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19.06.2016

12:44 Uhr

Dax-Ausblick

Brexit-Angst lähmt die Anleger

VonKatharina Schneider

Gehen die Briten oder bleiben sie in der EU? Das wird in der kommenden Woche an den Kapitalmärkten die entscheidende Frage sein. Turbulenzen werden am Mittwoch aber auch auf einer Hauptversammlung erwartet.

Die Brexit-Entscheidung bleibt das zentrale Thema an den Märkten. dpa

„We love British“

Die Brexit-Entscheidung bleibt das zentrale Thema an den Märkten.

FrankfurtIn der kommenden Woche dürfte es an den Märkten nur ein Thema gehen: Bleiben die Briten in der Europäischen Union oder stimmen Sie für einen Ausstieg? Das bevorstehende Referendum wird Experten zufolge in der neuen Woche erneut für Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten sorgen. Wer die aktuellen Kursausschläge bereits für hoch halte, werde überrascht sein, warnt Andrew Edwards, Chef des Brokerhauses ETX Capital. „Es wird noch viel schlimmer, wenn Großbritannien für den Brexit stimmt.“ Panik sei zwar noch nicht zu spüren. „Händler werden aber zunehmend nervös und das aus gutem Grund.“

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank spricht von der „aufregendsten Woche des Kapitalmarktjahres 2016“, die vor uns liege. Die Abstimmung habe „das Potenzial, die politische Verfassung Europas und die Stabilität ihrer Finanzmärkte negativ zu beeindrucken“, so Halver. Hauptprofiteur der politischen Verunsicherung sei Gold, das gegenüber allen anderen Anlageklassen weiter an Glanz gewinne.

Am Donnerstag fällt die Entscheidung über einen Brexit. In den vergangenen Wochen bekamen die EU-Gegner in Umfragen Zulauf. Deren Ergebnisse drückten Dax, Euro Stoxx50 und den Londoner Auswahlindex FTSE in der alten Woche jeweils etwa zwei Prozent ins Minus. Das Pfund Sterling verbilligte sich um bis zu viereinhalb US-Cent und fiel zeitweise auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief von 1,4010 Dollar.

Im Gegenzug griffen immer mehr Investoren zu den als sicher geltenden Bundesanleihen. Dies drückte die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Bundesanleihen am Dienstag erstmals unter die Marke von null Prozent. Die Rendite der britischen Pendants rutschte von einem Rekordtief zum nächsten.

Am Freitag hatten sich die Gemüter am deutschen Aktienmarkt zeitweise etwas beruhigt. Die Anleger zeigten sich angesichts der zunächst ausgesetzten Brexit-Kampagne in Großbritannien wieder etwas optimistischer, dass die Briten sich für den Verbleib in der EU aussprechen. Der Dax gewann 0,85 Prozent auf 9631,36 Punkte, nachdem es seit Anfang Juni fast durchweg bergab gegangen war.

Die Schwärzesten Tage des Dax: 2008-2015

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

8. August 2011

Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

24. August 2015

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den Dax erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke 10.000 Punkten. Der Leitindex fällt um bis zu 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

Sollten sich die Briten für einen Brexit aussprechen, erwarten Experten ein weltweites Kurschaos und eine Abkühlung der Weltwirtschaft. Nick Parsons, leitender Anlagestratege der National Australia Bank, erwartet für diesen Fall eine Wiederholung des „Schwarzen Mittwochs“. Am 16. September 1992 war der Kurs des Pfund Sterling um 4,3 Prozent eingebroch und die Währung war aus dem Europäischen Wechselkurssystem gefallen. Insgesamt könnten die Kurse der britischen Währung und der Aktienmärkte um bis zu 30 Prozent einbrechen, warnen Experten.

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