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19.09.2015

15:27 Uhr

Dax-Ausblick

Bye, bye Dax 10.000

VonKatharina Schneider

Die Verschiebung der Zinswende in den USA hat die Stimmung der Anleger deutlich getrübt und die Aktienkurse auf Talfahrt geschickt. Warum positive Impulse auch in der kommenden Woche Mangelware sein könnten.

Die Stimmung hat sich nach der verschobenen Zinswende verschlechtert. Reuters

Händler an der Frankfurter Börse

Die Stimmung hat sich nach der verschobenen Zinswende verschlechtert.

FrankfurtBegeisterung sieht anders aus. Mit ihrer Entscheidung, die Leitzinsen bei mickrigen 0,25 Prozent zu belassen, hat die US-Notenbank Fed weltweit für deutliche Kursverluste gesorgt. Während der japanische Nikkei mit einem Minus von etwa zwei Prozent aus dem Handel ging, büßte der deutsche Leitindex Dax sogar mehr als drei Prozent ein und beendete die Handelswoche bei 9.916 Punkten.

Auch der Euro Stoxx 50 verlor am Freitag etwa drei Prozent auf 3.157 Punkte. Die Anleger schließen aus der verschobenen Zinswende vor allem eines: Die Fed hat noch nicht genug Vertrauen in die Stabilität der US-Wirtschaft. Sie setzt den Krisenmodus fort und verstärkt damit die Krisenstimmung an den Märkten.

„Die negative Reaktion der Börsen zeigt, dass man sich mit einer Zinswende wohler gefühlt hätte, um Klarheit zu haben“, kommentierte Andreas Paciorek von CMC Markets. Doch nun stehen wieder die Konjunktursorgen im Fokus. Niedrige Zinsen bedeuten zwar weiterhin große Liquidität, aber das führt nicht automatisch zu steigenden Aktienkursen. Auch in der neuen Woche sei nicht mit größeren Kursgewinnen zu rechnen, sagte Marktanalyst Heino Ruland vom Brokerhaus ICF. „Denn Unsicherheit mögen die Märkte nicht.“

Wie es nach dem Fed-Entscheid weitergeht

Zinswende bleibt vorerst aus

Noch scheuen sich die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen, erstmals seit Jahren wieder am Geldhahn zu drehen. Allerdings könnte die US-Notenbank noch in diesem Jahr handeln – und damit auch die Konjunktur im Euroraum anschieben. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen in den USA, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, auf dem Tief zwischen null und 0,25 Prozent.

Warum hat die Fed die Zinsen diesmal nicht angehoben?

Ein Hauptgrund sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Im August hatte ein Kurssturz in China Europas Börsen in einen Abwärtsstrudel gezogen und an der Wall Street für massive Verluste gesorgt. „Wir achten insbesondere auf China und aufstrebende Märkte“, sagt Yellen. Die Fed spricht von „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen“, die den Aufschwung gefährden könnten.

Spielt das die Hauptrolle für die Entscheidung der Notenbanker?

Nein. Am wichtigsten sind hohe Beschäftigung und ein stabiles Preisniveau. Die Inflation liegt aber noch deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent, und vom Arbeitsmarkt kommen trotz hoffnungsvoller Zeichen zwiespältige Signale. Aus Sicht von Ökonomen wie Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ist eine Zinserhöhung angesichts der US-Konjunktur aber schon lange überfällig: „Die US-Wirtschaft dürfte weiter kräftig wachsen, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung und die Inflation, obwohl auf niedrigem Niveau, sollte sich in Richtung Zielwert der Fed von zwei Prozent bewegen.“ Die aktuelle US-Konjunkturlage verlange eine Bewegung hin zu Leitzinsen zwischen 2 und 3 Prozent.

Also geht die Spekulation um die Zinswende weiter?

Die Mehrzahl der Notenbanker ist nach wie vor der Meinung, dass die Fed das Ende ihre Nullzinspolitik noch dieses Jahr einläuten sollte. Der Offenmarktausschuss tagt bis Jahresende nur noch zweimal: Ende Oktober und am 16. Dezember. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet spätestens im Dezember die Zinswende: „Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit.“

Ist die Fed zu zaghaft?

Nach Einschätzung vieler Beobachter schon. „Einen Zeitpunkt, zu dem eine Zinserhöhung in einer völlig stabilen weltwirtschaftlichen Situation erfolgt und keine Risiken birgt, wird es kaum geben“, warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Das Problem ist, dass der Druck mit jedem Aufschub zunimmt. Schließlich soll beim ersten Zinsschritt nicht der Eindruck entstehen, dass die Ära des ultrabilligen Geldes schlagartig vorüber ist. „Die Haltung der Geldpolitik wird vermutlich noch für einige Zeit nach der anfänglichen Erhöhung der Leitzinsrate hochexpansiv bleiben“, versichert Yellen deshalb.

Warum sind die Zinsen überhaupt auf dem Rekordtief?

Mit den Mini-Zinsen hatte die Fed auf die Finanzkrise von 2008 und die folgende Rezession reagiert. Bei niedrigen Zinsen investieren Unternehmen tendenziell mehr, Verbraucher geben mehr Geld aus. Das schiebt die Konjunktur an.

Welche Folgen hätte eine Zinserhöhung?

Höhere Zinsen verhindern Blasen etwa an Immobilien- und Aktienmärkten sowie eine zu hohe Inflation. Banken verleihen mehr Geld, statt es zu parken. Für viele Sparer sind Zinserträge auch eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings würde der Dollar an Wert gewinnen, wenn gleichzeitig andere Notenbanken auf Null-Zins-Kurs bleiben. Das hätte zwei Konsequenzen, betont Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang: „Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.“

Wird die EZB die Zügel im Euroraum bald anziehen?

Nein. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Geldschleusen noch lange weit geöffnet und den Zins nahe der Nulllinie lassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat sogar weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Liane Buchholz vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) rechnet frühestens 2017 mit einem ersten Zinsschritt: „Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns noch länger begleiten.“ Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was würde eine frühere Zinserhöhung in den USA für Europa bedeuten?

Steigen die Zinsen in den USA, aber nicht in Europa, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. In Dollar gehandelte Importe wie Rohstoffe werden so im Euroraum teurer. Das stärkt den mickrigen Preisauftrieb. Gleichzeitig werden hiesige Produkte auf dem Weltmarkt günstiger. Das befeuert den Export und die Konjunktur im Euroraum.

Tatsächlich dürften positive Impulse in den nächsten Tagen Mangelware sein. Zunächst einmal könnte die am Sonntag anstehende Parlamentswahl in Griechenland dafür sorgen, dass die Anleger vorsichtig bleiben. Hier dürfte es darauf ankommen, dass sich eine Regierung bildet, die einen Sanierungskurs fortführt. Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, hält Griechenlands finanzielle Versorgung jedoch für gesichert: „Griechenland wird weiter finanziell von der EU wie auf einer Sänfte getragen. Der Grund ist sehr einfach: Einen neuen aufreibenden Griechenland-Konflikt hält Europa nicht mehr aus.“

Zudem rechnet Halver damit, dass die Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe in der Euro-Zone eine Konjunkturerholung signalisieren werden. Diese werden am Mittwoch veröffentlicht. Die Erwartungen dazu gehen jedoch weit auseinander. So rechnet Commerzbank-Analyst Christoph Weil nicht mit einer Erholung, sondern mit einem Rückgang von 52,3 auf 51,5 Punkte. Das Stimmungsbarometer würde damit gefährlich nahe an den Grenzwert von 50 Zählern rücken. Werte unter dieser Marke deuten auf eine schrumpfende Wirtschaft hin.

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