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22.06.2013

09:43 Uhr

Dax-Ausblick

Dax leidet unter dem langsamen Fed-Rückzug

Die Fed-Gelder werden nicht ewig fließen. Daran müssen sich die Anleger gewöhnen. Für die kommende Woche erwarten die Analysten aber keinen erneuten Ausverkauf. Eine gute US-Konjunktur könnte stützend wirken.

Der Dax verabschiedet sich von der 8.000 Punkte-Marke. Reuters

Der Dax verabschiedet sich von der 8.000 Punkte-Marke.

FrankfurtNachdem US-Notenbankchef Ben Bernanke das Ende der ultralockeren Geldpolitik eingeläutet hat, setzen sich die Anleger selbst auf Entzug. „Das billige Geld als Doping der Finanzmärkte wird künftig reduziert - das Thema wird die Börsen weiter beherrschen“, sagt Marktstratege Tobias Basse von der NordLB. „Da kommende Woche lediglich Wirtschaftsdaten aus der zweiten Reihe anstehen, werden die Märkte vorerst weiter die Fed-Sitzung verdauen“, erklärt auch Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Einen erneuten Ausverkauf erwarten Experten in den nächsten Tagen zwar nicht, allerdings könnte es durchaus zu größeren Kursschwankungen kommen.

Bernanke hatte am Mittwochabend angekündigt, die Zentralbank Fed könnte ihren geldpolitischen Kurs noch in diesem Jahr verlassen und ihre monatlichen milliardenschweren Anleihekäufe bis Mitte kommenden Jahres beenden. Obwohl die Drosselung damit langsam und über einige Monate hinweg passieren würde, reagierten die Investoren prompt und warfen Aktien, Anleihen und Rohstoffe aus den Depots.

Vor allem in den Schwellenländern gingen die Kurse in die Knie, da diese zuletzt besonders von der Liquiditätsflut der Notenbanken profitiert hatten. Der Dax verlor auf Wochensicht bis zum Freitagmittag 2,2 Prozent. An der Wall Street schlug beim Dow-Jones-Index bis Donnerstag ein Wochenverlust von rund zwei Prozent zu Buche.

Analystenstimmen zur Fed-Geldpolitik

Uwe Burkert, LBBW

„Die scharfe Reaktion der Rentenmärkte dies- und jenseits des Atlantiks bestätigt unseres Erachtens unseren Eindruck einer negativen Grundstimmung der Marktteilnehmer. Die Reduzierung des Expansionsgrads der Geldpolitik wird jedoch voraussichtlich in einem vorsichtigen Tempo erfolgen, eine Zinsanhebung in den USA dürfte bis Jahresende 2014 voraussichtlich nicht auf der Agenda stehen.“

Rob Lutts, Cabot Money Management

„Das Überraschendste war die Anhebung der Wachstumsrate für 2014. Auf die Wachstumszahlen wird sich der Anleihemarkt am stärksten konzentrieren. Die Bondanleger sagen sich: 'Wenn die Fed richtig liegt, müssen wir kurzfristig mit höheren Renditen rechnen.'“

George Rusnak, Wells Fargo Private Bank

„Die Fed wird mit der Drosselung der Wertpapierkäufe entweder im vierten Quartal oder im ersten Quartal nächsten Jahres beginnen.“

Camilla Sutton, Scotiabank

„Die Konjunkturprognosen signalisieren, dass die Arbeitslosenquote 2014 auf 6,5 Prozent sinken wird. Das bedeutet, dass die Fed die Zinsen früher anziehen könnte als erwartet, möglicherweise bereits im ersten Quartal 2015.“

Axel Merk, Merk Investments

„Die Hauptbotschaft ist, dass die Fed die Wertpapierkäufe wirklich drosseln will und dies bis zum nächsten Sommer abzuschließen hofft. Bernanke möchte kommunizieren, dass dies nicht unbedingt eine geldpolitische Straffung bedeutet, aber der Markt scheint das anders zu sehen.“

Fred Dickson, D.A. Davidson & Co.

„Er hat die Möglichkeit der Drosselung im September vom Tisch gewischt. Seine Aussagen über eine mögliche Verringerung der Wertpapierkäufe zum Jahresende und die Einstellung Mitte kommenden Jahres hat für etwas Klarheit, aber offenbar auch für Überraschung gesorgt.“

Brian Levitt, Oppenheimerfunds

„Die Fed beurteilt die US-Konjunktur offenbar optimistischer als bislang. Ich werte dies als gute Nachricht. Der Prozess der Normalisierung ist langwierig. Es bedeutet nicht, dass die Geldpolitik über Nacht gestrafft wird und die Grundlagen für den Aktienmarkt erscheinen immer noch vernünftig. Anleger sollten ihre Aktienpositionen nicht auflösen, weil die Fed mit dem langwierigen Prozess einer Normalisierung der Geldpolitik beginnt.“

Kan Mayland, Clearview Economics

„Erreicht das Wirtschaft zumindest durchschnittliche Wachstumsraten? Werden monatlich nachhaltig mehr als 200.000 neue Jobs geschaffen? Steigen die Preise zu schnell und überschreiten die Inflationserwartungen die Zielmarken? Nein, Nein und Nein. Daher kann man eine Drosselung zumindest in den kommenden Monaten vergessen.“

Ulrich Leuchtmann, Commerzbank

„Für die nächsten Wochen und Monate dürfte am wichtigsten sein, dass wir nun einen klaren Fahrplan für das "tapering" haben: Wenn sich die Rahmendaten so entwickeln, wie das FOMC erwartet, werden wir - so kündigte Bernanke an - eine erste Reduktion des QE-Volumens "später in diesem Jahr" sehen. Und "um die Mitte" 2014 würde dann QE3 ganz eingestellt. Das ist wesentlich klarer, als alles was wir bisher von der Fed zu diesem Thema gehört haben. Hinzu kommt, dass das Statement wesentlich optimistischer ausfiel als im Mai. (...) Die Kombination aus optimistischerer Konjunktureinschätzung und "Guidance" ist ein starkes Signal für die US-Währung.“

Ralf Umlauf, Helaba

„Fed-Chef Bernanke hat bei der gestrigen Pressekonferenz zur FOMC-Sitzung den zukünftigen Pfad der Geldpolitik, insbesondere die monatlichen Anleihekäufe, an die Entwicklung der Konjunkturdaten gekoppelt. Konkret heißt dies, dass die Notenbanker anhaltende Zeichen eines selbstragenden Aufschwungs und einer nachhaltigen Verbesserung sehen wollen. Sollte dies der Fall sein, könnten die Anleihekäufe im späteren Verlauf des Jahres zurückgefahren werden und gegen Mitte 2014 auslaufen. Während die Fed zukünftig den monetären Impuls allmählich verringern wird, ist die EZB noch immer bereit, der EWU-Wirtschaft mit weiteren Lockerungen unter die Arme zu greifen. Zwar hatte EZB-Präsident Draghi jüngst die Überzeugung geäußert, dass für eine weitere Zinssenkung derzeit keine Notwendigkeit bestehe, alle Optionen inklusive negativer Einlagensätze aber offen seien.“

Yuji Saito, Credit Agricole

„Bernanke ist deutlicher geworden, als der Markt es erwartet hat. Die Richtung des Dollar ist ab jetzt festgelegt.“

Die BRIC-Staaten kämpfen allerdings nicht nur mit dem möglichen Liquiditätsstopp der Notenbanken, sondern auch mit der schwächelnden chinesischen Konjunktur. Der vorläufig veröffentlichte HSBC-Einkaufsmanagerindex für China rutschte auf einen Wert von 48,3 Punkten. Erst ab einem Wert von 50 kann ein Wachstum ausgemacht werden. Außerdem mehren sich die Indizien, dass sich die Banken in China immer seltener Geld untereinander leihen. Der mangelnde Geldverleih unter den Geldhäusern könnte dramatische Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben. Denn wenn Banken anderen Banken kein Geld leihen, dann werden sie erst Recht keines an Unternehmen verleihen – und wenn, dann nur zu immens hohen Verzinsungen.

Wie hoch Zinsen im Reich der Mitte sind, zeigt unter anderem der Overnight-Shibor, der als einer der Referenzzinssätze des Interbankenmarkts täglich von verschiedenen Großbanken festgesetzt wird. Dieser stieg seit Anfang des Monats von 4,5 auf 13,4 Prozent. Der Reposatz für siebentägige Geschäfte, der die Verfügbarkeit der Interbankenliquidität misst, stieg auf rund elf Prozent an. Gerüchten zufolge soll die chinesische Notenbank deswegen rund acht Milliarden Euro in das Finanzsystem des Landes gepumpt haben.

Von offizieller Seite heißt es allerdings, dass sowohl die Regierung als auch die Bank of China keine weiteren Konjunkturprogramme oder Kapitalspritzen erwäge. Laut Ministerpräsident Li Keqiang entwickle sich die Wirtschaft stabil, was eine Krisenintervention wie in den Jahren 2008/2009 nicht nötig mache.

Kommentare (34)

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Account gelöscht!

22.06.2013, 12:41 Uhr

Die meisten glaub ich, haben die Form der Aktienanlage überhaupt nicht richtig verstanden.

Aktien kauft man nicht, um sie nach kurzer Zeit wieder mit Gewinn oder Verlust verkaufen zu können/müssen. Aktien kauft man für einen Zeitraum von mind. 10 Jahren, in denen man das Geld nicht benötigt und auch 20 bis 30 % Kursschwankungen/verluste aushalten/sitzen kann, zur Altersvorsorge und Vermögensbildung/aufbau.

Wer unter anderen Voraussetzungen sich Aktien ins Depot legt war damit noch nie gut beraten, und sollte sich eine andere Asset-Klasse suchen.

Account gelöscht!

22.06.2013, 12:56 Uhr

Merke: Gründe selber eine Firma oder beteilige dich an erfolgreichen Unternehmen mittels der Aktienanlage als Sachkapital. Frau Klatten sieht das bestimmt genauso wie ich.

Account gelöscht!

22.06.2013, 13:11 Uhr

Mit Verlaub: das ist i.w. Quatsch.

Wer heute eine Aktie kauft und dann wie Sie 10 Jahre oder länger halten will, hat nicht begriffen, daß in der Zwischenzeit sehr viel passieren kann, was der Kurs ja nur verzögert wiedergibt. Bestes Beispiel ist GE. Über Jahrzehnte das frühere Nestle der Industrie, von allen wärmstens empfohlen. Bis GS darauf kam, daß GE in Wirklichkeit eine Bank war (und in Teilen noch ist). Da war Schluß mit lustig. Heute ist das ein stinknormaler Wert mit unterdurchschnittl. Performance.

Fr. Klatten hat gar keine andere Wahl, da ihr Vermögen derart groß ist, daß es besser in Firmen investiert ist - langfristig. Nur kann sie dort mitreden, Sie und 99,99999% aller anderen wohl kaum.

Holzauge sei wachsam - der beste Tip.

In einem stimme ich zu: ich habe noch keinen reichen Daytrader gesehen, dumme Daytrader dagegen zuhauf. Die sollten lieber zur Pferdebahn, da machts auch noch richtig Spaß.

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