Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.12.2015

15:02 Uhr

Dax-Ausblick

Das gefährliche Spiel mit den Erwartungen

VonSara Zinnecker

Die Börsen hängen an den Lippen der Notenbanken. Nach der Rede von EZB-Chef Draghi steht bald die Entscheidung der Fed über eine Leitzinserhöhung an. Vorab wird wieder vieles erwartet. Auf welche Daten Anleger blicken.

Die Aktienmärkte hängen an den Lippen der Notenbanken. Jede Abweichung von den Erwartungen wird bestraft. Imago

Gefährliche Erwartungen

Die Aktienmärkte hängen an den Lippen der Notenbanken. Jede Abweichung von den Erwartungen wird bestraft.

DüsseldorfVerkehrte Welt an den Börsen? Eigentlich geht es in den letzten Wochen des Jahres traditionell etwas ruhiger zu. Investoren beginnen dann normalerweise schon, ihre Möglichkeiten für das kommende Jahr auszuloten, sie studieren Ausblicke, machen sich über die Strategie grundsätzlich Gedanken. Doch in diesem Jahr machen die Notenbanken Börsianern einen Strich durch die Rechnung.

So hatten die Aussagen des EZB-Präsidenten Mario Draghi die europäischen Börsen, allen voran den Dax, am Donnerstag in starke Wallungen versetzt. Der deutsche Leitindex verlor zunächst 400 Punkte, am Freitag dann weitere 60 Punkte. Wo mancher Analyst vor der EZB-Pressekonferenz noch auf starken Auftrieb beim Dax-Barometer gesetzt hatte, stand am Ende Ernüchterung.

„Der Markt hat eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass Zentralbanken nur noch Euphorie auslösen, wenn ihre Maßnahmen deutlich über den Erwartungen liegen. Fortgesetzte geldpolitische Expansion allein reicht nicht mehr aus“, urteilten die Analysten der Metzler Bank. In anderen Worten: Draghi hatte den Märkten zu wenig geliefert.

Dax, MDax, SDax: Welche Aktien alle Rekorde brechen

Dax, MDax, SDax

Welche Aktien alle Rekorde brechen

Hoch und höher ging es in den vergangenen Wochen für die Aktien in den deutschen Indizes. Zum Jahresausklang haben die Anleger sich eine Herbstrally geliefert. Wer sind die Champions der Indizes? Eine Übersicht.

Der Vorfall zeigt, wie stark die Börsen mittlerweile an den Lippen der Notenbanker hängen. „Die Finanzmärkte sind vom billigen und üppigen Geld abhängig wie der Drogenabhängige vom nächsten Schuss“, findet Robert Halver gewohnt drastische Worte. Jede noch so kleine geldpolitische „Enttäuschung“, auch wenn die Expansion nur geringer ausfällt als erwartet, werde bestraft, glaubt der Kapitalmarktexperte der Baader Bank.

Es bleibt also weiter spannend, auch in der kommenden Woche. Denn Erwartungen an die Geldpolitik haben die Märkte unentwegt. Zwar hat Draghi seine letzte offizielle Rede des Jahres gehalten. Doch schon am 16. Dezember folgt ihm seine Kollegin aus den USA. Da könnte Fed-Chefin Janet Yellen erstmals seit 2007 die Leitzinsen anheben.

Was treibt die Börsen auf Rekordhoch?

Geldschwemme

Die wichtigste Triebfeder des Börsenbooms ist die Geldflut der Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre ohnehin lockere Geldpolitik sogar nochmals dramatisch ausgeweitet: Seit 9. März kaufen die Währungshüter monatlich Vermögenswerte in Höhe von 60 Milliarden Euro. Ein Großteil des vielen Geldes fließt in Aktien.

Anlagenotstand

Weil die EZB gleichzeitig den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt hat, herrscht Anlagenotstand: Sparbuch, Tagesgeld, Festgeld und Anleihen bringen kaum noch Renditen. Das treibt Anleger in riskantere Investitionen wie Aktien, aber auch in Immobilien.

Euroschwäche

Der Euro ist durch die Geldpolitik auf Talfahrt. Das hilft der Exportwirtschaft, weil deutsche Waren dadurch im Ausland günstiger werden. Aktien internationaler Unternehmen profitieren.

Unternehmensgewinne

Deutschlands Börsenschwergewichte haben schon 2014 glänzend verdient - trotz internationaler Krisen. Nach einer Auswertung der Unternehmensberatung EY stieg der operative Gewinn der ersten 15 Dax-Konzerne, die Zahlen für 2014 vorlegten, um fast ein Viertel.

Die sehr guten Arbeitsmarktzahlen vom Freitag würden einen solchen Schritt zumindest stützen. Ausschlaggebend werden aber auch die Einzelhandelspreise und die Einzelhandelsumsätze sein, die am kommenden Freitag veröffentlicht werden. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft. Anleger werden genau darauf schauen. Können die Zahlen die Erwartungen halten?

„Alles deutet darauf hin, dass das der Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) am 16. Dezember die längst überfällige Leitzinsanhebung beschließen wird“, glaubt Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. Anleger dürften vorab jedoch darüber spekulieren, ob der Entscheidung 2016 dann weitere „graduelle“ Zinsanhebungen folgen werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×