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23.06.2012

08:26 Uhr

Dax-Ausblick

Dax-Anleger bangen um Deutschland

Deutschland hat sich bislang erfolgreich gegen die Krise gestemmt. Doch die Investoren fürchten, dass sich die Bundesrepublik mit der Euro-Rettung übernehmen könnte. Die Politik muss sich etwas einfallen lassen.

Griechenland hat eine Regierung, jetzt fangen die Verhandlungen an. Das bedeutet: Anleger werden einen langen Atem brauchen. AFP

Griechenland hat eine Regierung, jetzt fangen die Verhandlungen an. Das bedeutet: Anleger werden einen langen Atem brauchen.

FrankfurtDie Stimmung an den Börsen bleibt bedrohlich nervös. Das liegt unter anderem auch daran, dass der Druck auf Deutschland immer weiter wächst.

Das größte Euro-Land wird wohl das Spardiktat gegen Griechenland lockern und noch mehr Gelder für die Euro-Zone bereitstellen müssen. Ansonsten würden sich die Verhandlungen mit dem Pleite-Staat festfahren, was die Lage an Märkten noch kritischer machen würde. In der abgelaufenen Woche hatte der Dax zwischenzeitlich deutlich zugelegt, bis zum Freitag aber fast alle Gewinne wieder abgegeben.

Vielen Investoren allerdings der erheblich finanzielle Einsatz Deutschlands zur Rettung der Währungsunion große Sorgen. Die Rendite 10-jähriger Bunds stieg zwischenzeitlich spürbar an und erreichte fast wieder das Niveau ihres amerikanischen Pendants. Sollte Deutschland deswegen irgendwann selbst in Bedrängnis kommen, wären die Tage der Euro-Zone wohl gezählt. Die Anleger sehen deswegen die Politik im Zugzwang.

Das bevorstehende EU-Spitzentreffen soll neue Impulse bringen. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, geht davon aus, dass die Kurse an den Börsen in den nächsten Tagen zunächst anziehen werden. Dann könnte sich aber wieder das bekannte Handelsmuster vergangener Krisentreffen zeigen: "Hoffnung vor dem Gipfel und Enttäuschung nach dem Gipfel."

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Die großen Industriestaaten schieben einen Verschuldungsberg vor sich her, und Europa lässt keine einigende Vision erkennen. Genau damit aber könnte der gordische Knoten namens 'EU-Schuldenkrise' zerschlagen werden", sagt Kapitalmarktanalyst Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. Angesichts des nicht vorhandenen Vertrauens bleibe die Entwicklung am Aktienmarkt absehbar holprig. "Nicht nur die Fußball-EM ist in ihre entscheidende Phase eingetreten", kommentiert Analyst Ulf Krauss von der Helaba. "Auch das Ringen um den Fortbestand der Währungsunion nimmt an Intensität zu."

Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen bei ihrem am Donnerstag beginnenden Treffen eine Wachstumsagenda abstecken. Daneben dürften auch die Themen Bankenunion und Vergemeinschaftung von Schulden diskutiert werden. "Mit richtungsweisenden Entscheidungen ist insgesamt kaum zu rechnen", sagt Krauss. "An den nervösen Finanzmärkten könnten gleichwohl selbst leise Zwischentöne des einen oder anderen Regierungschefs erhebliche Bewegungen auslösen."

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

23.06.2012, 09:29 Uhr

Logisch! Wenn den Herstellern durch die allgemeine Verunsicherung um den Euro, auf den europäischen Absatzmärkten die Kunden weg bleiben, dann werden auch die Konsumenten nur noch das unbedingt notwendigste kaufen!

Account gelöscht!

23.06.2012, 09:50 Uhr

"Die Politik muss sich etwas einfallen lassen."
Nun los Merkel, sage einen Satz mit einfälltdich! Kannst de nicht?
Du hast zwei Tropfen an der Nase, einfälltdich gleich runter.

Account gelöscht!

23.06.2012, 09:55 Uhr

""Die Politik muss sich etwas einfallen lassen.""

Gott bewahre und vor deren Einfällen

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