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12.10.2013

09:11 Uhr

Dax-Ausblick

Dax nimmt Anlauf auf Rekordhöhen

Am Freitag scheiterte der Dax knapp an seinem Allzeithoch. Doch der Rekord bleibt in Schlagdistanz. Sollten die Parteien in den USA im Haushaltsstreit einen Kompromiss finden, sind Kurse über 8800 Punkte möglich.

Der Dax kratzt an seinem Allzeithoch. Eine Einigung zwischen Republikanern und Demokraten im US-Haushaltsstreit dürften den Weg dazu frei machen. dpa

Der Dax kratzt an seinem Allzeithoch. Eine Einigung zwischen Republikanern und Demokraten im US-Haushaltsstreit dürften den Weg dazu frei machen.

FrankfurtDie Begrifflichkeiten ändern sich, doch der Themengeber ist der Gleiche: Amerika. Egal ob es das „Tapering“ oder nun der „goverment shutdown“ ist. Die USA bestimmen das Marktgeschehen. Besonders gut war das am Donnerstag zu beobachten. Nur die Andeutung auf eine mögliche Verschiebung der „Galgenfrist“ zur Erhöhung der Schuldenobergrenze löste einen wahren Ansturm auf Aktientitel aus.

Der Dax schloss am Donnerstag satte zwei Prozent fester. Am Freitag hielt der positive Trend an. Das Rekordhoch von 8770 Punkten lag am Freitag nur noch einen Steinwurf entfernt. Mit den letzten zwei Tagen der abgelaufenen Handelswoche konnte der Deutsche Aktienindex seine Verluste aus den ersten drei Tagen mehr als wettmachen. Am Ende der Woche notierte der Leitindex über ein Prozent im Plus.

Viele Anleger werden ihre weiteren Anlageentscheidungen von den Fortschritten in der Debatte um den US-Haushalt in Washington zwischen den Demokraten und den Republikanern abhängig machen.

„Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos“, betont NordLB-Aktienstratege Tobias Basse. Er rechne mit einer Einigung in letzter Minute. Aktienanleger setzen offenbar ebenfalls darauf, dass die Schuldenobergrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar zumindest leicht angehoben wird, um Zeit für weitere Verhandlungen zu bekommen.

Davon gehen auch die Experten der Helaba aus. Das Geplänkel der beiden Parteien in den vergangenen Tagen überdeckt nur die eigentliche Intention beider Lager, die Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden. Am Ende werde eine Einigung zur Anhebung der Schuldenobergrenze herbeigeführt.

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

In so einem Fall rechnet Aktienstratege Basse mit einer Erleichterungsrally an den Aktienbörsen. In Anbetracht der Nähe des Dax zu seinem Allzeithochs, sind neue Rekordstände denkbar. Dieser positive Effekt könnte aber schnell wieder verpuffen, warnen die Analysten der Landesbank Berlin (LBB). „Denn zum einen wird der andauernde Anstieg des Schuldenstands von keiner Seite grundlegend angegangen. Zum anderen hält das Aufschieben der Diskussion die Unsicherheit an den Märkten hoch.“

Sollten sich die Parteien bis zum Stichtag 17. Oktober doch nicht einigen, ist das für sich genommen nach Einschätzung des NordLB-Strategen Basse noch kein Beinbruch. Das US-Finanzministerium habe bei ähnlichen Situationen in der Vergangenheit bewiesen, dass es über kreative Möglichkeiten verfüge, den Schuldendienst für eine Übergangszeit sicherzustellen.

Die Federal Reserve könnte hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Der US-Haushaltsnotstand beeinflusse auch die US-Geldpolitik, erklärte Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Schließlich stehe die US-Notenbank Fed vor der Entscheidung, ab wann und wie stark sie ihre Wertpapierkäufe von derzeit 85 Milliarden Dollar monatlich drosselt.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

12.10.2013, 09:23 Uhr

Ist das schon die Jahresendrally? Wie weit geht es noch hoch?
Am besten die billigen Aktien weiter halten, die Stoppkurse hochziehen und abwarten.

Account gelöscht!

12.10.2013, 13:04 Uhr

Bei Kompromiss 8000 Punkte im DAX möglich...wenn nicht auch mal locker 5000 Punkte auf die Schnelle.
Ehrlich gesagt wird es auch Zeit sich von der Immer-mehr-Schulden-Politik abzuwenden. Warum sollen zukünftige Generationen ausbaden was jetzige anrichten?
Dann lieber jetzt den großen Crash für eine neue wirtschaftlich stabilere Zukunft.

Numismatiker

12.10.2013, 14:51 Uhr

@hagadi

Billiges Luftgeld treibt Zombie-Indizes nach oben auf Voodoo-Höchsstände.

Und wenn die Notenbanken die Zinsschraube anziehen müssen , dan ist der ganze Zauber verflogen. Dann ist Götterdämmerung in den Finanzmärkten...

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