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12.09.2015

11:56 Uhr

Dax-Ausblick

Das lange Warten auf die Notenbanker

VonJens Hagen

Am Donnerstag ist es endlich soweit. Die US-Notenbank gibt an diesem Tag ihren Zinsentscheid bekannt. Eine Überraschung könnte für Turbulenzen an den Märkten sorgen. Was die Woche den Anlegern sonst noch bringt.

Die Marktteilnehmer warten auf den Zinsentscheid der US-Notenbank am Donnerstag. dpa

Die Marktteilnehmer warten auf den Zinsentscheid der US-Notenbank am Donnerstag.

FrankfurtDie Stunde der Wahrheit naht. Um 20 Uhr am Donnerstagabend deutscher Zeit gibt die US-Notenbank ihren Zinsentscheid bekannt. Anleger warten mit Spannung darauf, ob die US-Notenbanker um ihre Chefin Janet Yellen ihren Leitzins erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 anheben oder sich wegen der Börsenturbulenzen der vergangenen Monate Zeit lassen werden.

Die Mehrheit des Marktes rechnet nicht mit einer Zinswende. Nach einer Umfrage der Agentur Reuters erwarten zehn von 17 befragten Geldhäuser mit einer Zinserhöhung erst im vierten Quartal 2015 oder später. Die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Anhebung des Schlüsselsatzes ist aus Marktsicht in den vergangenen Wochen von 60 Prozent auf 40 Prozent gesunken.

Pro und Kontra für eine Zinswende der Fed

Pro: Robuste Konjunktur

Die amerikanische Wirtschaft hat sich in den letzten Jahren stark von dem Einbruch nach der Wirtschaftskrise erholt. Von Abschwung oder Krise ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Einige Fachleute argumentieren sogar, dass die Notenbank ihre Geldpolitik schon zu lange locker hält. Die Gefahr: Fließt zu viel billiges Zentralbankgeld in Vermögenswerte wie Häuser, könnte das zu ähnlichen Übertreibungen führen wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise.

Pro: Boom am Arbeitsmarkt

Als Folge der robusten Wirtschaft hat sich die Lage am Arbeitsmarkt stark gebessert. Allein im vergangenen Jahr sind mehr als drei Millionen Jobs entstanden. Die Arbeitslosigkeit ist massiv gefallen und bewegt sich mittlerweile auf einem Niveau, ab dem die Notenbank von Vollbeschäftigung spricht. Unicredit-Experte Harm Bandholz sagt sogar, der Arbeitsmarkt sei bereits „heißgelaufen“. Rekordniedrige Zinsen hat der Jobmarkt jedenfalls nicht mehr nötig.

Kontra: Schwache Inflation

Trotz robuster Wirtschaft und fallender Arbeitslosigkeit ziehen die Preise nicht an. Was amerikanische Verbraucher freut, ängstigt die Notenbank. Denn sie hat nicht nur das Ziel, das Wachstum zu beleben, sie muss auch die Preise stabil halten. Weil in einer wachsenden Wirtschaft die Preise zwangsläufig steigen, sieht die Fed ihr Inflationsziel bei zwei Prozent. Davon ist sie zurzeit weit entfernt.

Kontra: Löhne ziehen nicht an

Der vielleicht wichtigste Grund, der die Zinswende hinauszögern könnte, sind die allenfalls moderat steigenden Löhne. Zwar rechnen viele Fachleute damit, dass die Gehälter durch den Jobboom bald steigen werden. „Bisher aber zeigen die Löhne kaum Anzeichen eines stärkeren Zuwachses“, sagt USA-Experte Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob die Fed tatsächlich mit Zinsanhebungen beginnt, ohne dass sich Lohndruck abzeichnet, ist aber fraglich.

Kontra: Der starke Dollar

Die amerikanische Währung hat in den vergangenen Monaten massiv an Wert gewonnen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wichtiger Punkt ist gerade die Erwartung steigender Leitzinsen, weil höhere Zinsen Anlagen in den USA lukrativer machen. Das bringt die Fed in die Zwickmühle: Hebt sie die Zinsen tatsächlich an, könnte der Dollar weiter zulegen - und zu einer Belastung für die amerikanische Konjunktur werden.

Kontra: Fed allein auf weiter Flur

Neben der Federal Reserve denkt derzeit keine andere große Zentralbank über Zinsanhebungen nach. Im Gegenteil: Viele Notenbanken, darunter die Europäische Zentralbank, lockern ihre Geldpolitik und schwächen so ihre Währungen. Das setzt die Fed unter Druck, weil der Dollar jetzt umso stärker steigt. Als Folge verteuern sich amerikanische Produkte für ausländische Abnehmer, was die Exportwirtschaft belastet. Zudem werden Einfuhren in die USA günstiger, was die ohnehin schwache Inflation zusätzlich dämpft.

„Das aus unserer Sicht das wahrscheinlichste Szenario wäre, dass die Fed die Leitzinsen im Dezember oder Anfang 2016 um einen Viertelprozentpunkt erhöht“, sagt Burkhard Allgeier, Leiter des Portfoliomanagements bei der Privatbank Hauck Aufhäuser. Eine spätere Erhöhung hätte viele Vorteile.

Die Rohstoffmärkte könnten sich bis dahin erholt haben und die Verbraucherpreise steigen lassen. Wirtschaft und Arbeitsmarkt wären kaum betroffen. Der Dollar dürfte profitieren. „Wir sehen den US-Leitzins Ende 2016 bei höchstens einem Prozent“, sagt Allgeier.

„Wir rechnen mit der Leitzinswende unverändert im Dezember dieses Jahres“, erklären die Analysten der DZ Bank. Die Gefahr einer Trendwende am deutschen Aktienmarkt sehen die Analysten nicht. „Wir sind der Meinung, dass die Korrektur an den Aktienmärkten keine Trendwende hin zum Bärenmarkt ist, sondern vielmehr eine Korrektur, die stark von der Marktstimmung und Absicherungsmechanismen getrieben wurde“.

Anders bei US-Aktien. Wenn die Fed in den nächsten Quartalen die Zinsen erhöht, könnten US-Aktien unter Druck geraten. „Die monatelange Seitwärtsbewegung des S&P 500 ist äußerst ungewöhnlich“, schreiben die Analysten. Der US-Aktienmarkt sei sehr hoch bewertet und der starke Dollar drücke die Unternehmensgewinne. „Allerdings benötigt es einen Katalysator für eine Underperformance des US-Marktes im kommenden Jahr“, erklären die Analysten. „Dieser könnte die nun bevorstehende Leitzinsanhebung der Fed sein“.

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