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19.05.2012

13:50 Uhr

Dax-Ausblick

Euro-Krise bleibt das Schreckgespenst der Finanzmärkte

Die gescheiterte Regierungsbildung in Athen lässt die Anleger zittern. Eine Pleite Griechenlands wird immer wahrscheinlicher und in Spanien sieht es kaum besser aus. Dem Dax droht eine weitere schwache Handelswoche.

Die Euro-Krise entfacht wieder ihre destruktiven Kräfte und die Händler können nur hilflos mitzusehen. dpa

Die Euro-Krise entfacht wieder ihre destruktiven Kräfte und die Händler können nur hilflos mitzusehen.

FrankfurtWer in der kommenden Woche auf Aktien setzt, muss starke Nerven haben. Denn die Lage in Europa spitzt sich immer weiter zu und eine Lösung ist nicht in Sicht. In der vergangenen Handelswoche verhielten sich die Anleger entsprechend vorsichtig. Sie griffen überwiegend zu den als sicher geltenden Bundesanleihen. Die Rendite auf zehnjährige deutsche Staatspapiere fiel auf ein Rekordtief von 1,396 Prozent. Das zeigt, dass die Stimmung der Anleger derzeit auf dem Tiefpunkt ist. Ihr Hauptziel ist es, nichts zu verlieren - auch wenn das zur Folge hat, dass sie nichts dazu gewinnen.

Für Kopfschmerzen an den europäischen Finanzmärkten sorgen vor allem Spanien und Griechenland. "Die Krise scheint sich zuzuspitzen. Das übergeordnete Bild an den Märkten wird in den kommenden Wochen sehr, sehr negativ sein", prognostiziert Christian Jasperneite, Volkswirt bei MM Warburg. Sollte es zwischendurch an den Börsen etwas nach oben gehen, sei dies nur eine technische Reaktion auf die vorherigen Verluste. Auch die Analysten der Landesbank Berlin glauben nicht an eine Erholung. "Kurzfristig ist die Chance auf eine nachhaltige Entspannung recht gering", urteilen sie. "Die Volatilität wird aufgrund der immensen Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung der Schuldenkrise hoch bleiben." In der zu Ende gehenden Woche hat der Dax mehr als vier Prozent eingebüßt.

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An den Märkten kursieren nach wie vor Spekulationen über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nach den Neuwahlen im Juni. Denn sollte bei den Neuwahlen das radikale Linksbündnis Syriza gewinnen, würden die geltenden Verträge zwischen Griechenland, EU und IWF aufgekündigt. Die unmittelbare Folge wäre die Zahlungsunfähigkeit Athens und konsequenterweise der Austritt aus der Euro-Zone. In Handelskreisen wird dieses Szenario mit dem wenig schönen Begriff "Grexit" bezeichnet. Die damit verbundenen Ansteckungsängste werden in der kommenden Woche die Börsen weiterhin volatil halten.

Außerdem geht das Schreckgespenst eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone um. "Wenn Griechenland austreten würde, warum sollte das auch nicht mit Spanien oder Portugal passieren können?", gibt Volkswirt Jasperneite zu Bedenken. Auch bestünde die Gefahr einer Kapitalflucht aus den anderen angeschlagenen Ländern der Euro-Zone. Christoph Weil, Volkswirt bei der Commerzbank, rechnet zwar bei einer Staatspleite Griechenlands und dem Kollaps der dortigen Banken mit heftigen Reaktionen an den Finanzmärkten. Würde aber deutlich, dass Notenbanken, IWF und die Regierungen die Lage in den Griff bekämen, dürfte das Schlimmste schnell überstanden sein. "Möglicherweise würde sich schon bald Erleichterung breitmachen, dass mit Griechenland das größte Sorgenkind die Euro-Zone verlassen hat", schreibt er in einer Studie.

Kommentare (17)

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Sven

19.05.2012, 15:28 Uhr

Warum die Anleger auf Bundesanleihen (Geld, Euro) setzen stat auf Aktien (Sachwerte) ist mir bei einer Euro-Krise nicht ganz klar.

KHD

19.05.2012, 15:43 Uhr

Der grösste Unsicherheitsfaktor der EURO Union sind die Politiker, die es gewohnt sind mit Scheinreden und Rosstäuschung oder einfach Verschweigen von Fakten die tatsächliche Sitaution zu verschleiern. Solche Tatsachenverdrehung und absichtliche Falschdarstellung bzw. absichtliches Verschweigen von Fakten wird kein Vertrauen in den EURO Raum bringen. Dafür sind die, denen man Vertrauen entgegenbringen sollte, nämlich die Investoren und institutionellen Anlager viel zu clever und ausgeschlafen. Mit dieser Bauernschläue der Politiker lassen sich einfältige Wähler kaufen, aber keine Investoren.

Account gelöscht!

19.05.2012, 16:01 Uhr

Warum so schüchtern? Nach Griechenland steht nur Spanien auf der Kippe? Buchen wir doch auch gleich Italien dazu! Der Auftragseingang der Industrie liegt in diesem Monat bei -14 Prozent! Die Inlandsnachfrage schmiert besonders kräftig ab. Wenn sich die Italiener Mühe geben, überholen sie die Spanier noch auf der Zielgeraden zur Pleite. Und was ist eigentlich mit Portugal? Schreibverbot wegen desolater Haushaltszahlen?

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