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26.11.2016

13:06 Uhr

Dax-Ausblick

Datenfutter für die Notenbanker

VonReiner Reichel

Am Freitag ging es an den Börsen beschaulich zu. Ab Montag müssen Anleger hellwach den Worten der Notenbanker lauschen – es stehen wichtige Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten an. Was die Börsen bewegen wird.

Blick in den Frankfurter Handelssaal: Ab Montag ist Schluss mit der Beschaulichkeit. dpa

Börse Frankfurt

Blick in den Frankfurter Handelssaal: Ab Montag ist Schluss mit der Beschaulichkeit.

DüsseldorfAdvent, Advent. Am Freitag herrschte bereits vorweihnachtliche Ruhe an den Aktienmärkten. Zum Schluss ging der Dax mit 10.699 Punkten und damit einem Mini-Plus von 0,01 Prozent aus dem Handel. Der müde Handel ist nicht verwunderlich. Marktbewegende Nachrichten gab es nicht – und die Amerikaner wollten ohnehin einen Tag nach Thanksgiving an der Börse nicht so richtig mitmischen.

Lieber shoppen hieß ihre Devise, weswegen die Wall Street auch bereits um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit den Handel einstellte. Dahinter steckt der „Black Friday“, an dem der US-Einzelhandel die Konsumenten mit Rabatten in die Geschäfte lockt – und die Kunden nehmen es dankbar an.

Die besten Anlagen im ersten Halbjahr 2016

Aktien USA

Zu Jahresbeginn ging es auch für die großen US-Aktienindizes kräftig nach unten, später erholten sich die Börsen jedoch - anders als in Europa wieder deutlich - und steuerten sogar auf neue Jahreshochs zu. Der Brexit verhagelte auch US-Anlegern die Stimmung. Dennoch liegt Leitindex Dow Jones auf Halbjahressicht 2,9 Prozent im Plus. Für Euro-Anleger ist der Gewinn etwas geringer, aus 100.000 investierten Euro wurden für sie aber immerhin 100.720 Euro.

Aktien Schwellenländer

Die Aktien der Schwellenländer haben sich insgesamt von ihrem Absturz des vergangenen Jahres erholt als der MSCI Index für Emerging Markets noch um 16 Prozent abgestürzt war. Im ersten Halbjahr 2016 legte der auf Dollar lautende Index gut fünf Prozent zu. In Euro gerechnet blieb ein Plus von 3,07 Prozent – aus 100.000 Euro machten Anleger 103.070 Euro.

US-Staatsanleihen

Die Unsicherheit der Investoren hat US-Staatsanleihen Zulauf beschwert Dazu kommt, dass Investoren inzwischen nicht mehr daran glauben, dass die US-Notenbank Fed ihren im Dezember vergangenen Jahres ganz vorsichtig eingeleiteten Zyklus der Leitzinserhöhungen fortsetzt. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in US-Staatsanleihen gesteckt hat, hat jetzt 103.320 Euro.

Euro-Unternehmensanleihen

Seit Juni kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Euro-Anleihen von Unternehmen abseits der Bankbranche mit guter Bonität. Die Käufe beziehungsweise schon vorher die Erwartung der EZB als neuen großen Investor trieben die Kurse. Gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch verdienten Anleger mit den Firmenbonds 5.350 Euro, wenn sie im Januar 100.000 Euro investierten.

Deutsche Staatsanleihen

Bundesanleihen sorgten im ersten Halbjahr für viel Aufsehen. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die Niedrigzinsen und die Unsicherheit der Anleger über die wirtschaftliche Entwicklung bescherten den deutschen Staatsanleihen regen Zulauf. Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rentiert im Minus, am Tag nach dem Brexit-Entscheid fiel sie auf bis zu minus 0,17 Prozent. Für Anleger, die gleich zu Jahresbeginn 100.000 Euro in deutsche Staatsanleihen investierten machten damit Gewinn aus den minimalen Zinsen und den deutlichen Kurssteigerungen von 6.800 Euro.

Anleihen Schwellenländer

Die Anleihen der Schwellenländer haben sich kräftig erholt. Das liegt auch daran, dass die US-Zinswende stockt und die Renditen der US-Staatsanleihen so deutlich gefallen sind. Außerdem haben sich die Fundamentaldaten in vielen Emerging Markets verbessert. Euro-Anleger machten mit auf Dollar lautenden Staatsanleihen gemessen am Index von JP Morgan einen Gewinn von 10.160 Euro, wenn sie am Jahresanfang 100.000 Euro investierten.

Gold

Gold glänzte nach einer fünfjährigen Talfahrt wieder. Zum einen sorgte die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft für die Flucht in die Krisenwährung Gold. Zum anderen machen die Negativrenditen vieler Staatsanleihen in der Euro-Zone und in Japan Gold als Anlage erneut attraktiver. Allein im Juni stieg der Goldpreis um 8,5 Prozent. So stark ist er in einem Juni zuletzt im Jahr 1980 gestiegen. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in Gold investierte hat nach einem halben Jahr 122.860 Euro.

Öl

Der Ölpreis fiel zwar bis Ende Januar auf ein Zwölfjahrestief von rund 27 Dollar, setzte dann aber zu einer Rally an und kostet aktuell rund 50 Dollar. „Das liegt vor allem, dass die USA deutlich weniger Öl produzieren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In Euro gerechnet wurden aus 100.000 am Ölmarkt investierten Euro auf 130.450 Euro.

Sojabohnen

Auftrieb gab es auch bei vielen Agrarrohstoffen, die ebenfalls ihre jahrelange Talfahrt stoppten. Hauptgründe dafür waren Dürren und extreme Wetterlagen, die teils die Ernte bedrohen. Allen voran stieg der in Dollar notierte Preis für Sojabohnen um fast 35 Prozent. Aus 100.000 in den Agrarrohstoff investierten Euro wurden so im ersten Halbjahr 131.800 Euro.

Aktien Peru

Die Börse in Peru ist als Überraschungsaufsteiger weit nach vorne gerückt, nachdem die Kurse zuvor fast vier Jahre stetig gefallen waren. Aus 100.000 an der Börse in Lima investierten Euro wurden in diesem Jahr bislang 142.990 Euro. Die US-Bank Goldman Sachs sieht Peru „makrookönomisch in optimaler Verfassung“ mit zunehmenden Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation. Allerdings sind die Umsätze an der Börse gering, und dort sind nur wenige Werte notiert.

Aktien Brasilien

Der brasilianische Bovespa-Index legte in den ersten sechs Monaten des Jahres zweistellig zu, nachdem er im Januar noch auf ein Siebenjahrestief gefallen war. Da auch der zuvor unter die Räder gekommene Real deutlich aufwertete machten Anleger die 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investiert haben, daraus im ersten Halbjahr 143.420 Euro. Besser schnitt keine andere Anlage ab. Dabei setzen Anleger nach der Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff auf ein Ende des politischen Stillstands und auf Reformen. Aber: Brasilien steckt nach wie vor in der Rezession, als wirtschaftlich gerechtfertigt, gilt der Börsenaufschwung in dieser Form nicht.

Schlussstand für alle Werte: 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Was an diesem Tag geschieht betrifft auch die Börse – und nicht nur die in den USA, denn auch in Deutschland liefern sich Einzelhändler an diesem Wochenende Rabattschlachten, insbesondere Möbelhäuser. Anfang nächster Woche wird es erste Einschätzungen darüber geben, wie locker den Deutschen der Euro in diesem Jahr sitzt, was für die Anleger in Konsumwerten und Einzelhandelstiteln schließlich nicht unerheblich ist. Harte Fakten zu den Einzelhandelsumsätzen gibt es am Mittwoch vom Statistischen Bundesamt in einer Rückblende auf den Oktober.

Die Unternehmensberichte zum dritten Quartal sind abgefeiert – deshalb wird kein deutsches Unternehmen in der nächsten Woche besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Doch es gibt andere Möglichkeiten, Interesse zu wecken: Etwa wenn man bestreikt wird, wie die Lufthansa. Es wird, so hat die Pilotengewerkschaft es jedenfalls angekündigt, nicht der letzte Streik in der aktuellen Tarifauseinandersetzung sein. Die Aktie bleibt also weiter unter Druck.

Ab Montag ist Schluss mit der Beschaulichkeit, auch wenn es an Unternehmensberichten mangelt. Dafür können sich die Anleger auf die Interpretation der Konjunkturdaten konzentrieren – und darauf, was die Notenbanker sagen. Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), spricht am Montag vor dem Wirtschaftsausschuss des Parlaments der Europäischen Union. Vielleicht umschreibt Draghi dort noch einmal mit seinen Worten, wann das Ende der Anleihekäufe kommen könnte.

Andere haben das vor ihm getan. Vor zehn Tagen hatte EZB-Direktor Yves Mersch gesagt, es sei zwar noch zu früh, um über ein Ende der lockeren Geldpolitik zu sprechen. Doch der Zeitpunkt rücke näher, an dem über eine Änderung der Strategie gesprochen werden könne. Am Freitag ließ EZB-Ratsmitglieds Yannis Stournaras die Öffentlichkeit über Bloomberg-TV wissen, dass die EZB noch weit von einem Abschmelzen ihrer Anleihenkäufe entfernt sei. Die nächste geldpolitische Sitzung der EZB findet am 8. Dezember statt.

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