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16.11.2013

16:21 Uhr

Dax-Ausblick

Der Zins macht die Musik

Nun ist die Bilanzsaison vorbei. Anleger blicken in der nächsten Handelswoche auf eine große Anzahl Konjunkturdaten. Am Mittwoch erwarten sie von der Fed ein klares Wort in Sachen Laufzeit ihrer einmaligen Geldpolitik.

Freude in Frankfurt: Die Stimmung war gut, nachdem die designierte Fed-Chefin Yellen erklärte, dass sie an der bisherigen Geldpolitik festhalten will. dpa

Freude in Frankfurt: Die Stimmung war gut, nachdem die designierte Fed-Chefin Yellen erklärte, dass sie an der bisherigen Geldpolitik festhalten will.

Keine Zeit zum Durchatmen für Börsianer: Kaum ist die Berichtssaison abgearbeitet, gilt es in den kommenden Tagen eine Flut an Konjunkturdaten zu bewältigen. Größte Aufmerksamkeit wird nach Einschätzung von Aktienstrategen die Entwicklung der US-Einzelhandelsumsätze genießen: „Der US-Konsument ist nach wie vor die verlässlichste Stütze der Weltkonjunktur ist“, erklärt Tobias Basse von der NordLB.

Der Dax dürfte in der nächsten Woche nach Einschätzung von Marktexperten in einer Spanne zwischen 8900 und 9100 Punkten pendeln. „Investoren, die von der jüngsten Rally profitiert haben, werden jede Gelegenheit nutzen, ihre Gewinne zu realisieren“, sagt Basse.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

"Andere warten nach wie vor auf ihre Chance zum Einstieg und werden bei günstigeren Kursen direkt zugreifen.“ In der Summe dürfte der Markt deshalb auf der Stelle treten.

In der zu Ende gehenden Woche ist der deutsche Leitindex um rund 0,7 Prozent auf 9150 Punkte gestiegen. Seit Jahresbeginn hat er damit etwa 20 Prozent an Wert gewonnen. Der EuroStoxx50 hat in den vergangenen fünf Tagen um 0,4 Prozent auf 3050 Zähler zugelegt, seit Jahresbeginn sind es rund 15 Prozent.

Für die US-Einzelhandelsumsätze (Mittwoch) sagt Commerzbank-Analyst Christoph Weil für Oktober eine Stagnation voraus. Dies wäre zumindest ein Beleg dafür, dass es für die weltgrößte Volkswirtschaft nach dem lähmenden Haushaltsstreit nicht wieder bergab geht.

Weitere Hinweise zur Entwicklung der US-Konjunktur werden im Lauf der Woche der Verbraucherpreisindex, Arbeitsmarktdaten und der Index der Notenbank von Philadelphia liefern.

Am Mittwoch wird zudem das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung veröffentlicht, welches neue Hinweise geben soll, wann mit einer Drosselung der milliardenschweren Konjunkturhilfen zu rechnen ist. Die US-Notenbank ist mit ihrer extrem lockeren Geldpolitik ein wichtiger Grund für die Rally an den internationalen Finanzmärkten.

Auch aus der Eurozone stehen wichtige Indikatoren an. Der Reigen beginnt am Dienstag mit dem ZEW-Index, am Donnerstag folgen die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für die großen Länder im Euroraum, und zum Wochenschluss wird der Ifo-Geschäftsklimaindex veröffentlicht.

Charts der Woche: Die Verlierer der Börsenhausse

Charts der Woche

Die Verlierer der Börsenhausse

Während sich Dax & Co. ausgesprochen stabil halten, rauschen immer wieder einige Werte nach unten – aus vielerlei Gründen. Doch auch diese Woche gab es natürlich auch einige Champions an den Aktienmärkten.

Sehr sensibel dürften die Finanzmärkte auf Details zu den Reform-Beschlüssen der chinesischen Führung reagieren. Bislang wurde unter anderem bekannt, dass zur Belebung der Wirtschaft ausländische Investitionen gefördert und Eigentumsrechte in der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft gestärkt werden sollen.

Im Fokus der hiesigen Investoren werden auch die Veranstaltungen rund um die „Euro Finance Week“ in Frankfurt am Main stehen. Hochrangige Banker und Notenbanker diskutieren ab Montag die Rahmenbedingungen der Finanzwirtschaft. Dabei geht es unter anderem über Details der neuen Bankenaufsicht sowie die politische Ausgestaltung von Abwicklungsmechanismen für Kreditinstitute.

Als Nachzügler wird ThyssenKrupp am Donnerstag seine Bilanz vorlegen. Anleger sind vor allem gespannt, ob der angeschlagene Mischkonzern eine Kapitalerhöhung ankündigen wird.

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