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22.07.2017

12:28 Uhr

Dax-Ausblick

Sommergewitter drohen

VonAndrea Cünnen

Der Dax ist auf den tiefsten Stand seit drei Monaten gefallen. Anleger rechnen mit weiteren Turbulenzen. Als einen der „Schuldigen“ dafür machen sie den deutlich gestiegenen Euro aus.

Auch am Aktienmarkt fürchten Anleger Turbulenzen. dpa

Unwetter über Frankfurt

Auch am Aktienmarkt fürchten Anleger Turbulenzen.

FrankfurtDes einen Freud, des andern Leid. Der Höhenflug des Euros hat in der vergangenen Woche vielen europäischen exportorientierten Aktien heftig zugesetzt. Der Dax beendete die Woche unter dem Strich mit einem Verlust von gut drei Prozent. Dabei ging es allein am Freitag um 1,7 Prozent nach unten. Mit dem Stand von 12.240 Punkten notiert der Dax so niedrig wie zuletzt vor drei Monaten. Und auch in die kommende Woche blicken Börsianer eher vorsichtig. „Die Agenda der kommenden Woche bietet viel Stoff für eine wieder steigende Volatilität an den Finanzmärkten“, heißt es etwa bei der Privatbank Merck Finck.

Dabei zeigten sich viele Analysten über den jüngsten Aufschwung des Euros überrascht. Die europäische Gemeinschaftswährung war nach der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag über die Marke von 1,16 Dollar gestiegen und notierte am Freitag mit in der Spitze 1,1679 Dollar so hoch wie zuletzt im August 2015. Erstaunlich ist dies, weil EZB-Präsident Mario Draghi den „Ausstiegsbammel“ gebremst hatte, wie es Alexander Krüger, Chefvolkswirt beim Bankhaus Lampe ausdrückt.

Die EZB hatte entgegen der Erwartungen vieler Investoren in ihrem Eingangsstatement der Ratssitzung den Passus, dass das Anleihekaufprogramm bei Bedarf bezüglich Dauer und/oder Volumen ausgeweitet werden könne, behalten. Damit dämmte Draghi die Erwartungen, dass die EZB bei ihrer Sitzung im September den Ausstieg aus den Anleihekäufen der Notenbank verkündet. Die Kurse an den Anleihemärkten stiegen darauf hin etwas, im Gegenzug sanken die Renditen. So rentierte die zehnjährige deutsche Bundesanleihe zuletzt mit 0,51 Prozent und damit immerhin zehn Basispunkte (0,1 Prozentpunkte) niedriger als zu Wochenbeginn.

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Doch auch wenn etwas Zeit gewonnen ist, zweifeln Investoren nicht daran, dass die EZB im nächsten Jahr ihre Anleihekäufe zurückfahren wird. Für den Euro reichte diese Einschätzung offenbar für weitere Gewinne. Dabei ist die Euro-Stärke aber zugleich eine Dollar-Schwäche. Viele Investoren haben die Hoffnung aufgegeben, dass der US-Präsident seine Wirtschaftspläne umsetzen kann, da er Anfang der Woche nicht einmal genug Stimmen aus den eigenen republikanischen Reihen für den Entwurf seines Krankenversicherungsgesetztes „Trumpcare“ zusammenbekam.

Bereits dies hatte den Euro die Marke von 1,15 Dollar überwinden lassen. „Die Devisenmärkte reagieren am schnellsten auf politische Entwicklungen“, sagt dazu Dirk Aufderheide, Währungschef bei der Deutschen Asset Management mit Blick auf die Tatsache, dass der US-Aktienmarkt trotz der Enttäuschung über Trump zuletzt neue Rekordhochs erklommen hat.

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„Die EZB-Weigerung wird zunehmend dogmatisch“

EZB-Präsident Mario Draghi bekräftigt in der Pressekonferenz nach dem Zinsentscheid alte Formulierungen. Erst im Herbst will er über Anleihenkäufe diskutieren. Die Entscheidung stößt bei Ökonomen auf Unverständnis.

Doch der starke Euro schlägt jetzt an den hiesigen Aktienmärkten zurück. Die Marge von Firmen, die größtenteils im Euro-Raum produzieren, wird durch den festeren Euro schließlich geschmälert. Gleichzeitig werden die Waren der auf den Export fokussierten Unternehmen bei einem steigenden Euro im Welthandel weniger wettbewerbsfähig.

Kommentare (1)

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Herr Michael Peter

24.07.2017, 11:01 Uhr

Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, werden die Verbraucher weiter verunsichert und wahrscheinlich auf ihren "Verlusten" sitzenbleiben. Noch weit dramatischer könnte es aber die Arbeitnehmer der Autokonzerne treffen. Sie würden die negative Folgen einer Krise mit Einkommensverlusten und schlimmstenfalls mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes bezahlen.
Die Verantwortlichen mit ihren völlig ungerechtfertigten Millionengehältern wären zumindest finanziell "aus dem Schneider".

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