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23.11.2013

13:03 Uhr

Dax-Ausblick

Die Hatz aus dem (Geld-)Hahn

Fehlende Alternativen und Konjunkturerholung sprechen weiterhin für Aktien. Wie lang die Rekordjagd weitergeht, entscheiden zurzeit die Notenbanken. Und wie lange die so weitermachen hängt von der Konjunktur ab.

Und seit Wochen das gleiche Spiel: Börsentäglich spekulieren die Händler über die Laufzeit der Förderprogramm der Notenbanken, allen voran dem der Fed. Reuters

Und seit Wochen das gleiche Spiel: Börsentäglich spekulieren die Händler über die Laufzeit der Förderprogramm der Notenbanken, allen voran dem der Fed.

Fragt man die Händler an der Börse nach einer Einschätzung, geht die Rekordjagd erst Mal weiter. Ein Ende der internationalen Höchststände ist nicht abzusehen. "Aus fundamentalen Gründen spricht momentan vieles für Aktien", schreiben die Analysten der Landesbank Berlin (LBB) in einem Kommentar.

Fehlende Anlagealternativen, die zaghafte Konjunkturerholung wie auch attraktive Dividendenrenditen dürften Investoren weiter an die Börse locken. Nicht zuletzt der negative Realzins treibt die Sparer aufs Parkett.

Das alles entscheidende Element dieser Hatz ist die rigorose Geldpolitik der Notenbanken, sei es nun die Fed, die EZB oder auch die japanische Zentralbank, die Unmengen von Geld in die Märkte pumpen. Solange eine Tapering nicht abzusehen ist, werden die Kurse weltweit weiter anziehen. Aber wie lange noch werden die Währungshüter die Zügel locker lassen?

Die zuletzt veröffentlichten US-Daten wie Produktionsauslastung, Einkaufsmanager-Index und aktuell die geringe Anzahl von Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sind überzeugend und werden die Spekulationen um die Laufzeit der beispiellosen Förderprogramme der Federal Reserve weiter anheizen. Denn die Zahlen sprechen für eine langsam in Fahrt kommende Konjunktur in den Staaten.

Da die Fed die Drosselung ihrer Wertpapierkäufe im Volumen von derzeit 85 Milliarden Dollar monatlich an die Entwicklung der Konjunktur knüpft, warten Anleger gespannt auf Hinweise für die Aussichten für die weltgrößte Volkswirtschaft.

Ein Hinweis für die Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten kommt am Mittwoch: Beim anstehenden Oktober-Bericht über den Auftragseingang langlebiger Güter rechnen Analysten mit einem Rückgang von 1,5 Prozent. Die endgültigen Zahlen zum Verbrauchervertrauen der Uni Michigan im November dürften dagegen leicht anziehen.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Ein möglicher Ausstieg aus der Geldpolitik hängt wie ein Damoklesschwert über den Märkten. Davon zeugt auch die Entwicklung der Indizes dieser Woche: Durch aufgekommene Spekulationen über einen früheren Zeitpunkt des Ausstiegs aus der Nullzins-Devise konnten Dax und Dow in der vergangen Handelswoche nur geringfügig zulegen.

In Europa stehen die Inflationsdaten, die am Freitag veröffentlicht werden sollen, im Mittelpunkt. Nach der überraschend geringen Teuerung im Oktober hatte die EZB den Leitzins auf rekordniedrige 0,25 Prozent gesenkt. Nun spekulierten Anleger über mögliche Strafzinsen auf Einlagen der Geschäftsbanken bei der Notenbank, um die Kreditvergabe im Euro-Raum anzukurbeln.

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Mit 0,7 Prozent erreichte die Inflation im Oktober ihren Tiefpunkt. Im November sei sie voraussichtlich auf 0,8 Prozent gestiegen, sagt Commerzbank-Analyst Christoph Balz.

Auf Unternehmensseite steht am Mittwoch das Börsendebüt von Constantia Flexibles auf der Agenda. Der Handel mit den Papieren des österreichischen Verpackungsherstellers soll zeitgleich in Frankfurt und Wien beginnen. Mit einem Volumen von bis zu 821 Millionen Euro wäre der Constantia-Börsengang der bislang zweitgrößte in Frankfurt in diesem Jahr - nach der Wohnimmobilienfirma LEG.

Insgesamt müssen sich die Anleger in der neuen Woche auf niedrige Börsenumsätze einstellen. Am Donnerstag bleibt die Wall Street wegen des US-Feiertags "Thanksgiving" geschlossen.

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