commerzbank

Die Commerzbank-Aktie hat sich im laufe der Zeit immer mehr zu einer Wette entwickelt. Die Papiere reagieren sehr sensibel auf Börsentrends. Sprich: Bei Hochphasen gehören die Aktien zu den größten Gewinnern, während Talfahrten rauschen sie weit ins Minus. Die operative Erholung der Commerzbank gestaltet sich schwierig. Analysten bleiben skeptisch. Rund 15 Experten raten zum Verkauf der Aktie.

KGV (2014): 17,5
KCV (2014): 10,1
Dividendenrendite: 0 Prozent

Continental

Der Reifenhersteller und Autozulieferer hat ein starke erstes Quartal 2014 hinter sich. Vor allem der starke freie Cashflow habe überzeugt, schrieb Citigroup-Analyst Philip Watkins. Für ein starkes Wachstum sorgt das aussichtsreiche Zuliefergeschäft mit Assistenzsystemen. Die günstigen Kautschukpreise treiben zudem die Reifen-Marge. Die einzige größere Enttäuschung bei der Zahlenvorlage seien die langsamen Fortschritte in der Sparte Powertrain mit einem organischen Umsatzwachstum von nur sechs Prozent gewesen. Insgesamt gilt die Aktien als leicht überkauft.

KGV (2014): 12,9
KCV (2014): 8,4
Dividendenrendite: 1,5 Prozent

Daimler

Die neue Modellpolitik hat Daimler wieder auf Kurs gebracht und die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten angehoben. In der Sparte der Nutzfahrzeuge ist der Autobauer aus Stuttgart allerdings zu abhängig von den Schwellenländern. Auch das milliardenschwere Russlandgeschäft wird derzeit als Risiko bewertet. Analysten empfehlen deswegen keine weiteren Daimler-Aktien zu kaufen und die, die bereits im Portfolio liegen zu halten.

KGV (2014): 10,9
KCV (2014): 6,4
Dividendenrendite: 3,5 Prozent

Deutsche Bank

Zahlreiche juristische Altlasten drücken auf die Bilanzen der Deutschen Bank. Das schwache Wertpapiere-Geschäft kommt erschwerend hinzu. Analyst Piers Brown von Macquarie verglich in einer Studie die Situation der Deutschen Bank mit der von Barclays. Nachdem bei dem britischen Institut die Euphorie über die Restrukturierung allmählich nachlasse, richte der Markt den Fokus auf deren Umsetzung. Die Deutsche Bank befinde sich seit 18 Monaten in einer vergleichbaren Turnaround-Situation. Es wird eine „Hold-Strategie“ empfohlen.

KGV (2014): 9,0
KCV (2014): 9,3
Dividendenrendite: 2,4 Prozent

Deutsche Börse

Die hohe Volatilität an den Finanzmärkten kommt der Deutschen Börse zugute, denn dadurch steigen ihre Umsätze. Analysten bemängeln beim Börsenbetreiber allerdings die hohen regulatorischen und juristischen Risiken. Positiv ist die hohe Dividendenrendite. Von einem Kauf wird vorerst abgeraten.

KGV (2014): 14,6
KCV (2014): 12,9
Dividendenrendite: 4,2 Prozent

Deutsche Post

Der Online-Boom hat der Deutschen Post neuen Schwung im Paketgeschäft verliehen. Analysten schätzen die Krisenanfälligkeit der Post trotz des großen Russlandgeschäfts als gering ein. Allerdings verhagelten im ersten Quartal 2014 ungünstige Währungseffekte und ein erlahmendes Frachtgeschäft die Bilanz. Dementsprechend werden weitere Rücksetzer bei der Post-Aktie erwartet.

KGV (2014): 16,2
KCV (2014): 10,1
Dividendenrendite: 2,6 Prozent

Deutsche Telekom

Noch vor kurzem wollte die Deutsche Telekom ihr Mobilfunkgeschäft in den USA loswerden, nun erweist es sich als durchaus rentabel und krisenresistent. Auch der Heimatmarkt wirkt stabil, allerdings sind hier hohe Investitionen nötig, um sich vor der Konkurrenz insbesondere vor Vodafone abzuheben. Als riskant gilt das Osteuropageschäft. Insgesamt wird zur einer Halteposition geraten.

KGV (2014): 20,4
KCV (2014): 4,1
Dividendenrendite: 5,6 Prozent

Eon

Die Versorger wie Eon kämpfen seit Jahren mit Strukturproblemen und der Energiewende in Deutschland. Problematisch für die Düsseldorfer ist auch die hohe Abhängigkeit vom Russlandgeschäft. Alberto Ponti, Analyst bei der Societe Generale, vergibt eine negative Einschätzung für die Geschäfte außerhalb der Europäischen Union, insbesondere wegen anhaltender Schwierigkeiten in Brasilien.

KGV (2014): 14,7
KCV (2014): 4,5
Dividendenrendite: 4,5 Prozent

Fresenius Medical Care

Das Tochterunternehmen von Fresenius gehört zu den defensiven Titel im Dax. Analysten loben das langfristig konjunkturunabhängige Wachstum. Anleger sollten aber die die Risiken der US-Gesundheitspolitik im Blick behalten. Bei der Vorstellung der Bilanzen des vergangenen Quartals konnte Fresenius Medical Care die Experten nicht überzeugen. Die Zahlen des Dialysespezialisten seien schwächer als erwartet ausgefallen, schrieb Analyst Justin Smith von der Societe Generale. Er habe daher seine Schätzungen für das Aktienergebnis (EPS) in den Jahren 2014 bis 2019 gekürzt.

KGV (2014): 13,4
KCV (2014): 8,2
Dividendenrendite: 1,6 Prozent

Das führt über die Jahre zu einer Verzerrung, die den Dax viel besser aussehen lässt als er tatsächlich ist. Seit seiner Einführung bis heute machen Dividenden fast die Hälfte des aktuellen Punktestands aus. Anders ausgedrückt: Der Dax stünde ohne Dividenden also gar nicht bei 10.000, sondern nur bei gut 5.000 Punkten. Das lässt sich am weniger bekannten Dax-Kursindex (ISIN DE0008467440) ablesen, der – wie der Name schon sagt – nur die reine Kursentwicklung widergibt. Er stand am Freitagnachmittag bei genau 5.064 Punkten.

Im langfristigen Vergleich wird schnell deutlich: Der „ehrlichere“ Kursindex hat längst noch keine schwindelerregenden Höhen erreicht, sondern notiert fast 20 Prozent unter dem Allzeithoch aus dem Jahr 2000. In dieser Hinsicht gibt es also keinen Grund zur Höhenangst.

Sorgen bereitet allerdings die Lage in Irak. Islamisten habe große Gebiete im Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Die Offensive könnte die Ölproduktion des Iraks gefährden. Die irakische Armee hat den Kämpfern offenbar nichts entgegenzusetzen. Die USA erwägen eine militärische Intervention, auch die Nachbarländer Türkei und Iran

„Ein Kurssprung der Ölpreise ist immer dazu geeignet, die Marktteilnehmer zu verschrecken“, sagt Mark Andersen, Anlagestratege bei der Vermögensverwaltung der UBS in Zürich. Durch die Unruhen wachse die Gefahr von Förderunterbrechungen des zweitgrößten Opec-Produzenten. „Wie angespannt die Lage mittlerweile im Irak gerwoden ist, zeigen Aussagen von US-Präsident Barack Obama, wonach Luftschläge nicht ausgeschlossen sind“, ergänzt Analyst Christian Schmidt von der Helaba.

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