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21.09.2013

16:37 Uhr

Dax-Ausblick

Nur was die Federal Reserve macht, zählt!

In Deutschland wird am Sonntag gewählt. An den Börsen ein Nebenthema. Denn seit die Fed die Drosselung des Anleihekaufprogramms verschoben hat, haben die Anleger nur noch die Notenbank im Blick – und das bleibt auch so.

Händler in Frankfurt hatten am Donnerstag gut Lachen. Der Dax erreichte einen neuen Rekordstand. Doch ab jetzt fängt wieder das Zittern an. Alles hängt von der Federal Reserve ab. dpa

Händler in Frankfurt hatten am Donnerstag gut Lachen. Der Dax erreichte einen neuen Rekordstand. Doch ab jetzt fängt wieder das Zittern an. Alles hängt von der Federal Reserve ab.

FrankfurtStell dir vor am Sonntag wird gewählt und keiner sieht hin. So könnte man die Wichtigkeit der bevorstehenden Bundestagswahlen für die Finanzmärkte beschreiben. Denn es ist davon auszugehen, dass ein Regierungswechsel ausbleibt. Die Konstellationen, die sich nach den Wahlen ergeben werden, dürften ebenfalls kaum relevant sein.

Egal, welche Konstellation sich durchsetze, zeichne sich ein weiterhin europafreundlicher Kurs ab, begründet Analyst Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors diese Einschätzung. „Es scheint nur die Frage zu sein, ob der Zug in Richtung Lösung der Euro-Schuldenkrise mit mehr oder mit weniger deutschen Vorbehalten fährt.“ Die größten Veränderungen nach der Wahl könnten sich nach Einschätzung von Marktexperten für den Energie- und den Finanzsektor ergeben. „Da könnten denn auch die Kurse am meisten ausschlagen“, sagte ein Händler.

Allerdings teilen nicht alle Experten diese Sichtweise. Die Landesbank Berlin hält kurzzeitige Schwankungen beim Dax für möglich, da ein Einzug der FDP und der Anti-Euro-Partei AfD offen ist.

Die Commerzbank geht sogar weiter. Ihrer Ansicht nach könnten sich die Wahlen negativ auf die Devisenmärkte auswirken. „Wenn die Alternative für Deutschland (AfD) ins Parlament einzieht, wäre es also nicht ganz unlogisch, wenn der Devisenmarkt den Einzug mit Euro-Verlusten quittieren würde.“

Was man von solchen Einschätzungen halten soll, bleibt jedem selbst überlassen. Nur so viel: Ohne Regierungswechsel dürfte sich der Euro-Kurs Deutschlands nicht ein Jota ändern – AfD im Parlament hin oder her.

Federal Reserve bleibt der Taktgeber der Finanzmärkte

Wirklich ausschlaggebende Signale für die Börsen kommen nicht von hier, sondern aus den USA. Konkret ist und bleibt die Federal Reserve der Impulsgeber schlechthin für die Finanzmärkte. Das hat der Dax in der vergangenen Handelswoche eindrucksvoll gezeigt. Zunächst erklomm er neue Rekordhöhen, nachdem bekannt wurde, dass Janet Yellen die Nachfolge Ben Bernankes antreten könnte. Sie gilt wie Bernanke als Verfechterin der lockeren Geldpolitik.

Die Gewinner und Verlierer der Fed-Entscheidung

Immobilienfinanzierung

Verlierer: Alle, die in den vergangenen zwei Wochen eine Immobilienfinanzierung abgeschlossen haben: Der Zins für eine 30-jährige Hypotheken-Anleihe des Immobilienfinanzierers Fannie Mae lag zeitweise bei vier Prozent. Nach der Fed-Entscheidung fiel er auf 3,35 Prozent. Das signalisiert, dass die Zinskosten für langfristige Finanzierungen zum Wohnungs- oder Häuserkauf fallen dürften.

Dollar

Verlierer: Er fiel so stark wie seit drei Monaten nicht mehr, und das gleich gegen einen ganzen Korb von anderen Währungen. Der Greenback war deshalb so billig wie seit Februar nicht mehr. Investoren hatten sich seit Wochen darauf eingestellt, dass die Fed deutlich weniger Geld in den Markt pumpen und absehbar eine Zinswende einleiten wird. Höhere Zinsen würden auch eine höhere Rendite für den Dollar nach sich ziehen.

Anleihen

Verlierer: Anleihe-Investoren - zumindest die, die Fed-Chef Ben Bernanke beim Wort genommen und auf einen Einstieg in den Ausstieg der extrem lockeren Geldpolitik gesetzt hatten. Allein in der vergangenen Woche wurden 85.000 Future-Kontrakte für zehnjährige US-Staatsanleihen auf "Verkaufen" gestellt, weil die Anleger mit fallenden Kursen rechneten. Doch das Gegenteil passierte: Der Kurs kletterte wegen der überraschenden Fed-Entscheidung.

Gold

Gewinner: Der Preis für das Edelmetall stieg um 4,2 Prozent. Noch stärker legten die Kurse der Bergwerksbetreiber zu. Der Nyse Arca GoldMiners Index kletterte um 9,2 Prozent. Börsengehandelte Fonds (ETF) verzeichneten noch größere Gewinne: Der Direxion Daily Gold Miners Bull 3x fund stieg um 27,5 Prozent, wobei 9,6 Millionen Papiere gehandelt worden - so viele wie noch nie. Der Kurs für das als sicherer Anlagehafen genutzte Edelmetall war zuvor in diesem Jahr um rund 20 Prozent gefallen, da Anleger auf ein Ende der Geldflut spekuliert hatten.

Euro

Gewinner: Er kletterte auf 1,3555 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit siebeneinhalb Monaten. Die Gemeinschaftswährung gewann mehr als ein Prozent zum Yen und kostete 133,985 Yen, damit ist er so teuer wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Angesichts der anhaltend lockeren Fed-Geldpolitik fragen Investoren riskantere Anlagen nach und stoßen als sichere Häfen geltende Investments wie den Yen ab.

US-Häuslebauer

Gewinner: Die stark gefallenen Zinsen versprechen Rückenwind für Bauherren, die ihre Immobilien mit Krediten finanzieren. Die Papiere des Projektentwicklers D.R. Horton gewannen 6,9 Prozent und die von KB Home 8,2 Prozent, weil Investoren mit steigenden Aufträgen rechnen.

William Shatner, besser bekannt als "Captain Kirk"

Gewinner: Noch nie in der langen Geschichte des S&P-500-Indexes ist eine einzelne Aktie 1000 Dollar oder mehr wert gewesen. Der Reise-Anbieter Priceline.com - der in seinen Anzeigen mit dem "Star Trek"-Darsteller Shatner wirbt - könnte diese Marke nun knacken. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 995,09 Dollar.

Am Mittwochabend folgte dann der nächste Jubel. Es trat ein, womit keiner gerechnet hat. Anstatt die Anleihekäufe zu drosseln, sicherte der Fed-Chef den Märkten die Fortsetzung des „quantitative easing“ zu. Für den Dax gab es danach kein Halten mehr. Am Donnerstag stürmte er auf ein Allzeithoch von 8770 Punkten.

Bernanke begründete seinen überraschenden Kurswechsel mit der Entwicklung der US-Konjunktur. Er und einige andere Notenbanker sehen noch Verbesserungspotenzial und befürchten eine Ausbremsung des holpernden Erholungskurses der US-Wirtschaft, würden die Anleihekäufe bereits jetzt reduziert werden.

Damit rücken in der kommenden Woche vor allem die US-Wirtschaftsdaten in den Mittelpunkt der Finanzmärkte. Unter anderem werden am Dienstag das US-Verbrauchervertrauen, am Mittwoch die Auftragseingänge langlebiger Güter und am Donnerstag das US-Bruttoinlandsprodukt für das zweite Quartal sowie die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht. Diese und weitere Kennzahlen werden Händler und Anleger als Orientierungshilfe für die weitere Fed-Geldpolitik nutzen können.

Kommentare (2)

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Observer

21.09.2013, 18:40 Uhr

Seit 2008 haben die Boersenkurse absolut nichts mehr mit der Wirtschaft zu tun, sondern sind ausschliesslich ueber die Politikdarsteller von der Finanzmaffia gesteuert. Ist ja auch nicht verwunderlich, wenn rd. 700 Billionen als Spielgeld eingesetzt ist, was nur einen kleinen Bruchteil dessen was in der Realwirtschaft im Umlauf ist, entspricht!

Ludwig500

21.09.2013, 19:55 Uhr

Analyst Hans-Jörg Naumer:

„Es scheint nur die Frage zu sein, ob der Zug in Richtung Lösung der Euro-Schuldenkrise mit mehr oder mit weniger deutschen Vorbehalten fährt.“

Was für eine Flachpfeife. "Lösung" ???

Ja, wenn die Lösung so aussieht, dass alle Risiken in die Zukunft verschoben und letzten Endes von der Allgemeinheit getragen werden.

Das ist die gleiche "Lösung" wie die eines abgebrannten Halunken, der es mal wieder mit einem Kettenbrief versucht, und natürlich mit seinen guten Freunden auf den oberen Rängen der Liste steht. Mit dem einzigen Unterschied, dass Kettenbriefe verboten und die Eurorettung angeblich alternativlos ist.

Ich habe diese Finanzaffen sowas von satt...

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