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12.01.2013

15:26 Uhr

Dax-Ausblick

Der Dax-Rücksetzer kommt

Analysten glauben an eine schwache neue Woche. Anleger werden sich zurückhalten und eine Korrektur sei überfällig. Langfristig sehen sie den Dax allerdings steigen. Doch es gibt auch mahnende Skeptiker.

Dax-Tafel in Frankfurt. Analysten erwarten eine schwache neue Woche. AFP

Dax-Tafel in Frankfurt. Analysten erwarten eine schwache neue Woche.

FrankfurtDas Enttäuschungspotenzial ist groß. Der Markt gedeiht im Optimismus - doch die Bilanzsaison könnte Ernüchterung bringen. Börsianer glauben deshalb, dass sich Anleger in der neuen Woche mit Käufen zurückhalten werden. „Der schwache wirtschaftliche Verlauf könnte durchaus zu einigen Enttäuschungen führen“, warnen die Aktienstrategen der Landesbank Berlin (LBB) in ihrem Marktkommentar.

Ähnlich urteilt Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz. Zudem sei ein Rücksetzer des Dax überfällig. „Wir sind zu schnell zu stark gestiegen.“ Seit Mitte November hat der Leitindex rund 800 Punkte zugelegt. In der alten Woche stagnierte sein Kurs allerdings.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

Ist mein Geld auf der Bank sicher?

Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

Droht ein Aktiencrash?

Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

Wie sichere ich meine Kinder ab?

Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

Soll ich jetzt Schulden machen?

Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

Soll ich meine Immobilie verkaufen?

Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

Soll ich Gold kaufen?

Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Eine Trendwende sei aber nicht zu befürchten, betont Analyst Andreas Hürkamp von der Commerzbank. „Die Staatsschuldenkrise scheint nun für Dax-Investoren nach und nach an Schrecken zu verlieren.“ Zusammen mit den sich aufhellenden Aussichten für die Konjunktur sorge dies dafür, dass die Chancen auf ein neues Dax-Rekordhoch von 8.500 Punkten zunähmen.

Auch die LBB-Experten gehen davon aus, dass der Dax seine bisherige Bestmarke von 8151,57 Zählern übertreffen kann.

Lang & Schwarz-Analyst Amato rät dagegen zur Vorsicht. Gerade weil so viele so optimistisch seien, steige das Enttäuschungspotenzial und damit die Wahrscheinlichkeit größerer Kursrückschläge.

Während der Bilanzsaison sollte man auch die Politik nicht aus den Augen verlieren. „Eine Verschleppung politischer Reformen, vor allem in Italien und Frankreich, könnte eine mittelfristige Erholung gefährden“, schreiben die Analysten der DZ-Bank in ihrem Marktkommentar. Kurzfristig sei die Euro-Krise aber noch im Pausenmodus.

Thorsten Gellert von Forex Capital Markets glaubt, dass Draghi zu früh Optimismus verbreitet. Zwar habe sich das Vertrauen in die Euro-Zone erhöht, „aber dieses Vertrauen muss sich immer wieder neu verdient und durch Zahlen am Ende bestätigt werden.“ schreibt er in seinem Finanzmarktkommentar.

Kommentare (6)

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azaziel

12.01.2013, 16:11 Uhr

Die Schulden werden nicht einfach verschwinden. Sie wachsen sogar. Wie lange noch, weiss kein Mensch zu sagen, aber sie koennen auf gar keinen Fall fuer immer wachsen. Alle Methoden, die zum Schrumpfen des Schuldenberges taugen koennten, sind schlecht fuer Unternehmen. Staatsfinanzierung der Schulden fuehrt zu Inflation. Inflation fuehrt zu Kaufkraftverlusten bei den Beziehern von Geldeinkommen (Arbeiter, Angestellte, Rentner etc.) was bei Unternehmen zu Umsatzeinbussen fuehrt bei gleichzeitiger Verteuerung der Rohstoffe. Schlimmer werden aber vielleicht die anderen Massnahmen der finanziellen Repression. Hoehere Steuern und Abgaben werden die Gewinne vieler Unternehmen beeintraechtigen..

Ich bin daher sehr skeptisch hinsichtlich des Steigerungspotentials fuer Aktien. Trotzdem setze ich auf Aktien, weil ich glaube, dass Aktien die bessere Option zur Minimierung von Verlusten sind. Wenn viele Anleger aehnlich denken, ist die Ursache fuer Kurssteigerungen das Weiterschwelen der Krise und nicht etwa ihr erwartetes Ende.

otto15

12.01.2013, 16:36 Uhr

Keinesfalls möchte ich in diesem geschätzten Forum Pessimismus verbrtien. Wer aber noch stärker investiert ist, sollte schnell Kasse machen. Gelegenheiten zu einem günstigeren Einstieg gibt es in den nächsten 1 - 2 Jahren garantiert.

DieWellebeginntMitDemTal

12.01.2013, 16:37 Uhr

Ich fühle mich jedesmal wieder neu verarscht! Was haben den Aktienkurse mit der Konjunktur zu tun? Bei den Dividenden kann man das ja noch verstehen, aber die Kurse sind purer Zufall und resultieren nur daraus, dass die Geldpools nicht wissn, was sie mit dem Geld sonst machen sollen. Wer bei Aktienkursen auf Kausalität setzt, hat schon verloren. Ist nur MFM pur - Money F.... Money. Und die Wellen zur Geldvermehrung gehen über die Devisengrenzen hinaus. Wer den Geldstrom analysiert kann sehen, was als nächstes steigen wird (nächster Wellenberg) und was sinken wird (nächstes Wellental). Die überkippende Welle ist eher seltener und in der Börse dann da, wenn die Massenflucht einsetzt. Urlaub am Meer bildet, schon gewusst?

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