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19.02.2017

09:58 Uhr

Dax-Ausblick

„Eine gesunde Portion Skepsis ist angesagt“

VonAndrea Cünnen

Neue Rekordhochs an der Wall Street und steigende Börsen in Europa: Die Tendenz ist eindeutig, doch angesichts der vielen Risiken werden Experten vorsichtig. Warum sie Rückschläge fürchten.

Noch sind die Bären genannten Aktienpessimisten in der Defensive. Imago

Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse

Noch sind die Bären genannten Aktienpessimisten in der Defensive.

Frankfurt„Ein Paradoxon“. Das ist es, was Thomas Klee zu den Aktienmärkten einfällt. „Das aus dem vergangenen Jahr bekannte Muster – wonach eine stetig größer werdende politische Unsicherheit einherging mit einem dennoch besser werdenden Marktsentiment – setzt sich auch 2017 bislang fort“, meint der Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Die Frage ist nur, wie lange noch.

Seit der Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten im November haben die Aktienbörsen erneut kräftig zugelegt. So trieben in der vergangenen Handelswoche Trumps Ankündigung einer „phänomenalen“ Steuerreform und von einem Abbau der Bankenregulierung die US-Börsen noch auf neue Allzeithochs. Der Dow Jones Index stieg auf bis zu 20.640 Punkte, der breite S&P 500 auf 2.351 und der Index der Technologiebörse Nasdaq erreichte in der Spitze 5.835 Zähler. Besonders gefragt waren an der Wall Street dabei die Aktien von Banken. Danach tendierten die US-Börsen aber nur noch seitwärts.

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„So langsam untergräbt aber Trumps sprunghaftes Verhalten das Vertrauen der Investoren“, meint dazu Angus Gluskie, Fondsmanager bei von White Funds Management. Auch die Analysten der Raiffeisen Bank International in Wien fragen sich, wie lange die Investoren noch gewillt sind hinwegzusehen über die zunehmend protektionistischen Aussagen, die internen Querelen in der neuen Regierung wie zum Beispiel den Rücktritt des nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn.

Eine „gesunde Portion Skepsis“ sei angebracht, so Markus Reinwand, Aktienanalyst bei der Helaba: „Angesichts hoher Erwartungen baut sich beachtliches Enttäuschungspotenzial auf.“ Dies gelte auch deshalb weil bei der Nachhaltigkeit der der Wachstums- und Ertragsperspektiven durchaus gewisse Fragezeichen stünden.

Welche politischen Stolperfallen Anlegern 2017 drohen

Aktien

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax im Schnitt bis Ende 2017 bei rund 11.470 Punkten. Das wäre in etwa auf dem Niveau vom Jahresende 2016 "Die Dividendenrendite ist im Vergleich zu den Anleihe-Renditen weiterhin so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist in Ordnung", sagt Lars Thörs, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft Danske Capital. Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkaufe zurückgreifen.“

Über weite Strecken kam der Dax 2016 kaum vom Fleck. Das Plus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn geht zum größten Teil auf die Kursentwicklung im Dezember. Anfang des Monats übersprang der Dax die 11.000er Marke.

Als großen Risikofaktor für die Aktienmärkte sehen Börsianer die Wahlen in Deutschland, Frankreich den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien. „Die Welle der populistischen Ergebnisse ist für Europa 2017 eine große Bedrohung“, sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Ein zunehmender Nationalismus könnte der Anfang vom Ende der Euro-Zone sein.

Anleihen

An den Rentenmärkten werde es 2017 kaum etwas zu verdienen geben, ist sich Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim sicher. „Bei zehnjährigen Bundesanleihen gehen wir von einer negativen Gesamtrendite von etwa einem Prozent aus.“ Wenig besser dürfte es Anlegern mit US-Staatsanleihen ergehen: Hier sei eine Nullrendite zu erwarten. Die Ökonomen der Rabobank geben sich ähnlich skeptisch: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Donald Trumps Politik der Wirtschaft nachhaltigen Schub verleiht.“ Mögliche politische Spannungen könnten zudem die Attraktivität deutscher und US-Bonds als relativ sichere Anlagen erhöhen und damit die Renditen drücken.

Wegen der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit rund 0,3 Prozent etwa halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Ihre US-Pendants rentieren mit knapp 2,3 Prozent zwar höher als Anfang 2016. Jenseits des Atlantik erwarten Börsianer aber auch eine Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Staatsanleihen sind seit Jahren für Investoren ein schlechtes Geschäft, da die großen Notenbanken diese Papiere in großem Stil aufkaufen. Damit sollen die Finanzierungskosten für Staaten niedrig gehalten und die Konjunktur angekurbelt werden.

Devisen

Wegen der unterschiedlichen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik ist der Euro den Analysten der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank zufolge 2017 auf dem Weg zur Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei Kursen um die 1,04 Dollar - rund vier US-Cent weniger als Anfang Januar. Die Experten der Rabobank sagen dagegen ein Ende des Dollar -Höhenfluges voraus. Der konjunktur- und damit inflations- und zinstreibende Effekt höherer Infrastruktur-Investitionen in den USA werde voraussichtlich durch eine restriktivere Handelspolitik zunichte gemacht.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan wird dem Commerzbank-Analysten Peter Kinsella zufolge weitergehen. „Der Yuan gilt zwar als künstlich billig, doch ist er die mit Abstand teuerste Schwellenländer-Währung.“ Um Börsenturbulenzen zu vermeiden, werde China seine Valuta aber nur behutsam abwerten. Kinsella sieht den Dollar Ende kommenden Jahres bei 7,15 Yuan. In den vergangenen Monaten kletterte er um rund sechs Prozent auf etwa 6,90 Yuan. Anfang 2016 hatte eine rasche Abwertung der chinesischen Währung ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Erdöl

Im Januar treten die niedrigeren Förderquoten für die Opec-Staaten in Kraft. Viel hängt davon ab, ob sich die Mitglieder des Export-Kartells sowie Russland an die Vereinbarung halten. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass (159 Liter). Danach werden die Preise der US-Bank Goldman Sachs zufolge aber fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Dank der geplanten Kürzung der Fördermengen durch die großen Exportländer verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 56 Dollar je Barrel (159 Liter).

Andere Rohstoffe

Auf Kursverluste müssten sich Anleger an den Metallbörsen einstellen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Zwar steige durch die geplanten Infrastruktur-Investitionen in den USA und China die Nachfrage, gleichzeitig wachse aber auch das Angebot. Außerdem sei die Rally nach der US-Präsidentschaftswahl überzogen gewesen. Weinberg sieht den Kupfer -Preis bis Ende 2017 bei rund 5600 Dollar je Tonne. Seit September ist der Preis für das wichtige Industriemetall um ein Fünftel auf rund 5538 Dollar gestiegen.

Die Nachfrage nach der „Anti-Krisen-Währung“ Gold wird Analysten zufolge wegen der politischen Unwägbarkeiten anhalten. Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Ende 2017 auf rund 1300 Dollar von derzeit etwa 1150 steigt. 2016 verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent.

So konnten nach Berechnungen der Helaba in der in der aktuellen US-Zwischenberichtssaison nur rund zwei Drittel der Unternehmen positiv überraschen. Das klingt zwar nicht schlecht, ist aber lediglich Durchschnitt. Michael Bissinger, Analyst bei der DZ Bank, ist zwar grundsätzlich positiv für die Aktienmärkte gestimmt. Allerdings meint auch er, dass einiges auf eine „eine gewisse Sorglosigkeit an den Märkten hindeutet, die das Risiko für Rückschläge steigen lässt“.

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