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22.09.2012

09:24 Uhr

Dax-Ausblick

Leg dich nicht mit der Notenbank an!

Der Dax hat in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt. Droht jetzt der Absturz? Nein. Oder besser gesagt: noch nicht. Die Notenbanken halten die Rally mit billigem Geld am Laufen.

Der Dax liegt nicht mehr weit entfernt von der 7500-Punkte-Marke. dapd

Der Dax liegt nicht mehr weit entfernt von der 7500-Punkte-Marke.

Düsseldorf/FrankfurtDer Dax hat in den vergangenen drei Monaten gut 15 Prozent gewonnen - von 6.100 auf fast 7.500 Punkte. Selten zuvor hat der deutsche Leitindex in so kurzer Zeit so viel zugelegt. Und es sieht im Moment nicht danach aus, als drohe der Rally ein schnelles Ende. Schließlich lautet eine der Grundregeln an den Finanzmärkten: Leg dich nicht mit den Notenbanken an!

Weltweit überschwemmen die Zentralbanken die Märkte mit billigem Geld - damit die Welt nicht in eine Rezession abrutscht, und damit die Schuldenstaaten in Europa noch ein wenig länger über die Runden kommen. Vor fast genau drei Monaten kündigte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) an, dass er alles in seiner Macht stehende tun werde, um den Euro zu erhalten. Im Klartext hieß das: Die Notenbank wird im Notfall so viel Geld drucken wie nötig, um Anleihen zu kaufen, die sonst keiner mehr haben will. Inzwischen hat die EZB sogar offiziell erklärt, dass sie unter Umständen unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen kann.

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Die Notenbanken der USA und Japans wollen dem in nichts nachstehen. Auch sie wollen großzügige Anleihekaufprogramme auflegen. Ob das sinnvoll oder auch gesund ist, sei einmal dahingestellt. Fakt ist: Das Geld muss irgendwo hin, aber zumindest ein Teil kommt nicht in der Realwirtschaft an, sondern versickert an den Finanzmärkten. Dort treibt es die Kurse von Aktien, Anleihen oder Rohstoffen. Es wäre töricht, dagegen zu spekulieren. Die Kritiker, die davor warnen, dass die Notenbanken gigantische Vermögensblasen aufblähen, haben deshalb nicht unrecht. Noch ist es aber zu früh, um auf den großen Crash zu wetten.

Nichtsdestotrotz wird die Schuldenkrise nicht so schnell aus den Schlagzeilen verschwinden. Die Europäische Zentralbank kann zwar die Zinsen drücken, so dass die ohnehin schon hochverschuldeten Staaten noch mehr Schulden machen können. Die Renditen italienischer und spanischer zehnjähriger Staatsanleihen haben seit August mehr als einen Prozentpunkt verloren. Ob gleichzeitig aber die Politik die nötigen Reformen angeht, ist eine ganz andere Frage.

IWF-Chefin Christine Lagarde sagte in Washington, die Euro-Staatsschuldenkrise sei derzeit die größte Gefahr für die Weltwirtschaft. Mit der Umsetzung der beschlossenen Reformmaßnahmen im Euro-Raum und einer Klärung der Frage, wie Europa in Zukunft aussehen soll, müsse dringlichst die Krisenlösung angegangen werden. forderte die Europäer zu einer "raschen und mutigen" Vertiefung der Integration auf, wobei die Reformschritte aber demokratisch legitimiert werden müssten. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet forderte die Nationalstaaten müssten Eingriffe in ihre Etatsouveränität zulassen, um Vertrauen zurückzugewinnen. Notfalls müssten Regelverletzer ihre Haushalte etwa einer europäischen Genehmigungspflicht unterwerfen.

Die Bereitschaft dazu scheint jedoch nicht sonderlich ausgeprägt zu sein. Obwohl der italienische Ministerpräsident Mario Monti Reformen befürwortet, hielt ihn die vorgesehene Selbstverpflichtung auf harsche Kontrollen und Sparplänen ebenso wie seinen spanischen Amtskollegen Mariano Rajoy bislang davon ab, einen Hilfsantrag zu stellen.

"Keine Nation wird freiwillig, selbst wenn es rational gerechtfertigt wäre, zu einer internationalen Organisation gehen und sagen -'Ich gebe meine nationale Souveränität auf'”, sagte der italienische Unterfinanzsekretär Gianfranco Polillo. "Ich schließe das für Italien und jedes andere Land aus."

Kommentare (11)

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Eddie

22.09.2012, 10:12 Uhr

"Obwohl der italienische Ministerpräsident Mario Monti Reformen befürwortet, hielt ihn die vorgesehene Selbstverpflichtung auf harsche Kontrollen und Sparplänen (...) bislang davon ab, einen Hilfsantrag zu stellen." So ein Unsinn. Wieso sollte Italien einen Hilfsantrag stellen? Weil das HB das so will oder um den Anti-EUR-Spekulanten einen Gefallen zu tun? Italien ist (wie immer schon) hoch verschuldet (aber nicht ueberschuldet), kann jedoch ohne Hilfen seine Schulden bedienen und sich am Bond-Markt wieder zu vernuenftigen Konditionen refinanzieren. Ausserdem hat Monti bereits diverse Massnahmen zur Defizitbekaempfung durchgefuehrt, die Steuereinnahmen sind bereits stark gestiegen, Italien hat einen Primaer-Ueberschuss. Setzen, 6!!!

Stula

22.09.2012, 10:20 Uhr

Wenn es dann wieder ans Aufräumen geht, will es wie immer keiner gewesen sein.

Stula

22.09.2012, 10:39 Uhr

Was nützt aber der Primärüberschuss, wenn die Zinseslast höher ist?

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