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17.03.2012

09:14 Uhr

Dax-Ausblick

Die Angst ist weg - und die Stimmung steigt

Der Dax übertrifft alle Erwartungen. Doch in diesem Tempo könne es nicht weitergehen, warnen einige Aktienstrategen, die Luft werde dünner. Auf längere Sicht jedoch seien die Aussichten gut.

Auf längere Sicht hat der Dax noch Potential nach oben. dapd

Auf längere Sicht hat der Dax noch Potential nach oben.

Frankfurt, DüsseldorfDer Dax scheint kein Halten mehr zu kennen. Tag für Tag klettert er aufwärts. Nimmt fast schon nebenbei die 7.000-Punkte-Marke. Und steigt weiter, im Schnitt um fast 100 Punkte pro Tag. Seit mehr als einer Woche gab es keinen Verlusttag mehr. Mittlerweile erreicht der Leitindex einen neuen Rekord, nämlich den stärksten Jahresstart aller Zeiten. Seit Anfang Januar hat der Dax knapp 22 Prozent zugelegt. Bei Börsenschluss am Freitag erreichte der Index 7157,82 Punkte, ein Wochenplus von 4,03 Prozent.

"Die Aktienmärkte dürften den Schwung in die kommende Woche mitnehmen", zeigt sich Ulf Krauss von der Helaba optimistisch. "Auf der konjunkturellen Seite liegen kaum Stolpersteine im Weg."

Doch andere Aktienstrategen sind skeptischer. „Die jüngsten Kursgewinne waren etwas zuviel des Guten. Deswegen dürfte es in der neuen Woche eher seitwärts oder leicht nach unten gehen, aber auch nicht dramatisch“, prognostiziert Wolfgang Duwe von der Bremer Landesbank. Auch sein Kollege Tobias Basse von der NordLB rechnet mit Gewinnmitnahmen. Diese dürften allerdings nur von kurzer Dauer sein. „Viele Anleger sind noch unterinvestiert. Sie stehen an der Seitenlinie und warten auf Kurseinbrüche, um günstiger wieder einzusteigen.“

"Der gegenwärtige Kursaufschwung ist hauptsächlich stimmungsgetrieben", schreiben Analysten der DZ Bank in ihrer Wertpapierstrategie. "Aus dem fundamentalen Umfeld gibt es keine Neuigkeiten." Daher gehen sie von einer vorübergehenden Rally aus - an deren Ende nicht genügend positive Nachrichten stehen, "um das erreichte Kursniveau weiter ansteigen zu lassen".

Charts der Woche: Bei welchen Aktien die Anleger zugreifen

Charts der Woche

Bei welchen Aktien die Anleger zugreifen

Der Dax lässt die 7100er-Marke hinter sich, gute Stimmung an der Börse. Was das im Einzelnen heißt, wieso etwa ein angeschlagener Energieriese oder ein Baustoffkonzern zulegen, zeigen die Charts der Woche.

Bis dahin können die Aktienmärkte jedoch profitieren, denn schwindende Unsicherheit und anhaltender Optimismus treiben die Kurse. "Der Schuldenschnitt Griechenlands scheint sich doch auszuzahlen", meint Ulf Krauss von der Helaba.

In einem sind sich die Aktien-Fachleute einig: Auf längere Sicht sind die Aussichten für den Aktienmarkt gut. Ein Grund ist die sich erholende amerikanische Konjunktur. Ulf Krauss rechnet mit "mit überwiegend positiven Daten aus dem Immobiliensektor". In der neuen Woche werden die Wohnbaubeginne (Montag) und die Frühindikatoren (Donnerstag) zeigen, wie es der weltgrößten Volkswirtschaft geht.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Kommentare (19)

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Robbie

17.03.2012, 10:04 Uhr

...mit jedem Höchststand wird aufs Neue die Gefahr vor dem großen Absturz heraufbeschworen, ich habe den Artikel gar nicht mehr zu Ende gelesen, immer diese Schwarzmalerei. Man könnte sich doch einfach mal daran erfreuen, dass es nicht ständig bergab geht...liebes Handelsblatt!

vlipka

17.03.2012, 11:04 Uhr

Der DAX Höchststand am Freitag lag bei 7.157 Pkt und nicht bei 6.157 Pkt. Kleiner Tipfehler ...
Die Warnung des Handelsblattes ist sicherlich nicht unberechtigt. Würde die EZB den Markt derzeit nicht mit Geld überfluten, sähen wir bei DAX momentan bestimmt keinen Stand von über 7.000 Pkt. Aber solange das Geld nicht wieder eingesammelt wird und mögliches Störfeuer von noch unbekannter Seite kommt, wird die Rally weitergehen. Allerdngs sollte man bei spätestens 8.000 Pkt auch mal an Gewinnmitnahmen denken.

Allen ein schönes Wochenende.

Account gelöscht!

17.03.2012, 11:18 Uhr

Wenn die Frühlingsblumen die Landschaft verschönern steig die Stimmung.Zweifellos!

Doch hier muß man fragen, wer treibt die Kurse? Das macht man nicht wegen der Krokusse,sondern, wenn man sich Gewinne verspricht. Die Situation ist nicht besser geworden. Es gibt Lohnzuwächse und 3 Landtagswahlen. Aber die EZB flutet den Markt. Das ist es wohl.

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