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01.02.2014

09:01 Uhr

Dax-Ausblick

Anleger zittern vor dem Währungscrash

Von der Euro-Krise redet keiner mehr. Dafür haben die Anleger eine neue Krise entdeckt: Die Kapitalflucht aus den Schwellenländern sorgt für Angst und Schrecken. Crashpropheten warnen vor weltweiten Verwerfungen.

Der Dax legte den schwächsten Jahresstart seit 2010 hin. dpa

Der Dax legte den schwächsten Jahresstart seit 2010 hin.

DüsseldorfDie Anleger haben ein neues Lieblingsrisiko, vor dem sie sich fürchten können: Die drohende Währungskrise in den Schwellenländern. Seitdem die Währungen in der Türkei, Südafrika, Indonesien oder Argentinien in den Sturzflug übergangenen sind, ist die Besorgnis groß.

Besonders heftig erwischt es Länder, die auf Kapital aus dem Ausland angewiesen sind, also solche, mit hohen Leistungsbilanzdefiziten. Sie könnten in eine Spirale aus Währungsverfall, Rezession und Finanzkrise geraten. Selbst verzweifelte Zinserhöhungen wie in der Türkei – die türkische Notenbank verdoppelte den Leitzins über Nacht –, scheinen wirkungslos zu verpuffen.

Währungsturbulenzen in Schwellenländern

Türkei

Mit einer drastischen Zinserhöhung hat sich die türkische Notenbank gegen den Kursverfall der heimischen Währung Lira gestemmt. Der Satz, zu dem sich die Banken über Nacht Geld bei der Zentralbank leihen können, wurde am Dienstagabend von 7,75 auf 12,0 Prozent angehoben. Der eigentliche Leitzins wurde auf 10 Prozent angehoben von zuvor 4,5 Prozent. Damit soll der Abfluss an ausländischem Kapital gestoppt werden, der die Lira auf ein Rekordtief zum Dollar gedrückt hatte.

Südafrika

Die Zentralbank hob ihren Leitzins wenige Stunden nach der türkischen Entscheidung überraschend auf 5,50 Prozent an, nachdem er lange Zeit auf dem 40-Jahres-Tief von 5,0 Prozent verharrt hatte. An den Märkten wird davon ausgegangen, dass er in den kommenden Monaten weiter steigen wird. „Wir werden die Entwicklung genau verfolgen und nicht zögern zu handeln, sollte dies erforderlich sein", sagte Notenbankchefin Gill Marcus. Der Rand war zuletzt so billig wie seit über fünf Jahren nicht mehr. Höhere Zinsen könnten aber der erlahmenden Konjunktur weiter zusetzen.

Brasilien

Die Notenbank hat ihren Leitzins seit April 2013 bereits von 7,25 auf aktuell 10,0 Prozent angehoben. Der jüngste Schritt folgte in diesem Monat, als es von 9,5 Prozent nach oben ging. Die Zentralbank signalisierte dabei aber, das Tempo nun etwas zu drosseln. Mit höheren Zinsen soll die Inflation in Schach gehalten werden. Die Teuerungsrate liegt derzeit bei 5,7 Prozent.

Indonesien

Keine andere asiatische Währung ist 2013 auf so steile Talfahrt gegangen wie die Rupie: Sie büßte ein Fünftel ihres Wertes im Vergleich zum Dollar ein. Das macht Importe teurer, was die Inflation ebenso nach oben zu treiben droht wie das Handelsdefizit. Zu Jahresbeginn hielt die Zentralbank ihren Leitzins unverändert bei 7,50 Prozent. Sie versprach aber, "wachsam" zu bleiben, was den Märkten die Bereitschaft zu Zinserhöhungen signalisiert.

Indien

Die indische Zentralbank hob erst in dieser Woche ihren Leitzins überraschend von 7,75 auf 8,0 Prozent an. Eine weitere Erhöhung ist vorerst nicht geplant. Grund für den Schritt sind kräftig steigende Preise. Höhere Zinsen machen Kredite teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen kann. Vom Inflationsziel sei Indien derzeit "sehr weit entfernt", sagte Notenbankchef Raghuram Rajan. Zuletzt lag die Teuerungsrate bei 9,87 Prozent. Die Zentralbank will sie bis Januar 2015 auf acht Prozent und ein Jahr später auf sechs Prozent drücken.

Thailand

In dem von politischen Unruhen erschütterten Land hat die Zentralbank im November die Zinsen gesenkt. Sie schreckte im Januar aber vor einer weiteren Kappung zurück. Als Grund für die Zurückhaltung gilt die Furcht, dass die politische Instabilität die Kapitalflucht verstärken könnte.

Ungarn

Notenbankchef György Matolcsy und sein Team haben den Leitzins im Januar auf das Rekordtief von 2,85 Prozent gesenkt. Obwohl die Währungshüter Spielraum für eine weitere Kappung signalisierten, dürften sie laut Experten vom Schwächeanfall des Forint zu einer Zinswende gezwungen werden.

Russland

Der Außenwert der Landeswährung hat dieses Jahr bereits fünf Prozent eingebüßt. Die Notenbank musste schätzungsweise zehn Milliarden Dollar zur Stützung des Rubels aufwenden. Notenbankchefin Elvira Nabiullina ist gewillt, den Kurs notfalls mit allen Mitteln zu stabilisieren. Denn Russland gilt als gebranntes Kind: In der durch massive Kapitalflucht ausgelösten Rubel-Krise von 1998 hatten die Bürger ihre Konten massenweise geräumt.

Wird es so schlimm wie 1997? Damals erfasste eine Währungskrise zuerst die sogenannten „Tigerstaaten“ in Asien und belastete dann die gesamte Weltwirtschaft.

Die üblichen Mahner befürchten schon das Schlimmste: „Die Verbindung von Währungskrise in Argentinien, langsamerem Wachstum in China sowie von Unruhen in Thailand, der Ukraine und der Türkei betreffen nicht nur die Emerging Markets“, warnt Nouriel Roubini, Ökonom und Crashprophet. „Die Ereignisse können auch die fortgeschritten Industriestaaten anstecken.“

An den Börsen ist die Stimmung gekippt: Sah es bis vor kurzem noch so aus als marschiere der Dax schnurstracks auf die 10.000-Punkte-Marke zu, geht es nun in die andere Richtung. Bis zum Ende der vergangenen Woche fiel der deutsche Leitindex zeitweise unter 9.200 Punkte. Die Volatilitätsindizes VDax und VStoxx, die die Nervosität der Investoren messen, markierten den höchsten Stand seit sieben Monaten.

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