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27.04.2013

14:46 Uhr

Dax-Ausblick

Das Parkett gehört den Notenbanken

Bühne frei für Draghi und Bernanke. Anleger spekulieren auf eine Zinssenkung der EZB und eine Fortsetzung des Anleihekaufprogramms der Fed. Gibt es in der neuen Woche wieder Zündstoff für einige Kursraketen?

Frankfurter Börsenparkett. Die Notenbanken bestimmen das Geschehen. dpa

Frankfurter Börsenparkett. Die Notenbanken bestimmen das Geschehen.

Frankfurt/DüsseldorfDie große Frage am Markt lautet in der neuen Woche: Kommt die Zinssenkung der EZB und wie geht in den USA weiter? Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) steht nämlich in der nächsten Woche die Ratssitzung an. Viele Analysten glauben, dass die EZB die Zinsen am Donnerstag auf 0,5 Prozent senken wird. „Die Belastung für den Euro sollte sich aber in Grenzen halten, da dies wohl keine Überraschung wäre“, meint Commerzbank-Experte Karpowitz.

Das könnte vor allem den großen Unternehmen in Europa helfen, sich günstiger mit Fremdkapital einzudecken und ihre Altschulden besser zu refinanzieren. „Dies ist ein nicht zu unterschätzender Effekt für die Unternehmensgewinne und dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass die Kurse an den europäischen Aktienmärkten trotz zahlreicher negativer Wirtschaftsdaten in den vergangen Tagen so stark angestiegen sind“, heißt es im Wochenausblick der Bank M.M. Warburg.

In der Tat gab es am Aktienmarkt bereits reichlich Vorschusslorbeeren: Zinssenkungsfantasien sorgten in der alten Woche beim Dax für ein Plus von fast fünf Prozent. Sie können die Aktienmärkte auch zu Wochenanfang nach Ansicht von Marktstratege Bernd Krampen von der NordLB zunächst weiter nach oben treiben. Der Dax befindet sich etwa 350 Punkte von seinem Allzeithoch entfernt. Wegen des billigen Geldes der Notenbanken geht die Mehrheit der Analysten davon aus, dass der Dax die Rekordmarke von 8.151 Punkten knacken könnte.

Die Baader Bank geht ebenfalls von einer Zinssenkung aus. Die aggressive Geldpolitik der Bank of Japan könne die EZB nicht einfach ignorieren. Wenn wegen dem schwachen Yen der Euro aufwertet, würde dies den Export der Euro-Zone belasten. Die EZB werde deshalb die Zinsen auf 0,5 Prozent senken, meint Robert Halver von der Baader Bank. „Und auch die positiven Ausstrahleffekte Deutschlands als exportstarkes Konjunkturzugpferd der Eurozone können sich umso mehr entfalten, je schwächer der Euro notiert.“

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

„Niedrige und tendenziell fallende Inflationsraten geben der EZB den Spielraum für eine weitere Lockerung“, schreiben die Analysten der Deka-Bank. Die große Überraschung wäre Zinssenkung nicht, allerdings andere unkonventionelle Maßnahmen zur Stimulierung der Kreditvergabe. Diese sind aber im EZB-Rat umstritten und deshalb recht unwahrscheinlich.

Nur wenige Analysten gehen von keiner Zinssenkung der EZB aus. So die Experten der HSH Nordbank in ihrem Wochenkommentar.

Kommentare (14)

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Mauserspeck

27.04.2013, 15:35 Uhr

Die Politik des billigen Geldes hat bisher wohl nicht so
ganz den gewünschten Effekt erzielt. Das Modell sollte m.E.
geändert werden. Die Notenbanken sollten Staaten und Unternehmen Zinsen zahlen, wenn sie das Geld der Notenbank
annehmen. Eine weitere Möglichkeit wäre dass die Notenbanken das Geld einfach an die Bürger auszahlen und
auf eine Rückzahlung verzichten. Wenn die EZB jedem Bürger
1 Million Euro schenken würde, wäre der Konsum nicht mehr
zu bremsen und alles wäre zumindest kurzfristig in Ordnung.

Account gelöscht!

27.04.2013, 17:17 Uhr

"Bühne frei für Draghi und Bernanke."

Ist es richtig, Bernanke (und Yellen) ohne Obama zu nennen, der DIESE FED ermoeglicht? Wohl kaum.

Aber wer steht bei UNS WIRKLICH hinter dem Gelddrucker Draghi? Was er tut ist nicht Aufgabe der EZB, aber wird dennoch gerne akzeptiert. Von wem, warum und fuer wie lange? Wie auch immer, unsere derzeit gewaehlten Politiker geben ihm offensichtlich freie Hand. Verfolgen wohl immer noch die Untergangspolitik des Helmut Kohls - und seiner Ziehtochter Merkel. Nur die naechste Wahl kann dies aendern. Nicht, dass ich AfD-Freund bin, aber es gibt leider keine Wahlalternative.

Cassandra

27.04.2013, 18:25 Uhr

Notenbanken vollgestopft mit wertlosen Sicherheiten und toxischen Müll der Zombiebanken. Der letzte Akt der Draghödie um das draghische Geld hat bereits begonnen. Euro-Schuldgeld durch nichts anderes gedeckt als den Glauben an leere Politikerversprechen bereits insolventer Staaten und Ramschsicherheiten. Sehenden Auges in den Untergang!

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