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29.08.2015

15:05 Uhr

Dax-Ausblick

Die Launen des Drachen

VonJens Hagen

China treibt die Börsen weltweit zu den erstaunlichsten Kapriolen. Auch in der nächsten Woche sollten Anleger hellwach sein, es stehen neue Konjunkturdaten aus der Volksrepublik an. Reagieren die Notenbanken?

Der chinesiche Drache ist ein Glücksbringer. Er steht für kaiserliche Macht. Reuters

Symbol für Kraft

Der chinesiche Drache ist ein Glücksbringer. Er steht für kaiserliche Macht.

FrankfurtEigentlich ist doch gar nichts passiert. „Auf Grundlage eigener Analysen und Daten ist in China auf volkswirtschaftlicher Ebene – bis jetzt jedenfalls – nichts wirklich Neues geschehen“, sagt Didier Saint-Georges, Managing Director und Mitglied des Investmentkomitees bei Carmignac. Das Wirtschaftswachstum werde auf Jahresbasis vermutlich im niedrigen Fünf-Prozent-Bereich liegen. Das ist zwar schwach, aber keine Neuigkeit. „Das geringe Wachstum ist die Folge einer Kombination aus der wirtschaftlichen Restrukturierung, der monetären Verknappung und einer globalen konjunkturellen Schwäche“, erklärt Saint-Georges. „Nichts Neues also.“

Trotzdem brachen die Kurse in China ein. Auf Wochenbasis um mehr als 15 Prozent. Anleger auf der ganzen Welt schauen ins Reich der Mitte. Ist nicht doch etwas passiert? Die Mischung an schlechten Nachrichten und Bedenken sorgen für Unsicherheit. So fließt seit Wochen Kapital aus den Schwellenländern ab und lässt die lokalen Währungen zum Dollar abwerten – aus Angst, Chinas Wirtschaftsschwäche könnte die aufstrebende Märkte mit nach unten ziehen. Zum anderen naht die Zinswende in den USA – dann wären plötzlich Zinsanlagen in den USA wieder attraktiver.

China versucht zudem, seine Währung über Devisentransaktionen zu stabilisieren – ohne die Abwertung wirklich aufhalten zu können. Die Sorgen mehren sich, dass die Regierung auch die konjunkturelle Schwäche des Landes nicht in den Griff bekommt. Dieser Cocktail dürfte auch in der nächsten Woche für Unsicherheiten an den Märkten führen. „Dieses Umfeld rechtfertigt eine sehr vorsichtige Anlagestrategie bei unseren globalen Investments“, sagt Saint-Georges.

Auch Investoren am deutschen Aktienmarkt sind betroffen. Allein der Dax gab zeitweise knapp acht Prozent nach und fiel deutlich unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Zählern. Auf Wochensicht erholte sich der Leitindex aber wieder und legte mehr als ein Prozent zu. Die Berg- und Talfahrt der vergangenen Tage spreche dafür, dass die Aktienmärkte nicht so einfach zur Normalität übergehen, prognostiziert CMC Markets Analyst Andreas Paciorek: „Es wird hektisch bleiben“.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

Deshalb warten die Anleger gespannt auf den Dienstag, wenn der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitenden Gewerbe in China neue Anzeichen für die Konjunktur im Land liefert. Analysten fürchten, das Barometer könnte auf ein Drei-Jahres-Tief fallen. Dann stiege der Druck auf die Regierung und Notenbank, dem Aufschwung etwas nachzuhelfen.

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