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16.06.2012

13:06 Uhr

Dax-Ausblick

Hellas-Wahl lässt Anleger zittern

Die neue Börsenwoche steht im Zeichen der Griechenland-Wahl. Auch anstehende Konjunkturdaten werden davon überschattet. Denn egal wie der Urnengang am Sonntag ausgeht - an den Märkten wird es hoch hergehen.

Auch in Frankfurt blicken die Anleger gespannt  nach Athen. dapd

Auch in Frankfurt blicken die Anleger gespannt nach Athen.

Frankfurt/DüsseldorfErstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Dies gilt nach Einschätzung von Börsianern vor allem für die Griechenland-Wahl am Sonntag. Nur eines scheint im Vorfeld des Urnengangs der Griechen bereits klar: Egal wie das Votum ausfällt, das Wahlergebnis wird die Marktstimmung in der kommenden Woche entscheidend prägen.

„Es ist ja nicht so, dass wir ein Wahlergebnis haben und dann ist alles klar“, betont Anlagestratege Tobias Basse von der NordLB. Denn selbst bei einer deutlichen Mehrheit der Sparkurs-Befürworter um die konservative Neue Demokratie (ND) - das wäre wohl der von Anlegern mehrheitlich bevorzugte Wahlausgang - würden die Auflagen von EU und Internationalem Währungsfonds (IWF) sicher noch einmal nachverhandelt.

Instrumente bei Marktturbulenzen

Katastrophe unwahrscheinlich

Europa hält den Atem an: Vom Ausgang der Wahl in Griechenland hängt nicht nur die Zukunft des hoch verschuldeten Krisenlandes ab. Derzeit rechnet zwar kaum jemand mit dem absoluten Katastrophenszenario - die Griechen verabschieden sich vom Euro, die Troika stoppt die Hilfszahlungen und an den Börsen bricht die Panik aus. Doch welche Instrumente stünden für den Fall der Fälle zur Verfügung?

EZB

Die Währungshüter intervenieren seit dem Ausbruch der Finanzkrise regelmäßig als Krisenfeuerwehr. Sie senkten die Zinsen, um die Konjunktur anzukurbeln, kauften im großen Stil Staatsanleihen strauchelnder Euro-Staaten und pumpten Milliarden in den Geldkreislauf, indem sie Banken langfristig billig Geld liehen.

Starken Wechselkursschwankungen können Notenbanken zudem mit dem Kauf oder Verkauf von Devisen begegnen. Bei schweren Krisen wie nach der Lehman-Pleite 2008 schreiten die wichtigsten Notenbanken der Welt häufig gemeinsam ein.

Börsen

Die Aktienmärkte könnten zeitweise geschlossen werden, um einen Crash zu verhindern. Nach den Terroranschlägen vom 11. September blieben die Börsen an der New Yorker Wall Street für mehrere Tage geschlossen. Beobachter rechnen allerdings nicht damit, dass am Montag an den Märkten Panik ausbricht. Eine weitere Möglichkeit: Der Handel mit bestimmten Papieren - zum Beispiel Bank-Aktien - wird zeitweise ausgesetzt.

Kapitalverkehrskontrollen

Um zu verhindern, dass Griechen nach der Wahl große Summen an Euro ins Ausland in Sicherheit bringen, müssten möglicherweise die Grenzen für einige Zeit kontrolliert werden. Artikel 65 des Lissaboner Vertrages erlaubt Kapitalverkehrskontrollen für den Fall, dass die öffentliche Ordnung oder die öffentliche Sicherheit bedroht sind.

Banken

Das Bankensystem könnte ins Wanken geraten, falls die Sparer in Griechenland Geld im großen Stil abziehen. Um das zu verhindern, dürften Kunden an Geldautomaten wohl nur noch eine bestimmte Summe abheben. Die Banken müssten zeitweise geschlossen werden. Helfen kann auch - wie nach der Lehman-Pleite - eine Garantieerklärung der Politik, dass die Spareinlagen sicher sind.

Ähnlich sieht es auch Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „Sollten die beiden traditionellen Parteien ND und Pasok eine Mehrheit im Parlament bekommen, dürfte der Risikoappetit spürbar steigen. Die Rendite von zehnjährigen Bundesanleihen dürfte in einer ersten Reaktion wieder über die Marke von 1,6 Prozent steigen. Umgekehrt dürfte die Risikoscheu dominieren, wenn die radikale Syriza die stärkste Partei wird.“ In der alten Woche legte der Dax aufgrund von Spekulationen auf einen ND-Wahlsieg und der Aussicht auf eine konzertierte Aktion der Notenbanken ein knappes Prozent zu.

Andrew Bosomworth, Fondsmanager und Deutschland-Chef des Vermögensverwalters Pimco, betrachtet eventuelle Kursreaktionen auf den Urnengang als kurzfristiges Phänomen. „Egal, wie die Wahl ausgeht: Es bleibt die Frage nach der Fähigkeit des Landes, die Spar-Auflagen zu erfüllen.“

Nachdem die Hilfszusagen für Spanien nicht die erhoffte Entspannung gebracht haben und auch Italien immer mehr zum Sorgenstaat wird, spitzt sich die Schuldenkrise weiter zu. Dass als Folge der Euro noch nicht stärker unter Druck steht, hängt laut Krämer damit zusammen, dass der Devisenmarkt auf einen „glimpflichen“ Wahlausgang in Griechenland setzt. Aber, so der Chefvolkswirt der Commerzbank, wäre auch ein solches Ergebnis kein Grund zur Entwarnung. „Denn es zeichnet sich keine Lösung der Staatsschuldenkrise ab, was den Euro bald wieder stärker unter Druck bringen könnte.“

Kommentare (6)

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Kay

16.06.2012, 13:26 Uhr

Im-Notfall-koennte-Griechenland-selber-Euros-drucken !!!!

Bevor ihr weiter kommentiert, sollet ihr lieber erst einmal den heutigen Artikel der "Welt"lesen: http://www.welt.de/wirtschaft/article106609236/Im-Notfall-koennte-Griechenland-selber-Euros-drucken.html

wolle100

16.06.2012, 14:39 Uhr

Jede Aufregung ist überflüssig !
Die Griechen werden -egal wie der Wahlausgang ist- ein wenig rumeiern, viel lamentieren und dem Rest der Eurozone erklären, dass sie sich gnädigerweise entschließen könnten in der Eurozone zu bleiben, wenn, ja wenn die Vertrags-/Kredit-Bedingungen zum aberstenmal zu ihren Gunstengeändert würden.
Und unsere eigenen Politiker, führend aber die des Club Med inklusive Frankreich, werden dem erleichtert zustimmen. Sie werden weiter gebrochene Versprechen als sichere Wertanlage akzeptieren und uns Wählern als solche verkaufen und dafür mit Euros zahlen oder justitiable Garantien geben.

Account gelöscht!

16.06.2012, 15:26 Uhr

Am Montag dreht sich die Welt genau so weiter wie bisher. Genau wie am gestrigen Freitag, wo absolut nichts aufregendes passiert ist, entgegen der Erwartungen vieler hier im DAX-Forum wegen des großen Verfalltages. Es wird einen Sprung nach oben oder unten geben, und innerhalb einiger Stunden ist wieder alles normalisiert.
Kürzlich die 200Tage-Linie des Dax unterschritten, 6000 Punkte deutlich unterschritten. Was ist passiert? Nichts gravierendes, im Vergleich zu letztes Jahr im August-September

Verstehe nicht, warum sich so viele zu Panik verleiten lassen. Zugegebenermaßen betrachte ich die Sache aber auch nur passiv von der Seitenlinie. Jeder Tag biete neue Chancen in beide Richtungen und zwanghaftes Agieren tut selten gut.

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