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15.08.2015

16:00 Uhr

Dax-Ausblick

Die Zinswende kommt, die Zinswende kommt nicht...

VonAndrea Cünnen

Sie erhöht, sie erhöht nicht. Ob die US-Notenbank schon im September den Leitzins hochsetzt, beschäftigt die Börsianer. Auch in dieser Woche werden sie jedes Ereignis als Hinweis für die Zinswende interpretieren.

Blättchen abzählen: Zu welchem Entschluss kommt die Fed, wenn die neuen Konjunkturdaten ausgezählt sind? ZB

Gänseblümchen auf der Wiese

Blättchen abzählen: Zu welchem Entschluss kommt die Fed, wenn die neuen Konjunkturdaten ausgezählt sind?

FrankfurtNachrichten von deutschen Unternehmen waren in der vergangenen Wochen nicht das Hauptthema an der Börse – und werden es auch in der kommenden Woche nicht sein. Der Dax stand wie alle anderen europäischen Börsen und die Wall Street ganz unter dem Eindruck des China-Schocks. Von Dienstag bis Donnerstag hatte Chinas Notenbank den Yuan gegenüber dem Dollar um insgesamt 4,5 Prozent abgewertet. Das schürte erneut Ängste vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft und sorgte auch im Dax für heftigen Abwärtsdruck.

Gleichzeitig kamen mit der Unsicherheit über die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft auch Zweifel an der anstehenden Leitzinserhöhung der US-Notenbank Fed auf. Das stärkte den Euro sowie sowie amerikanische und auch deutsche Staatsanleihen, deren Renditen sanken.

Deutsche Aktien: In diesen Dax-Aktien steckt am meisten China

Deutsche Aktien

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Chinas Wirtschaft schwächelt. Das könnte auch Deutschlands Konzerne treffen. Ein Unternehmen liegt in China vorn.

Vor den China-Turbulenzen waren die meisten Investoren davon ausgegangen, dass die Fed ihre Quasi-Nullzinspolitik im September beendet. Das ist nun nicht mehr so, „Die Gefahr, dass die Fed ihre Leitzinserhöhung verschiebt, ist gegeben“, sagtt Dirk Aufderheide, Währungschef bei der Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM), der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank. „Bis dato erwarten wir zwar noch einen Zinsschritt im September, aber der ist unsicherer geworden.“

Investoren werden dabei in den kommenden Wochen jeden Hinweis auf die US-Konjunkturentwicklung genauestens darauf abklopfen, welche Auswirkungen er auf die Politik der US-Notenbanker um Janet Yellen haben dürfte – ähnlich wie bei einem Abzählreim an einem Gänseblümchen. Aufschluss auf die Entwicklung der US-Wirtschaft geben dabei am Montag Daten zum US-Wohnungsmarkt und der Geschäftsklimaindex für den Großraum New York, die laut Prognosen beide leicht gestiegen sein dürften.

Die vier größten Risiken für die deutsche Wirtschaft

Stabile Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft hat ihr Wachstum im zweiten Quartal leicht beschleunigt – vor allem dank boomender Exporte und kauffreudiger Verbraucher. Während Rekordbeschäftigung, steigende Löhne und niedrige Inflation den Konsum auch künftig ankurbeln dürften, steht eine Fortsetzung des Exportaufschwungs auf wackligeren Beinen. Das sind die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft. (Quelle: Reuters)

China

Erst der Börsencrash, dann ein Exporteinbruch, jetzt eine Währungsabwertung: In China läuft es nicht mehr rund. In diesem Jahr droht das schwächste Wachstum seit einem Vierteljahrhundert. Das sind schlechte Nachrichten für die deutsche Wirtschaft, hat sich die Volksrepublik doch zu einem ihrer wichtigsten Kunden entwickelt. Waren im Wert von 75 Milliarden Euro verkaufte sie 2014 dort – nur in Frankreich, den USA und Großbritannien setzte sie noch mehr um.

Schwellenländer

Auch in anderen großen Schwellenländern ist nach Jahren des Booms Ernüchterung eingetreten. Russland steckt auch durch die westlichen Sanktionen wegen des Vorgehens in der Ukraine in einer schweren Rezession. Brasilien macht der Preisrückgang bei vielen Rohstoffen zu schaffen, während Korruptionsskandale die Wirtschaft lähmen. Auch in der Türkei ist die Hoch-Zeit erst einmal vorbei. Etwa 40 Prozent der deutschen Exporte gehen inzwischen in die großen Schwellenländer. Die Flaute dort dämpft die Nachfrage nach Waren „Made in Germany“.

Griechenland

Der klamme Staat ringt derzeit mit seinen internationalen Geldgebern um ein drittes Hilfspaket von rund 92 Milliarden Euro. Die dafür geforderten Sparmaßnahmen und Reformen drohen allerdings die Regierungspartei Syriza zu zerreißen, weshalb es noch in diesem Jahr zu Neuwahlen kommen könnte. Zwar gehen nicht einmal 0,5 Prozent der deutschen Exporte nach Griechenland. Doch eine verschärfte Debatte um einen Euro-Abschied könnte deutsche Unternehmen wegen der dann drohenden Marktturbulenzen verunsichern und zurückhaltender investieren lassen.

US-Zinswende

Im September wird wohl die US-Notenbank Fed erstmals seit Jahren ihren Leitzins anheben, erwarten die meisten Ökonomen. Weil Anlagen in der weltgrößten Volkswirtschaft damit attraktiver würden, könnten Investoren Geld aus vielen anderen Ländern abziehen – von Lateinamerika bis Asien. Dadurch drohen Turbulenzen an den Aktien- und Devisenmärkten, die Gift für Investitionen und Konsum sind. Zumal einige rohstoffreiche Länder wie Brasilien wegen der gefallenen Weltmarktpreise ohnehin unter Druck stehen. Die ohnehin lahmende Weltkonjunktur könnte dadurch weiter geschwächt werden – auch zum Schaden Deutschlands.

Das gilt auch für die am Dienstag anstehenden Wohnungsbaubeginne. Besonders wichtig werden die Inflationsdaten am Mittwoch. Hier dürften sowohl die Kerninflation – ohne die volatilen Komponenten Lebensmittel und Energie – als auch die Headline-Inflation moderat zum Vormonat um je 0,2 Prozent zugelegt haben. „Aufgrund der bisher deutlich gesunkenen Ölpreise für August ist der Inflationsausblick für den nächsten Monat aber gedämpft“, betonen die Volkswirte der HSH Nordbank.

Kommentare (2)

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17.08.2015, 11:39 Uhr

Ob die Zinswende kommt ist wohl keine Frage mehr, sie wird kommen, nur der Zeitpunkt steht noch nicht fest.
Dementsprechend kann der erfahrene Anleger sich positionieren, kein Problem.

Mir ist das völlig Schnuppe. Wer wie ich seit über 50 Jahren dabei ist, und sein Depot nur mit den intern. Branchenführen bestückt hat, sind solche Termine egal.

Account gelöscht!

17.08.2015, 17:04 Uhr

Sie wird kommen (müssen), allein um den Märkten die Rückkehr der Fed zu "normalem" Verhalten demonstrieren zu können.
Es sind mittlerweile nicht mehr die Zahlen aus den Statistiken der US-Regierung oder freien Zahlensammlern, welche das Verhalten der Fed bestimmen (sollten), sondern ganz grundsätzliche Probleme mit einem strikt marktwidrigen Verhalten über viele Jahre seit 2008.

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