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14.12.2013

11:14 Uhr

Dax-Ausblick

Fed gibt den Börsentakt vor

Die Börsianer dürften verhalten in die kommende Woche starten. Denn: Weiterhin herrscht große Unsicherheit über das Vorgehen der Fed. Am Mittwoch verrät der Ifo-Index, wie deutsche Chefs die Wirtschaft einschätzen.

Händler in Frankfurt: In der nächsten Woche schauen die Börsianer gespannt auf die Fed, die sich am Mittwoch über ihre Geldpolitik berät. dapd

Händler in Frankfurt: In der nächsten Woche schauen die Börsianer gespannt auf die Fed, die sich am Mittwoch über ihre Geldpolitik berät.

Die US-Notenbanker könnten für einen spannenden Jahresausklang an den Aktienmärkten sorgen. Schließlich warten Anleger rund um den Globus darauf, ob die Fed um ihren Chef Ben Bernanke bereits im Dezember die Anleihekäufe zurückfahren könnte. Die Schar der Marktbeobachter ist in dieser Frage gespalten.

Für die einen sprechen die zuletzt besseren Zahlen vom US-Arbeitsmarkt und die Einigung im Budgetstreit durchaus dafür. Die Mehrzahl hält allerdings dagegen, dass sich Bernanke & Co angesichts der dünnen Börsenumsätze im Vorweihnachtsgeschäft und des Anfang des Jahres anstehenden Stabwechsels zu Janet Yellen bei ihrem Treffen am Dienstag und Mittwoch nicht aus dem Fenster lehnen werden.

Dax-Prognosen: Diese Experten warnen Anleger

Dirk Müller I

Dirk Müller, Börsenexperte: „Wenn man jetzt nicht dabei war, dann verstehe ich nicht, wieso man jetzt auf den Höchstkursen hinterherrennen soll. Wie heißt es so schön an der Börse, der Straßenbahn und den verpassten Gelegenheiten rennt man nicht hinterher, die nächste Gelegenheit kommt mit Sicherheit, man sollte warten, bis es wieder günstig Aktien gibt.“

Dirk Müller II

„Der Dax hat jetzt eine riesen Rallye hingelegt, seit dem Sommer. 1500 Punkte am Stück, kann man sagen, ist er nach oben gegangen. Es ist dringend Zeit für eine Korrektur“, sagte Börsenexperte Dirk Müller.

Carl Icahn

Auch der US-Großinvestor Carl Icahn hat mit Blick auf die Niedrigzinsphase vor Übertreibungen und einem Absturz der Aktienmärkte gewarnt. Etliche Unternehmensgewinne seien auf die extrem niedrigen Zinsen zurückzuführen und nicht auf weitsichtiges Management, sagte Icahn auf einer Reuters-Veranstaltung in New York. Seiner Einschätzung nach sind Aktien derzeit teuer. „Der Markt könnte leicht vor einem großen Einbruch stehen.“


Professor Olaf Stotz

„Bei einem so niedrigen Barometer-Stand spricht vieles dafür, dass wir an den Aktienmärkten eine Seitwärtsbewegung oder sogar eine Korrektur sehen werden“, sagt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School über den aktuellen Stand des Insider Barometers, das das Aachener Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) alle zwei Wochen mit Commerzbank Wealth Management exklusiv für das Handelsblatt berechnet. Es ist um gut zwölf Punkte auf 71 Zähler gesunken. Bereits Werte unter 90 Punkten gelten als Verkaufssignal.

Fondsmanager Raimund Saxinger

Der Dax könnte bis Mitte Dezember um fünf bis sieben Prozent nachgeben, sagt Fondsmanger Raimund Saxinger von der Frankfurt-Trust Investment GmbH. Enttäuschende Unternehmensergebnisse könnten die quantitativen Maßnahmen der Notenbanken überschatten, sagte Saxinger: “Diejenigen, die ihr Augenmerk auf die Liquiditätslage richten, sind sehr zuversichtlich, weil sie von einer anhaltenden liquiditätsgetriebenen Aufwärtsbewegung ausgehen. Diejenigen aber, die auf die Ergebnisse schauen, dürften mittelfristig zwar optimistisch gestimmt sein, kurzfristig aber eher skeptisch, da sie in den kommenden Wochen keine positiven Quartalszahlen erwarten.”

Hinzu kommt die Bewertung der Standardwerte. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,4 auf Basis der erwarteten Gewinne hat der Dax auf Grundlage von Bloomberg-Daten die höchste Bewertung seit Ende 2009 erreicht. “Wir benötigen eine Verbesserung der Ergebnisse, damit der Markt neuen Schwung gewinnt”, sagte Saxinger. “Letztlich wird das auch geschehen, aber es braucht etwas Zeit. Zunächst wird es wohl zu einer Korrektur kommen.”

Analyst Andreas Hürkamp

„Steigende Bewertungen tragen die Börsenrally. Wenn die Unternehmensgewinne nach drei Jahren ohne Gewinnwachstum nicht bald wieder zulegen, dann drohen im ersten Halbjahr 2014 Rückschläge“, erklärte Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp.

Investor Kurt Björklung

Nach Einschätzung der europäischen Branchengröße Permira sollten sich Finanzinvestoren nicht von den günstigen Kreditkonditionen blenden lassen. „Nur weil man derzeit viel Geld leihen kann, ist es nicht unbedingt eine gute Idee, dies auch zu tun“, sagte Co-Chef Kurt Björklund. Das günstige Marktumfeld verlange ein großes Maß an Disziplin, um nicht die Bodenhaftung zu verlieren. Permira ist eine der größten europäischen Beteiligungsgesellschaften, die Konzerne wie Hugo Boss und ProSieben Sat1 in ihrem Portfolio hat.

Für einen späteren Einstieg in den Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik spricht nach Meinung der Commerzbank auch die zuletzt gefallene Teuerungsrate, die sich damit weiter vom Inflationsziel der Fed von zwei Prozent entfernt hat. „Deshalb halten wir es für etwas wahrscheinlicher, dass die Fed noch einmal zaudern und erst im März springen wird“, schreibt Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Dafür spricht der HSH Nordbank zufolge auch, dass die US-Wirtschaft zum Jahresausklang weniger schnell wachsen wird als im dritten Quartal. Experten fürchten wegen des „Shutdown“ der Regierung als Folge des Haushaltsstreits eine Konjunkturabkühlung zum Jahresende. Das politische Gerangel zwischen Republikanern und Demokraten mit der teilweisen Schließung der öffentlichen Verwaltung und dem Kompromiss in letzter Minute hatte die Anleger im Oktober umgetrieben.

Der Streit scheint nun erst einmal vom Tisch zu sein, da die Kongresskammer jüngst für den auf zwei Jahre angelegten Haushaltsplan stimmte. Zwar steht die Zustimmung des Repräsentantenhauses und des Senats noch aus, dies gilt aber als Formsache.

Trotz aller Vorbereitung birgt die erwartete Drosselung der für die Börsenrally maßgeblichen Liquidität die Gefahr von Kursrückschlägen. Sollte die Fed bereits im Dezember bei ihren Anleihekäufen aktiv werden, ist das Thema Jahresendrally an den Börsen abgehakt, vermutet etwa die Landesbank Berlin. Hält die Fed hingegen die Füße still, könnte sich der jüngste Abwärtstrend von Dax & Dow wieder umkehren. In der ablaufenden Börsenwoche verzeichnete der Dax bis Freitagnachmittag ein Minus von 1,5 Prozent, der Dow Jones verlor 1,7 Prozent.

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