Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.10.2015

12:57 Uhr

Dax-Ausblick

Die Fed wird zum Unruhestifter

VonJessica Schwarzer

In der abgelaufenen Woche sorgte EZB-Präsident Mario Draghi für ein kleines Kursfeuerwerk. Doch Experten bezweifeln, dass es so schwungvoll weiter geht. In der neuen Woche könnte die Fed die Märkte wieder verunsichern.

AFP

Janet Yellen

DüsseldorfWas für eine Börsenwoche! Bis auf 10.800 Punkte kletterte der Dax. Mehr als sechs Prozent hat der deutsche Leitindex damit in der vergangenen Woche zugelegt. EZB-Präsident Mario Draghi löste mit nur einem Satz ein kleines Kursfeuerwerk aus. „Der EZB-Rat ist gewillt und in der Lage zu handeln, indem er alle Instrumente nutzt”, hatte er gesagt und der Dax hob ab. Für manchen Marktteilnehmer war das bereits der Startschuss für die Jahresendrally.

Super Draghi, wie der EZB-Chef scherzhaft genannt wird, hatte am Donnerstag angekündigt, bei der Ratssitzung der Zentralbank im Dezember werde geprüft, ob die Geldpolitik die Konjunktur ausreichend ankurbelt. Aus Sicht vieler Experten sind weitere expansive Maßnahmen damit so gut wie sicher. Seit März pumpen die EZB und die nationalen Notenbanken Monat für Monat rund 60 Milliarden Euro in das Finanzsystem. Bis September 2016 ist so ein Gesamtumfang von 1,14 Billionen Euro vorgesehen.

EZB-Krisenkurs unter Draghi in Zitaten

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

4.7.2013

„Der EZB-Rat erwartet, dass die Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter bleiben werden.“

(Draghi legt sich nach der EZB-Sitzung vom 4.7.2013 erstmals in der Geschichte der Notenbank auf künftige Zinsentscheidungen fest)

7.11.2013

„Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern - das sehen wir nicht.“

(Draghi am 7.11.2013 nach der Senkung des Leitzinses von 0,5 Prozent auf 0,25 Prozent)

7.11.2013

„Ich bin sehr bewegt von Helmut Schmidts Worten und sollte dafür wirklich dankbar sein. Komplimente sind Mangelware in diesen Tagen.“

(Draghi am 7.11.2013 in Hamburg bei einer Diskussion mit dem Altkanzler. Schmidt hatte gesagt, auf Draghi könne man sich verlassen)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

Das billige Geld, mit dem die Notenbanken rund um den Globus die Märkte seit Jahren fluten, floss vor allem in Aktien. Kein Wunder, dass die Freude der Börsianer über eine mögliche Ausweitung der Geldschwemme im Euro-Raum groß war. Doch sie könnte in der neuen Handelswoche schnell verpuffen. „Vor dem US-Zinsentscheid am Mittwoch dürften die Investoren lieber auf Nummer sicher gehen und Kasse machen“, befürchtet NordLB-Analyst Tobias Basse. „Die Unsicherheit über das Vorgehen der Fed ist einfach zu groß.“

Klar ist: Fed-Chefin Janet Yellen schlägt einen ganz anderen Weg ein als Draghi. Sie will die Geldpolitik in den USA deutlich straffen. Eine Zinswende in diesem Monat halten viele Experten nach zuletzt eher enttäuschenden Konjunkturdaten allerdings für unwahrscheinlich.

Ebenfalls ungewiss ist, ob die Fed die letzte Möglichkeit in diesem Jahr nutzt und die Zinsen Mitte Dezember erhöht. „Die Kommunikation der US-Notenbank verläuft in den letzten Wochen zusehends unkoordiniert und widersprüchlich“, urteilt Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner. Viele Börsianer sehnen sich eine Entscheidung der Fed inzwischen dringend herbei: Die Ungewissheit über den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung sorge schließlich schon seit Wochen für Unruhe am Markt, sagte ein Händler. Und Ungewissheit mögen Börsianer bekanntlich gar nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×