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12.08.2011

20:32 Uhr

Dax-Ausblick

Die Angst vor dem dicken Ende

Sekt oder Selters? Auch in der kommenden Woche dürfte die Nervosität an den Märkten anhalten. Experten sind uneins, ob der Dax nach den ausgeprägten Verlusten nach oben dreht, oder das Schlimmste erst noch bevorsteht.

Trotz eines optimistischen Starts rechnen Experten weiter mit einer Zitterbörse. Quelle: dapd

Trotz eines optimistischen Starts rechnen Experten weiter mit einer Zitterbörse.

Frankfurt, DüsseldorfAngesichts der starken Unsicherheit der Anleger dürfte den Börsen auch in der neuen Woche eine Berg- und Talfahrt bevorstehen. „Das Geschehen an den Aktienmärkten ist derzeit von extremer Nervosität geprägt“, sagt Helaba-Analyst Markus Reinwand. Lange Zeit seien die Anleger an den Aktienmärkten trotz Schuldenkrise und zunehmender konjunktureller Ermüdungserscheinungen ausgesprochen gelassen gewesen. „Jetzt korrigieren die Marktteilnehmer schlagartig ihre zu hohen Wachstums- und Gewinnerwartungen.“ Nicht nur angesichts der noch frischen Erinnerung an die massiven Kursverluste im Zuge der letzten großen Rezession könne daraus eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale entstehen, fürchtet Reinwand.

Nach Einschätzung der Experten der Landesbank Berlin (LBB) könnten zudem negative Konjunkturdaten für weitere Kursverluste sorgen. Sollte sich die Schuldenkrise in Europa noch verschärfen oder die Wirtschaft in den USA neue Schwächezeichen aufweisen, erscheine ein Test der Jahrestiefststände durchaus in Reichweite, schreiben sie. Nach der rasanten Talfahrt der vergangenen Wochen halten die Analysten aber auch eine technische Gegenreaktion für jederzeit möglich.

Kommentar: Hilflose Politik

Kommentar

Hilflose Politik

Das Verbot von Leerverkäufen kuriert nur Symptome, nicht die Ursachen der Schuldenkrise.

Zum Wochenausklang hatte das Verbot von Leerverkäufen in einigen europäischen Ländern am Freitag für etwas Entspannung am Aktienmarkt gesorgt. Auf Wochensicht verlor der deutsche Leitindex Dax dennoch gut vier Prozent.

So unsicher sind die Börsenprofis
Die Panikverkäufe an den Aktienmärkten machen Analysten das Leben schwer. Wenige Wochen alte Prognosen sind durch den massiven Kursrutsch des Dax zu Makulatur verkommen. Analysten reagieren und passen ihre Einschätzungen reihenweise an. Einigkeit herrscht im Lager der Experten jedoch keine.

Bereits vergangene Woche hatte die Commerzbank ihre Prognose für den Dax für Ende 2011 von 8.200 auf 7.500 Punkte gesenkt. Damit müsste der Index, der zum Wochenausklang mit der 6.000 Punkte-Marke kämpfte, bis zum Jahresende ganze 1.500 Punkte wettmachen. Doch die Einschätzung des Bankhauses scheint nicht mehr als eine Momentaufnahme zu sein: „Wenn die EU-Staaten eine Zahlungsunfähigkeit Italiens nicht verhindern, wäre das wie Lehman II“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer, der einen Einbruch wie bei der Finanzkrise 2008 nicht ausschließen will.

Auch die Deutsche Bank reagiert. Am Dienstag hat das Institut ihre Prognose für den Leitindex Ende Dezember auf 6.800 Punkte gesenkt. Helaba-Analyst Markus Reinwand will an seiner vor dem jüngsten Kursrutsch getätigten Einschätzung von 6.500 Punkten zum Jahresende festhalten. „Wir haben erwartet, dass es eine Korrektur geben wird, sind aber vom Ausmaß und Tempo überrascht“, sagt Reinwand. Falls die Staatsschuldenkrise eskaliere und stark auf die Realwirtschaft durchdrücke, werde er sein Kursziel gegebenenfalls senken.

Keine Prognose wagt hingegen Christian Gattiker. Auch der Julius-Bär-Analyst hält einen weiteren massiven Einbruch des Dax für möglich und erinnert an das Jahr 2008, als der Leitindex unter 4.000 Punkte fiel. „Es gibt derzeit viele Alarmzeichen, die auf einen Absturz wie in der Finanzkrise hindeuten“, sagt der Experte. Zwar sei der innere Wert des Dax höher als sein derzeitiger Stand, doch bis zu einer Materialisierung könne es durchaus noch zwei bis drei Jahre dauern. Eine neue Prognose für den Dax-Endstand 2011 wagt Gattiker, der bisher wie die meisten Kollegen von rund 7.500 bis 8.000 Zählern ausging, derzeit nicht. „Wir befinden uns momentan im Blindflug. Für eine fundamentale Bewertung ist es zu früh.“

Optimistischer ist Analyst Heino Ruland von Ruland Research. „Ich sehe keinen Anpassungsbedarf und bleibe bei meiner Dax-Prognose von 8.000 Punkten zum Jahresende“, so der Experte. „Die Rezessionsängste sind überzogen. Die US-Konjunkturdaten werden im August voraussichtlich besser ausfallen als erwartet und dies sollte der Startschuss für eine Kursrally bieten.“

Kommentare (3)

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Arminius

13.08.2011, 07:23 Uhr

An der Gesamtwetterlage hat sich nicht geändert, keine Lösungen zur Eurokrise, immer mehr Banken geraten immer mehr in die Schieflage, die Politiker haben die Zeichen der Zeit immer noch nicht erkannt.
Sarkozy und Merkel werden am Dienstag kaum Vorschläge machen die eine Harmonisierung der Wirtschaften innerhalb von Euroland fordern, es wäre auch nicht im kurzfristigen Interesse beider Ländern.
Also das dicke Ende kommt noch! Es muss uns erst noch schlechter gehen.

Moika

13.08.2011, 10:48 Uhr

Ich frage mich seit längerem, durch welche positiven Qualitäten die Analysten in den letzten Jahren aufgefallen sind. Qualifikationen z.B. durch ein Studium sind eben nicht alles. Diese Gruppe hat sich mittlerweile scheinbar derartig spezialisiert, daß die meisten von ihnen Einäugig geworden sind. Sie kennen die Märkte und deren Protagonisten aus dem "FF" - aber fast alles was links und rechts davon von Belang ist, blenden sie scheinbar aus.

Als der Dax durch die 7.000er Marke schoß und auf die 7.300 zulief, rechnete ich schon von den Zuwächsen her mit einer Reaktion der Märkte, denn: Irgendwann macht die Masse der Anleger einmal Kasse, das gehört zur Börsengeschehen einfach mit dazu.

Hinzu kommt: Die Gefahr einer tiefen Rezession in den USA ist latent, das billige FED-Geld wird nicht in Amerika - wozu es eigentlich dienen soll - sondern in Schwellenländern investiert, unterminiert dort die Währungen zu derem - und unserem - Nachteil, die europäischen Regierungen bekommen die Finanzkrise nicht in den Griff, in China schießt die Inflation trotz mehrfacher Zinserhöhungen durch die Decke und die weltweit vergebenen Aufträge gehen beängstigend zurück.

Das alles sollte den Analysten doch bekannt und in deren Überlegungen einbezogen sein. Denkste! Entweder sind die wirklich eindimensional in ihrer Denkweise geworden, oder wie sonst können sie unter diesen Umständen den Dax bei 8.000, 8.200 oder sonstwo sehen! Da hört mein Verständnis für diese Damen und Herren auf. Ocer folgenden sie vielleicht nur den Vorgaben ihrer Vorstände nach dem Motto: Ihr müßt das Ganze positiv sehen - denn nur eine positive Haltung bringt uns weiter gute Umsätze....

Die können mir heute erzählen, der Mond ginge jede Nacht auf - ich würde Ihnen nicht mehr glauben. Habe ich auch, bis auf wenige Ausnahmen, noch nie.

Reinhard

13.08.2011, 11:21 Uhr

Wie wäre es denn, wenn ich Blatt mal die positiven Meldenung so ausschlachtet wie die negativen? Dass Unternehmen, die Rekordgewinne schreiben, nach Veröffentlichung ihrer Zahlen im zweistellingen Prozentbereich verlieren und die Anleger total verunsichert sind ist sicherlich zu einem Großteil der negativen Berichterstattung zu verdanken. Wenn die Presse die positiven Meldungen und auch die Sparbemühungen der Regierungen genau so würdigen, ist wahrscheinlich kaum mehr Platz für negatives. Dass wir nicht problemfrei sind, ist jedem klar und dem Einen oder Anderen ein Ohrfeige zu verpassen ist absolut richtig, aber jeder Schüler wird versagen wenn er nur Tadel erhält und nie Lob.

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