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07.12.2013

14:09 Uhr

Dax-Ausblick

Die Angst vor der großen Korrektur

Nach der ersten verlustreichen Woche seit Ende August fragen sich die Anleger, ob jetzt die Korrektur kommt. Hinweise für den weiteren Börsentrend dürften wichtige Konjunkturdaten geben. Was die Börsenwoche bringt.

Fragende Blicke in Frankfurt: Wie fallen die Konjunkturdaten in der nächsten Woche aus? Und wie werden die Märkte auf positive Zahlen reagieren? Reuters

Fragende Blicke in Frankfurt: Wie fallen die Konjunkturdaten in der nächsten Woche aus? Und wie werden die Märkte auf positive Zahlen reagieren?

Von September bis November herrschte das gleiche Bild an den Börsen. Der Dax legte monatlich fast fünf Prozent zu und steigerte den Appetit der Investoren auf eine Jahresendrally im Dezember.  Doch als der Startschuss fiel, ging es auch richtig los: Nur bewegte sich der deutsche Leitindex in die andere Richtung – und fiel 9400 auf 9100 Zähler, die größte Korrektur seit Ende August 2013.

Zwei Tage Korrektur reichten aus, um die Kursgewinne der zwölf  vorangegangenen Tage auszuradieren. „Damit liefert die aktuelle Dax-Konstellation mal wieder ein gutes Beispiel dafür, dass Korrekturen im Vergleich zu Kursanstiegen sehr viel dynamischer von statten gehen“, meint Jörg Scherer, technischer Analyst bei der HSBC Trinkaus und Burkhard.

Nach den wechselhaften Kursen der vergangenen Handelswoche blicken die Anleger in der zweiten Adventswoche nach Einschätzung von Nord-LB-Analyst Tobias Basse nur eine echten Höhepunkt entgegen: Die Daten zur Umsatzentwicklung im wichtigen US-Einzelhandel. „Die Anleger werden versuchen, herauszufinden, wie es mit der US-Konjunktur 2014 weitergeht und wie lange die Notenbank noch Händchen halten muss.“

Dominierte am Markt bei positiven US-Konjunkturdaten zuletzt die Angst, dass die Fed bei ihren Fördermaßnahmen kürzer tritt, zeigte sich nach Veröffentlichung der spürbar verbesserten Arbeitsmarktzahlen am Freitag eine andere Interpretation: Die Daten könnten auch ein Beleg dafür sein, dass die US-Wirtschaft bald wieder robust genug sein könnte, um eine Kappung der Fed-Hilfen zu verkraften.

Dax-Prognosen: Diese Experten warnen Anleger

Dirk Müller I

Dirk Müller, Börsenexperte: „Wenn man jetzt nicht dabei war, dann verstehe ich nicht, wieso man jetzt auf den Höchstkursen hinterherrennen soll. Wie heißt es so schön an der Börse, der Straßenbahn und den verpassten Gelegenheiten rennt man nicht hinterher, die nächste Gelegenheit kommt mit Sicherheit, man sollte warten, bis es wieder günstig Aktien gibt.“

Dirk Müller II

„Der Dax hat jetzt eine riesen Rallye hingelegt, seit dem Sommer. 1500 Punkte am Stück, kann man sagen, ist er nach oben gegangen. Es ist dringend Zeit für eine Korrektur“, sagte Börsenexperte Dirk Müller.

Carl Icahn

Auch der US-Großinvestor Carl Icahn hat mit Blick auf die Niedrigzinsphase vor Übertreibungen und einem Absturz der Aktienmärkte gewarnt. Etliche Unternehmensgewinne seien auf die extrem niedrigen Zinsen zurückzuführen und nicht auf weitsichtiges Management, sagte Icahn auf einer Reuters-Veranstaltung in New York. Seiner Einschätzung nach sind Aktien derzeit teuer. „Der Markt könnte leicht vor einem großen Einbruch stehen.“


Professor Olaf Stotz

„Bei einem so niedrigen Barometer-Stand spricht vieles dafür, dass wir an den Aktienmärkten eine Seitwärtsbewegung oder sogar eine Korrektur sehen werden“, sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School über den aktuellen Stand des Insider Barometers, das das Aachener Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) alle zwei Wochen mit Commerzbank Wealth Management exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Es ist um gut zwölf Punkte auf 71 Zähler gesunken. Bereits Werte unter 90 Punkten gelten als Verkaufssignal.

Fondsmanager Raimund Saxinger

Der Dax könnte bis Mitte Dezember um fünf bis sieben Prozent nachgeben, sagt Fondsmanger Raimund Saxinger von der Frankfurt-Trust Investment GmbH. Enttäuschende Unternehmensergebnisse könnten die quantitativen Maßnahmen der Notenbanken überschatten, sagte Saxinger: “Diejenigen, die ihr Augenmerk auf die Liquiditätslage richten, sind sehr zuversichtlich, weil sie von einer anhaltenden liquiditätsgetriebenen Aufwärtsbewegung ausgehen. Diejenigen aber, die auf die Ergebnisse schauen, dürften mittelfristig zwar optimistisch gestimmt sein, kurzfristig aber eher skeptisch, da sie in den kommenden Wochen keine positiven Quartalszahlen erwarten.”

Hinzu kommt die Bewertung der Standardwerte. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,4 auf Basis der erwarteten Gewinne hat der Dax auf Grundlage von Bloomberg-Daten die höchste Bewertung seit Ende 2009 erreicht. “Wir benötigen eine Verbesserung der Ergebnisse, damit der Markt neuen Schwung gewinnt”, sagte Saxinger. “Letztlich wird das auch geschehen, aber es braucht etwas Zeit. Zunächst wird es wohl zu einer Korrektur kommen.”

Analyst Andreas Hürkamp

„Steigende Bewertungen tragen die Börsenrally. Wenn die Unternehmensgewinne nach drei Jahren ohne Gewinnwachstum nicht bald wieder zulegen, dann drohen im ersten Halbjahr 2014 Rückschläge“, erklärte Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp.

Investor Kurt Björklung

Nach Einschätzung der europäischen Branchengröße Permira sollten sich Finanzinvestoren nicht von den günstigen Kreditkonditionen blenden lassen. „Nur weil man derzeit viel Geld leihen kann, ist es nicht unbedingt eine gute Idee, dies auch zu tun“, sagte Co-Chef Kurt Björklund. Das günstige Marktumfeld verlange ein großes Maß an Disziplin, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Permira ist eine der größten europäischen Beteiligungsgesellschaften, die Konzerne wie Hugo Boss und ProSieben Sat1 in ihrem Portfolio hat.

Vor diesem Hintergrund bleibt die Nervosität hoch. Die Analysten der Landesbank Berlin bleiben daher für die nächsten Wochen vorsichtig und wären von einem Rückgang auf die 9.000 Punkte nicht überrascht. „Mittelfristig sehen wir aber weiteres Aufwärtspotenzial - und den Dax in einem Jahr bei knapp 10.000 Punkten.“

Laut Basse dürfte das Hauptaugenmerk bei den US-Einzelhandelszahlen, die am Donnerstag anstehen, der Entwicklung des Autoabsatzes gelten. „Das war in der Vergangenheit eine verlässliche Stütze für die US-Konjunktur“, sagt er.

Die Analysten der Helaba rechnen damit, dass die Gesamtzahl, die die Pkw-Verkäufe einschließt, besser als von den Marktteilnehmern erwartet ausfällt. Daher ebbten die Spekulationen, die um die letzte Sitzung des Offenmarktausschusses der Fed in diesem Jahr am 17. und 18. Dezember kreisen, sicher nicht ab.

Zuletzt hielten verschiedene Daten vom US-Arbeitsmarkt sowie die EZB-Ratssitzung die Börsianer auf Trab. Dem Dax - und auch dem Dow-Jones-Index - ging nach der Herbstrally die Luft allmählich aus. Der Dow-Jones-Index schloss am Donnerstag mit 15.921 Zählern 1,6 Prozent niedriger. Seit fünf Tagen hat der Dow keinen Tagesgewinn mehr eingefahren.

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