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28.12.2013

10:35 Uhr

Dax-Ausblick

Eine waschechte Jahresendrally

Der letzte Handelstag des Jahres steht dem Dax bevor. Zufrieden können Börsianer auf ein gutes Jahr zurückblicken, in dem ein Rekord dem nächstem folgte. Ein Ausblick auf den Beginn eines spannenden Börsenjahres 2014.

Da strahlen die Börsianer: Zum Jahresende kam es doch noch mal zu einer richtigen Rally - eine passende Stimmung zum Jahreswechsel. dpa

Da strahlen die Börsianer: Zum Jahresende kam es doch noch mal zu einer richtigen Rally - eine passende Stimmung zum Jahreswechsel.

In der vergangenen Weihnachtswoche setzte sich der Schlussspurt beim Dax fort. Die Anleger durften gleich in Feierstimmung bleiben. Nun steht nur noch ein Handelstag für dieses äußerst erfolgreiche Börsenjahr aus. Kommt es zu einer waschechten Jahresendrally 2013? Und wie lange wird sich diese im neuen Jahr fortsetzen?

Das moderate Zurückfahren der Konjunkturhilfen und die Aussage Ben Bernankes, auch längerfristig eine Nullzinspolitik zu verfolgen, nahmen die Anleger weltweit zwar gerne als frühzeitiges Weihnachtgeschenk an. Die Notenbank legte damit den Grundstein für die wiederbelebte Rally, die sich so zu einer echten Hatz zum Jahresultimo entwickelte.

Die Notenbank, die in der Woche vor Weihnachten verkündet hatte, ihre monatlichen Anleihekäufe ab Januar um 10 Milliarden Dollar auf 75 Milliarden Dollar runterzufahren, war in der abgelaufenen Woche aber nicht mehr zentrales Thema bei den Anlegern.

Das sagen Ökonomen zur Fed-Entscheidung

Thomas Gitzel (VP Bank):

„Die Fed tat gut daran das Wertpapieraufkaufprogramm zu reduzieren. Wichtige globale Konjunkturindikatoren überraschten zuletzt positiv. Überrascht auch die US-Wirtschaft auf der positiven Seite, hätte die Fed bei Fortsetzung des Programms zu einem späteren Zeitpunkt umso deutlicher reagieren müssen. Deshalb war die Entscheidung richtig, jetzt zu handeln.

Die Fed verankerte gleichzeitig die Zinserwartungen auf tiefem Niveau durch die Bekanntgabe einer neuen 'Zielarbeitslosenquote'. Auch die Finanzmärkte reagierten gelassen. Die große Katastrophe scheint auszubleiben.“

Essener National-Bank:

„In den kommenden Monaten darf man sich darauf einstellen, dass das QE-Volumen nach und nach weiter reduziert wird. Bislang gehen die Marktakteure jedoch nicht davon aus, dass die Leitzinswende näher rückt. Allerdings ist die Zielarbeitslosenquote von 6,5 Prozent nicht mehr soweit entfernt. Kommt die US Wirtschaft im kommenden Jahr gut aus den Startlöchern, ist der Wert möglicherweise schneller erreicht, als es Fed und Marktteilnehmer erwarten.“

Dirk Chlench (LBBW):

„Die Entscheidung der Federal Reserve, ihr Ankaufvolumen herunterzufahren, war überfällig. Der Reigen guter Konjunkturnachrichten hat ihr kaum noch eine andere Wahl gelassen. Dies gilt umso mehr, da mit der Einigung im Kongress auf einen Haushalt für die nächsten zwei Fiskaljahre auch das Risiko eines erneuten Regierungsstillstandes vom Tisch ist.“

Christian Schulz (Berenberg Bank):

„Der Schlüssel ist der Inflationsausblick. Da die Inflationsrate bis in das Jahr 2016 hinein unter der Zielmarke von zwei Prozent bleiben dürfte, könnten die Zinsen noch für eine sehr lange Zeit sehr niedrig bleiben.“

Christiane von Berg (BayernLB):

„Auf Grundlage des Statements der Fed bleiben wir bei unserer bisherigen Prognose zum Ausstieg der Fed aus ihrer expansiven Geldpolitik. Wir erwarten weiterhin das Ende des Taperings im vierten Quartal, welches konsistent mit den Aussagen Bernankes zur schrittweisen Reduzierung der Anleiheankäufe ist. Zudem erwarten wir die erste Leitzinsanhebung unverändert Mitte 2015. Trotz der Tapering-Ankündigung für Januar waren die Ergebnisse der heutigen Sitzung weniger überraschend als auf den ersten Blick gedacht.“

Treibstoff der Börsenrally bleibt weiterhin die lockere Geldpolitik der globalen Notenbanken. Nachdem die Fed nun die Wende eingeläutet hat, wird sich der Fokus der Anleger im nächsten Jahr aber zunehmend auf die Konjunktur richten. Einen Vorgeschmack bot da schon die letzte Woche, wo an den US-Börsen ein überraschend starker Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für weitere Höchststände sorgte.

„Vor allem durch den sich andeutenden Wirtschaftsaufschwung, der im Laufe des Jahres zu einem der Hauptimpulsgeber für den Aktienmarkt werden sollte, dürften verbesserte Gewinnaussichten für die Unternehmen einen Kursanstieg des Dax fundamental untermauern“, prognostiziert die Landesbank Berlin.

Die Meilensteine des Dax

1. Juli 1988

Der Dax wird aus der Taufe gehoben. Basis der Berechnung ist der 30. Dezember 1987 mit einem Wert von 1.000 Punkten.

5. April 1991

In Frankfurt geht das „Interbank Informations System” - kurz Ibis genannt und eine Art Vorläufer des Xetra-Systems - an den Start.

19. Januar 1996

Die Börse führt den MDax ein, dem zunächst 70 mittelgroße Unternehmen angehören. Im März 2003 wird der MDax auf 50 Unternehmen verkleinert.

18. November 1996

Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt dramatisch zu.

10. März 1997

Start des Neuen Marktes. Nach einer Reihe von Skandalen wird das Segment am 21. März 2003 wieder abgeschafft. Am 24. März 2003 wird als inoffizieller Nachfolger der TecDax eingeführt, dem 30 Tech-Aktien angehören.

28. November 1997

Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading” - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Zunächst werden 109 Aktien auf Xetra gehandelt. Später öffnet die Börse Xetra für alle deutschen sowie für europäische und US-Aktien.

7. März 2000

Der Dax erreicht ein Rekordhoch von 8136,16 Punkten. Händler begründen die Euphorie mit Fusionsfieber. Ein geplanter Zusammenschluss der Deutschen mit der Dresdner Bank scheitert aber. Die Dresdner Bank geht an die Allianz, die sie im Mai 2009 an die Commerzbank weiterreicht. Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Danach beginnt beim Dax eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2000

Auf dem Höhepunkt der Börseneuphorie wird die Chip-Tochter von Siemens, Infineon, zu einem Emissionspreis von 35 Euro an den Anleger gebracht. Die Platzierung ist 33-fach überzeichnet. Beim Börsendebüt am nächsten Tag erreicht die Aktie in der Spitze knapp 85 Euro. Heute notieren die Infineon-Titel bei 6,60 Euro. Danach beginnt eine langjährige Abwärtsbewegung, die von den Anschlägen in New York und Washington am 11. September 2001 verschärft wird.

12. März 2003

Der Dax rutscht unter 2200 Punkte und notiert damit so tief wie zuletzt im November 1995. Im Laufe des Jahres dreht er. Mit der Erholung der Weltwirtschaft in den Folgejahren wächst auch das Vertrauen in die Gewinnentwicklung der Unternehmen wieder.

1. Juni 2007

Erstmals seit März 2000 steigt der Dax wieder über 8000 Punkte.

13. Juli 2007

Mit 8.152 Zählern setzt der Dax einen neuen Meilenstein. Trotz erster Bankenpleiten und Notoperationen der EZB am Geldmarkt hält sich der Dax zu Beginn des Krisenjahres 2008 über 8000 Zählern. Doch ab dann geht es bergab. 2009 beschleunigt der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate die Talfahrt des Dax.

21. Januar 2008

Der Absturz des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate leitet die Talfahrt des Dax ein. Am 21. Januar fällt der Index um mehr als 500 Zähler oder sieben Prozent auf 6790 Punkte.

9. März 2009

Die Krise der Banken hat Tribut gefordert: Mit 3588 Punkten erreicht der Dax zeitweise den niedrigsten Stand seit Oktober 2003. Doch es gibt Hoffnung. Denn nur wenige Tage später wirft die Fed die Notenpresse an. Von nun an geht es bergauf. Am 25. Oktober schafft der Dax zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

22. Mai 2013

Der Mai wurde für den Dax der Monat der Rekorde. Nachdem der Dax ein Rekordhoch nach dem anderen knackt, liegt das neue Allzeithoch bei 8.558 Punkten.

25. Oktober 2013

Der Dax schafft zum ersten Mal in seiner Geschichte den Sprung über die Marke von 9000 Punkten.

7. November 2013

Neuer Rekord: Der Dax steigt zwischenzeitlich auf ein Allzeithoch von 9193 Punkten, gab bis zum Handelsende aber einen Teil der Gewinne wieder ab. Zum Börsenschluss reichte es für 9081 Punkten. Die Anleger feierten die überraschende Senkung des Leitzinses durch die EZB auf 0,25 Prozent.

25. November 2013

Der Dax beginnt die neue Handelswoche mit einer Rekordjagd. Schon in den ersten Minuten springt der Index über das alte Rekordhoch von 9254 Punkten und pendelt bereits vormittags an der Marke von 9300 Punkten.

2. Dezember 2013

Trotz eines ruhigen Präsenzhandels konnte der Dax an diesem Montag eine neue Bestmarke setzen: Er stieg am Vormittag bis auf 9424,83 Punkte.

30. Dezember 2013

Der Dax beendet seine Jahresendrally knapp über der Marke von 9500 Punkten.

4. Februar 2014

Der Dax startet stark ins neue Jahr und erreicht am 17. Januar mit 9789 Punkten abermals ein Rekordhoch. Börsianer hoffen, dass der Index nun über die 10000-Punkte-Markte springt und werden enttäuscht: Gegen Monatsende geht dem Dax die Puste. Am 31. Januar schließt er bei 9349 Punkten und läutet den Februar mit fallenden Kursen ein.

2013 hat es der Leitindex nach mehr als 13 Jahren geschafft, die Marke von 8.000 Punkten nachhaltig zu durchbrechen. Gestern beendete der Dax den letzten vollen Handelstag des Jahres (denn am Montag ist die Frankfurter Börse nur bis 14.00 Uhr geöffnet) bei 9589 Punkten, einem neuen Allzeithöchststand.

Auf Jahressicht gewann der Dax 23 Prozent und seit September 2011 legte der deutsche Leitindex ganze 85 Prozent zu. Die Bilanz seines US-Pendants fällt noch stärker aus: Der Dow-Jones-Index legte in diesem Zeitraum gut 140 Prozent zu. Das am 27. Dezember markierte Rekordhoch liegt bei 16.525 Zählern.

DWS-Prognose: Aktienmärkte

Aktienmärkte: Mehr Volatilität

Insgesamt dürfte es ein solides Jahr an den Finanzmärkten werden. Wir erwarten verhaltene Anstiege an den Kapitalmärkten, wenn auch nicht mehr so deutlich wie 2013. Allerdings rechnen wir mit einer höheren Volatilität.

Anhaltende Niedrigzinsen

Für den Kapitalanleger gilt angesichts des Niedrigzinsumfelds und der finanziellen Repression grundsätzlich: Er muss mehr ins Risiko gehen.

Unternehmensgewinne sind die Kurstreiber

Für die Aktienmärkte sehr optimistisch ist Henning Gebhardt, Head Europe, Middle East and Africa Equities. Er sagt: „In den vergangenen Jahren standen die Aktienmärkte unter dem Einfluss von Risikoaversion und Normalisierung. 2014 dürfte sich dies wandeln. Jetzt dürften die Gewinne der Unternehmen zum Haupttreiber werden. Dies sollte den Börsen in den kommenden zwölf Monaten weiteren Auftrieb geben.“

15 Prozent sind drin

Für die Fortsetzung des Kursanstiegs spreche auch, dass viele Investoren Aktien in ihren Depots immer noch untergewichtet haben. An den meisten Aktienmärkten sollten Renditen von bis zu fünfzehn Prozent erzielbar sein.

Europäische Aktien

An europäischen Aktien führt nach Ansicht der DWS-Experten kein Weg vorbei. Aktien in Europa seien historisch gesehen immer noch sehr günstig.

Solide: Zyklische Konsumgüter und Industrie

Investoren sollten zudem überlegen, auf konjunktursensitive Branchen zu setzen und Aktien aus den Bereichen zyklische Konsumgüter, Industrie und Finanzdienstleistungen über zu gewichten.

Wachstumsprofiteure: Small-Cap-Aktien

Small-Cap-Aktien dürften ebenfalls überdurchschnittlich von dem höheren Wirtschaftswachstum profitieren und sollten daher gegenüber Large-Cap-Papieren die Nase vorne haben. Anleger sollten Aktien zinssensitiver Unternehmen aus den Bereichen Versorger und Basiskonsum tendenziell untergewichten.

Die Rally am deutschen Aktienmarkt sorgt dafür, dass sich schon überraschend schnell einige Prognosen von Analysten bewahrheiten könnten. So glaubt Henning Gebhardt, Head of EMEA Equities bei DWS Investments, dass der Dax am Ende des nächsten Jahres bei 10.150 Punkten steht. „Dabei nehmen wir circa elf Prozent Gewinnwachstum und eine attraktive Dividenden-Rendite von 3.3 Prozent an“, erklärte er gegenüber Handelsblatt Online.

Wie bei den anderen Märkten unterstelle die DWS, eine Tochter der Deutschen Bank, dass sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis beim Dax ausweiten wird. Trotz neuer Rekordstände bei den Indizes seien deutsche und globale Aktien im historischen Vergleich noch nicht teuer. „Für die Fortsetzung des Kursanstiegs spricht, dass viele Investoren Aktien in ihren Depots untergewichtet haben“, sagte Gebhardt.

Die Aussichten für eine wirtschaftliche Beschleunigung in Europa und den USA beurteilt der DWS-Stratege gut. Gleichzeitig geht er davon aus, dass China mit ca. 7.5 Prozent wachsen wird. Das alles bilde ein positives Umfeld für die Gewinne der deutschen Blue-Chips. Zusätzlich könnten Real-Lohnsteigerungen in Deutschland die Konsumnachfrage stimulieren.

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