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15.11.2014

12:42 Uhr

Dax-Ausblick

Dax bleibt auf Zickzack-Kurs

Der deutsche Leitindex kann sich nicht für eine klare Richtung entscheiden. Anleger schwanken zwischen der Hoffnung auf eine Jahresend-Rally und der Sorge vor einem Crash. Was in der neuen Woche wichtig wird.

Die Zickzack-Bewegungen des Dax stellen die Nerven vieler Anleger auf die Probe. Getty Images

Die Zickzack-Bewegungen des Dax stellen die Nerven vieler Anleger auf die Probe.

DüsseldorfKommt nun die Jahresend-Rally? Oder droht doch ein Aktien-Crash? Das dürften aktuell die häufigsten Fragen vieler Anleger sein. In der vergangenen Woche zeigte sich der Dax wieder einmal unentschlossen. Der Leitindex setzte seinen Zickzackkurs fort und verzeichnete am Ende ein Wochenminus von knapp 1,5 Prozent. Von „November-Blues“ sprach etwa Marktbeobachterin Sarah Brylewski vom Brokerhaus Ayondo. „Anders kann man es kaum bezeichnen, was der Index seit einigen Tagen vollzieht. Denn die US-Märkte hatten die Vorlage für einen Anstieg Richtung 9500 Punkte gegeben.“

Eine vorübergehende Verstimmung also oder doch der Beginn einer schweren Depression? Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, ist optimistisch: „Im direkten Vergleich sind die Chancen auf eine Jahresend-Rally deutlich größer als die Risiken eines Einbruchs.“ Die Begründung: China wachse weniger dynamisch, doch das sei auch gut so, weil sonst eine Blase zu platzen drohe. Auch die im Frühjahr 2015 startenden US-Zinserhöhungen könnten „positiv als Beweis für eine deutlich erholte US-Wirtschaft“ gewertet werden und der sich abschwächende Euro sei „Wasser auf die Mühlen der Euro-Exportwirtschaft“.

Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, betont die Bedeutung der US-Geldpolitik. Er rechnet für das kommende Jahr jedoch mit zusätzlicher Volatilität am deutschen Aktienmarkt. „Hierunter dürften insbesondere die Aktien von Unternehmen mit einer hohen Verschuldung leiden. Ein Beispiel hierfür ist ThyssenKrupp, dessen Nettoschulden fast fünfmal so hoch sind wie der operative Ertrag vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen.“ Von der Euro-Schwäche könnten insbesondere die Unternehmen profitieren, deren Gewinne positiv auf einen steigenden US-Dollar reagieren. Dies seien zum Bespiel K+S oder auch BMW.

Grund für die Zickzack-Bewegung des Dax ist auch der Mangel an klaren Impulsen von der Konjunkturseite. „Die deutsche Wirtschaft ist knapp an der befürchteten Mini-Rezession vorbeigeschrammt“, kommentiert Jörg Krämer die neuesten Daten zum Bruttoinlandsprodukt in Europa. Eine allmähliche Erholung sei erst im Verlauf des kommenden Jahres zu erwarten. „Wir gehen für 2015 von einer Wachstumsrate von ein Prozent aus.“ Frankreichs Wirtschaft ist dagegen überraschend gut in Schwung gekommen, während Italien hinter den Erwartungen zurück blieb.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.


In der neuen Woche müssen deutsche Aktienanleger erneut mit einem zähen Handel rechnen. „Uns werden die kursbewegenden Nachrichten fehlen, einige US-Konjunkturdaten aus der zweiten Reihe dürften in den Vordergrund rücken“, sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB. Angesichts dieser mauen Impulse rechnet der Experte beim Dax nicht mit großen Kursbewegungen. „Ich bin zwar vorsichtig optimistisch, allerdings sollten Anleger die vielen geopolitischen Krisen im Auge behalten.“

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