Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.11.2015

14:00 Uhr

Dax-Ausblick

Die Vorfreude ist die schönste Freude

VonJessica Schwarzer

Alle Augen sind nächste Woche auf  Mario Draghi und Janet Yellen gewandt. Der EZB-Präsident wird wohl weitere Geldspritzen ankündigen, die Fed-Chefin stimmt Anleger auf die US-Zinswende ein. Wie reagieren die Märkte?

Die Aussicht auf neue Milliarden der EZB lässt die Kurse steigen. dpa

Euro-Logo

Die Aussicht auf neue Milliarden der EZB lässt die Kurse steigen.

DüsseldorfSeit Tagen gibt es an den europäischen Aktienmärkten kaum ein anderes Thema. Verkündet EZB-Präsident Mario Draghi am kommenden Donnerstag weitere Geldspritzen? Unter Börsianern gilt als sicher, dass die EZB ihre Anleihenkäufe ausweitet. „Die EZB wird liefern“, sagt Aktienstratege Tobias Basse von der NordLB.

Die Frage ist nur, wie sehr Draghi die Geldschleusen öffnet. Denkbar ist eine Verlängerung der Ankauffrist bis ins Jahr 2017, wie beispielsweise die Postbank-Experten erwarten, oder eine Aufstockung des Volumens von derzeit 60 Milliarden Euro monatlich. Auch eine Anhebung des Strafzinses auf Einlagen bei der Notenbank schließen viele Marktteilnehmer nicht aus. Damit sollen die Banken dazu gedrängt werden, Kredite zu vergeben statt das Geld bei der EZB zu horten.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

„Das Hauptziel der EZB dürfte sein, einen möglichst starken Effekt auf die Märkte zu erzielen“, betont Commerzbank-Analyst Michael Schubert. Er rechnet daher damit, dass Draghi weitere Schritte in Aussicht stellt, sollte sich die Inflation nicht wie gewünscht in Richtung der Zielmarke von knapp zwei Prozent bewegen. Mit der erneuten Lockerung der Geldpolitik will er die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abwenden. Wasser auf die Mühlen der Befürworter weiterer EZB-Geldspritzen könnten die Inflationsdaten aus Deutschland (Montag) und der Euro-Zone (Mittwoch) liefern.

An der Börse sorgte die Aussicht auf die Geldflut bereits für gute Stimmung. Kein Wunder, bekanntlich ist die Vorfreude ja die schönste Freude. In der alten Woche legte der Dax deshalb allen Terror- und Krisenängsten zum Trotz auch zwei Prozent zu. Die Experten der Helaba sprechen schon von einer „vorweihnachtlichen Bescherung“. In den kommenden Tagen dürfte die Luft allerdings dünner werden. Basse blickt deshalb auch nur vorsichtig optimistisch in die neue Woche.

Handelsblatt in 99 Sekunden

Dax-Prognosen sind unterhaltsam - mehr nicht

Handelsblatt in 99 Sekunden: Dax-Prognosen sind unterhaltsam - mehr nicht

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Den Euro wird die EZB-Entscheidung in der neuen Woche voraussichtlich näher an die Parität führen. Noch vor Jahresende könnte er unter die Marke von einem Dollar rutschen, prognostizieren Experten. Es wäre das erste Mal seit dem 6. Dezember 2002. Aktuell kostet die Gemeinschaftswährung etwa 1,06 Dollar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×