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14.04.2013

19:01 Uhr

Dax-Ausblick

Notenbanken federn Unsicherheiten ab

Die Notenbanken stabilisieren mit ihren Anleihekäufen zwar die Märkte, mit kurzfristigen Rückschlägen müssen Anleger nächste Woche dennoch rechnen. Vor allem der Korea-Konflikt und die US-Bilanzsaison machen Sorgen.

Zwei kleine Plastikbullen in der Börse Frankfurt, Symbole für eine gute Börsenentwicklung: Analysten rechnen nur mit kleinen Rückschlägen in der kommenden Woche. dpa

Zwei kleine Plastikbullen in der Börse Frankfurt, Symbole für eine gute Börsenentwicklung: Analysten rechnen nur mit kleinen Rückschlägen in der kommenden Woche.

FrankfurtKonjunkturunsicherheit, Euro-Krise, Korea-Konflikt - die Schlagzeilen, die derzeit die Nachrichten beherrschen, machen alles andere als gute Laune. Der Dax steigt trotzdem - in der abgelaufenen Woche um 1,1 Prozent auf 7774 Zähler. Und auch in der neuen Woche sehen Marktbeobachter kein größeres Rückschlagspotenzial für den deutschen Aktienmarkt. „Die weit geöffneten Geldschleusen der Notenbanken dürften den Leitindex tendenziell weiter stützen“, sagt Tobias Basse, Aktienstratege der NordLB.

In den USA, Japan und Großbritannien stabilisieren die Notenbanken mit dem Ankauf von Staatsanleihen seit geraumer Zeit die Märkte. Vor allem die japanische Notenbank hatte zuletzt keinen Zweifel daran gelassen, dass die Märkte mit einer anhaltenden Geldschwemme rechnen können. Bei der US-Notenbank Fed mehren sich inzwischen zwar die Stimmen, die einen baldigen Ausstieg aus dem milliardenschweren Anleihenkaufprogramm fordern. „Aber selbst wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, wird die Fed dabei sehr vorsichtig und marktschonend vorgehen“, sagt Basse.

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Auch wenn der Aufwärtstrend im Dax intakt scheint, mit - zumindest kurzfristigen - Rücksetzern müssen Anleger in der neuen Woche allerdings rechnen, meinen Börsianer. Vor allem, wenn sich der Korea-Konflikt weiter zuspitzen sollte. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel wird immer angespannter seit einem Atomtest Nordkoreas Ende Februar und der Drohung der kommunistischen Führung mit einem Atomschlag gegen die USA. Die Vereinigten Staaten haben mit der Verlegung von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen in die Region reagiert.

Aber auch in der Euro-Krise sei keine Ruhe absehbar, heißt es in einem Kommentar der Landesbank Berlin. Erst in der abgelaufenen Woche sorgte Zypern für Wirbel, weil das Finanzloch des klammen Insel-Staates mit 23 Milliarden Euro nun etwa sechs Milliarden Euro größer ausfällt als zunächst gedacht.

Kommentare (8)

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Karlfred

13.04.2013, 09:01 Uhr

Und die gehirngewaschenen und naiven Menschen schauen diesem Treiben weiter zu.....


Fürchte nicht deine Feinde. Das schlimmste was sie dir tun können ist dich zu töten. Fürchte nicht deine Freunde. Das schlimmste was sie dir tun können ist dich zu verraten. Fürchte die Gleichgültigen. Denn ihr Schweigen ermöglicht Verrat und Mord.

pool

13.04.2013, 09:49 Uhr

Der vorletzte G8-Gipfelgipfel postulierte den Kampf gegen die Deflation. Der habe Priorität.
In den verzahnten Volkswirtschaften haben zwei Indikatoren gekreuzt. Untersucht man oberflächlich die deutsche Wirtschaft, sind wir mitten drinnen im Sozialhilfeparadies. ALLE kassieren ab, da sind nicht nur die "bezahlten Konsumenten", da sind Maßnahme-Dienstleister, Vermieter, Supermärkte, GEZ, Brüssel - der gesamte Konsumbereich ist abhängig. Sozialdumping hat den negativen Effekt des Aufstockens. Aber auch Banker sind Sozialhilfeempfänger, Aktionäre, versteckt hinter systemrelevant: "Rettungspakte", "Target2" usw. - die sollen endlich arbeiten gehen! Faule Säcke!
Was ist Dir der Wohnraum wert? Würde das Geld für die Arbeitslosigkeit um 20% gekürzt, schlüge das zurück auf alle, Supermärkte, Vermieter, das löste eine Kettenreaktion aus; der Eurospuk wäre augenblicklich vorbei. 20%, Pi mal Daumen 400 Mill. Euro je Monat, die dem Konsum entgingen.
Geld sollte man in Zigaretten anlegen, Schnaps, das sind gute Handelswaren für den Naturalienmarkt. Kein Gold, das ist industriell wertlos, so teuer wegen der hohen Förderkosten. Sinnlose Arbeit. Das gehört in den Wilden Westen, Postkutschüberfälle, Fort Knox, Jesse James.

Angelika

13.04.2013, 11:55 Uhr

So läufts in Zypern. Interview mit Vladimir Putin auf Phönix, letzten Sonntag. Ab Minute 17.35 und 20.30 wirds interessant.

http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/ereignisse/vor_ort:_putin_gespraech/668453?datum=2013-04-07

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