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13.09.2014

14:20 Uhr

Dax-Ausblick

Anleger vor dem Sprung ins kalte Wasser

„Die Schottland-Wahl birgt nur Risiken“ heißt es auf dem Parkett. Nach einer ruhigen Handelswoche dürfte es in den kommenden Tagen also zur Sache gehen. Was Anleger erwartet.

Sprung ins Ungewisse: Was passiert mit Schottland? Und wie reagieren die Märkte?

Sprung ins Ungewisse: Was passiert mit Schottland? Und wie reagieren die Märkte?

Das Referendum über eine Loslösung Schottlands von Großbritannien wird in der neuen Woche für reichlich Diskussionsstoff an den Finanzmärkten sorgen. Ein „Ja“ zur Unabhängigkeit würde die Anleger wegen zahlreicher unbeantworteter Fragen verunsichern, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wirtschaft, betont Volkswirt Nicolas Doisy vom Vermögensverwalter Amundi. Ähnlich urteilt Finanzmarkt-Experte Ingo Theismann von der Vermögensverwaltung Consulting Team.

„Besonders die Währungsfrage ist brisant, da bis heute völlig offen ist, ob Schottland dann eine eigene Währung einführt, beim britischen Pfund bleibt oder gar der Eurozone beitreten wird.“ In den jüngsten Umfragen liegen Befürworter und Gegner einer schottischen Unabhängigkeit fast gleichauf. Die Abstimmung ist am Donnerstag.

„Für die Kapitalmärkte birgt die Möglichkeit einer schottischen Unabhängigkeit keine Chancen, sondern nur Risiken. Und diese Risiken sind nach unserer Einschätzung weder bei Anleihen noch bei Aktien wirklich eingepreist“, meint Frank Engels von Union Investment.

So wichtig ist Schottland für die deutsche Wirtschaft

Wie stark ist die schottische Wirtschaft überhaupt?

Die jährliche Wirtschaftsleistung beträgt rund 131 Milliarden Pfund - umgerechnet fast 165 Milliarden Euro. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Berlin und Brandenburg zusammen.

Wie viel exportiert Deutschland nach Schottland?

Deutschland exportierte 2013 Waren im Wert von umgerechnet gut fünf Milliarden Euro nach Schottland. "In der Rangliste unserer wichtigsten Kunden würde Schottland einen Platz unter den ersten 50 belegen", sagt der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. "Und zwar noch vor Staaten wie Irland und Griechenland." Großbritannien insgesamt steht mit einem Volumen von knapp 76 Milliarden Euro an Nummer drei, hinter Frankreich und den USA, aber noch vor den Niederlanden und China. Die Schotten kaufen vor allem deutsche Maschinen und Fahrzeuge, aber auch chemische Produkte.

Und wie viel kauft Deutschland in Schottland?

Schottland lieferte 2013 Waren im Wert von etwa drei Milliarden Euro in die Bundesrepublik. Das würde zu einem Platz unter den 50 wichtigsten deutschen Lieferanten reichen, noch vor Australien oder Saudi-Arabien.

Importiert Deutschland vor allem Whiskey?

Alkohol ist tatsächlich ein großer Exportschlager. Nummer eins sind zwar Maschinen und Fahrzeuge. Nach Angaben der Scotch Whisky Association wurde 2013 Whisky im Wert von 172 Millionen Pfund (216 Mio Euro) nach Deutschland exportiert. Die Bundesrepublik ist damit fünftgrößter Abnehmer hinter den USA, Frankreich, Singapur und Spanien.

Wie viele deutsche Unternehmen sind vor Ort?

Mehr als 200, sagt DIHK-Experte Treier. "Davon wiederum sind knapp 40 hundertprozentige Töchter von Industrieunternehmen wie BASF, Bosch und Evotec." Insgesamt beschäftigen die deutschen Firmen rund 20.000 Mitarbeiter in Schottland.

„Sollte Schottland am 18. September 2014 für die Unabhängigkeit stimmen, wird es zweifelsohne zu einem kurzzeitigen Chaos kommen“, sagt auch Nick Beecroft von Saxo Bank. Der Pfund Sterling (GBP) und britische Staatsanleihen würden unter massiven Druck geraten.

Das Schlimmste jedoch, was dem britischen Pfund der dortigen britischen Wirtschaft passieren könne, wäre etwas anderes: „Die enorme Unsicherheit während der unvermeidlich lang dauernden und zähen Verhandlungsphase, die nötig sein wird, um nicht nur die zukünftige schottische Währung zu bestimmen, sondern auch die Aufteilung der entsprechenden Vermögenswerte (z.B. das Nordseeöl) und die von Schottland zu übernehmenden britischen Staatsanleihen zu definieren“, sagt Beecroft.

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