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16.01.2016

14:04 Uhr

Dax-Ausblick

Ein Fass ohne Boden?

VonAndrea Cünnen

Der fallende Ölpreis, Sorgen um China und Terrorängste belasten die Börsen. Viele Experten halten zwar an ihren positiven Einschätzungen fest, aber die Nervosität bleibt groß. Was Anleger in der kommenden Woche erwartet.

Der Ölpreis fällt - und die Börsen mit ihm. Reuters

Gestapelte Ölfässer

Der Ölpreis fällt - und die Börsen mit ihm.

FrankfurtDie Investoren an den Aktienmärkten sehen schwarz. An acht von zehn Handelstagen hat allein in Frankfurt der Leitindex Dax in diesem Jahr nachgegeben. Einen so schwachen Jahresauftakt gab es noch nie. Mehr als elf Prozent hat der Dax in diesem noch jungen Jahr verloren. Am Freitag fiel er dabei erstmals seit Ende September vergangenen Jahres zeitweise unter die Marke von 9.500 Punkten.

„Die Stimmung an den Märkten hat sich schlagartig abgekühlt“, beobachtet Markus Reinwand, Aktienstratege bei der Helaba. Die DZ Bank meint, dass es vor allem der „scheinbar unaufhaltsam sinkende Ölpreis“ ist, der die Anleger beunruhigt. Der Grund: „Er wird aktuell als Vorbote einer schwächeren globalen Wirtschaftsentwicklung gesehen.“ Tatsächlich ist der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent in diesem noch jungen Jahr um weitere 17 Prozent gefallen. Allein am Freitag rutschte er in der Spitze um gut fünf Prozent ab und markierte mit 29,30 Dollar ein frisches Zwölfjahrestief. In den USA fiel der Preis für US-Leichtöl der Marke WTI mit 29,28 Dollar ebenfalls auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren.

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Überlaufende Öllager, ein bislang recht milder Winter das hohe Ölangebot durch Fracking, die Möglichkeit der Rückkehr des Irans an den Weltölmarkt und die Uneinigkeit in der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) führen dazu, dass viele Experten den Ölpreis als Fass ohne Boden sehen. Dazu verunsichert die Lage in China die Investoren. Die am Dienstag anstehenden Daten zum Wachstum der chinesischen Wirtschaft im vierten Quartal dürften laut Volkswirten zwar keine neuen Hiobsbotschaften bereithalten. Das Bruttoinlandsprodukt in der Volksrepublik dürfte im Vergleich zum Vorjahr um 6,9 Prozent gewachsen sein. Was der Weltwirtschaft nach Ansicht der Ökonomen der Dekabank allerdings zu schaffen macht, ist die Schwäche des chinesischen Industriesektors. Hierfür werden am Dienstag ebenfalls Zahlen veröffentlicht und ein zumindest leichter Rückgang ist wahrscheinlich.

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Deutsche Staatsanleihen

Es war vor allem die Europäische Zentralbank die mit ihren Anleihekäufen die Kurse auch der deutschen Staatsbonds immer weiter nach oben trieb. Im Gegenzug sackten die Renditen. Zuletzt sind sie aber wieder gestiegen – so dass für Anleger mit Bundesanleihen nur magere Erträge aus Kursgewinnen und Zinsen blieben. Wer 100.000 Euro in einen Korb aus Bundesbonds steckte hat jetzt 100.310 Euro auf dem Konto. Das ist weniger als sich im Schnitt mit Tagesgeld erwirtschaften ließ.

Stand: 30.12.2015, 11.30 Uhr; Wertentwicklung ohne Transaktionskosten
Quelle: Bloomberg

Aktien Euro-Zone

Die Spreizung im Euro-Raum ist recht groß. Der größte Gewinner in diesem Jahr ist bislang die Börse in Dublin, die mehr als 30 Prozent zulegte. Die Indizes in Spanien, Luxemburg und vor allem in Griechenland und Zypern stürzten dagegen ab. Der Euro Stoxx 50 für die Standardwerte im Euro-Raum gewann 5,1 Prozent, somit wurden aus 100.000 Euro 105.100 Euro.

Deutsche Aktien

Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in den Dax gesteckt hat, kann sich über ein Plus von 10,26 Prozent, also von 10.260 Euro freuen Noch viel besser entwickelten sich Nebenwerte. Der MDax der mittelgroßen Aktien legte rund 23 Prozent zu, der TecDax 34 Prozent. Auch an anderen europäischen Börsen hatten die Small Caps oft die Nase vorn.

Amerikanische Staatsanleihen

Die Zinserhöhung der US-Notenbank im Dezember konnte US-Bonds bislang nicht viel anhaben. Unter dem Strich und im Mittel aller Laufzeiten sind die Kurse etwas höher als zu Jahresbeginn – und die Renditen entsprechend leicht gesunken. In Dollar gerechnet brachten US-Staatsanleihen Investoren so einen Gesamtertrag aus Zinsen und Kursgewinnen von gut einem Prozent. Da der US-Dollar jedoch deutlich zulegte, profitierten Euro-Anleger: Sie können sich 100.000 in US-Staatsanleihen angelegten Euro jetzt über einen Depotstand von 111.650 Euro freuen.

US-Aktien

Die US-Börsen haben sich von ihrem Einbruch im Sommer erholt – und nach jüngsten Spurt bislang ein mageres Jahresplus geschafft. Der gestiegene Dollar hilft aber Euro-Investoren, die nicht währungsgesichert in den USA angelegt haben. Der S&P 500 stieg in Euro gerechnet um 11,81 Prozent. Aus 100 000 Euro wurden bis kurz vor Jahresschluss 111.810 Euro.

Chinesische Aktien

Kaum eine Börse war so in den Schlagzeilen wie die chinesische. Bis zum Frühjahr stieg sie rasant – dann kam der Absturz. Dabei schreckten die Sorgen um eine Abschwächung der Wirtschaft der Volksrepublik die Investoren weltweit auf. Dennoch notierten der Leitindex Shanghai Composite immer noch deutlich fester als zu Beginn 2015 und auch der Yuan hat auf Jahressicht zum Euro zugelegt. So wurden aus 100.000 im Shanghai Composite angelegten Euro 116.980 Euro

Japanische Aktien

Die Notenbank pumpt weiter Geld in den Markt und das Reformprogramm von Ministerpräsident Shinzo Abe zur Ankurbelung der Wirtschaft greift – wenn auch langsamer als viele erwartet hatten. Entsprechend holprig ging es auch 2015 am japanischen Aktienmarkt zu. Unter dem Strich gilt jedoch: Der Nikkei 225 Index gewann 2015 gut neun Prozent. Gleichzeitig wertete der Yen zum Euro kräftig auf. 100.000 in den Index investierten Euro vermehrten sich deshalb auf 120.020 Euro.

Griechische Staatsanleihen

Auch sie verblüffen Investoren und gelten als zu riskant für eine seriöse Anlage. Im Sommer fürchteten die wenigen Anleger die noch griechische Bonds handeln den Austritt Griechenlands aus dem Euro-Raum. Die Kurse der Staatsbonds fielen drastisch. Sie erholen sich jedoch seit sich das dritte Hilfspaket für Hellas abzeichnet. Die Folge: Wer 100.000 Euro in griechische Staatsbonds verfügte hat jetzt 121.190 Euro.

Venezolanische Aktien

Die Börse in Caracas ist der Überraschungssieger des Jahres, und das obwohl die Wirtschaft das dritte Jahr in Folge in der Rezession steckt. An der Börse werden jedoch nur sehr wenige Aktien gehandelt, die Umsätze liegen täglich bei meist nur ein paar tausend Dollar. Aktien sind aber für venezolanische Investoren eine Möglichkeit ihre Bolivar vor dem Wertverfall angesichts der Inflation von 160 Prozent zu retten. Außer den heimischen Investoren legt kaum jemand Geld in Caracas an. Dennoch: Theoretisch konnten Anleger 361.80 Euro verdienen, wenn sie Anfang des Jahres 100.000 Euro in Venezuelas Leitindex IBC investierten.

Genauso wichtig werden auch die anstehenden Bilanzzahlen der Unternehmen. In den USA nimmt die Berichtssaison in nächsten Woche Fahrt auf und das wird auch Anleger hierzulande beschäftigen. Dabei sind die Aussichten allerdings nicht rosig. Die DZ Bank rechnet für die im S&P 500 notierten Unternehmen insgesamt mit einem Gewinnrückgang von fünf Prozent. „Das wäre die schlimmste Gewinnrezession seit 2009“, warnen die Strategen der genossenschaftlichen Bank. Schließlich sind die Gewinne der US-Unternehmen aus dem breiten Börsenindex im Schnitt bereits im zweiten und dritten Quartal 2015 gefallen.

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