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02.03.2013

17:49 Uhr

Dax-Ausblick

Spiel mir das Lied der Notenbanken

In der neuen Börsenwoche werden die Notenbanken wieder den Takt angeben. Laut Analysten wird die Geldflut anhalten und ihren weg in Aktien finden. Doch man sollte seine Rechnung nicht ohne die Politik machen.

Frankfurter Börsenparkett. Die Notenbanken werden in der neuen Woche die Kurse stützen. Reuters

Frankfurter Börsenparkett. Die Notenbanken werden in der neuen Woche die Kurse stützen.

Frankfurt/DüsseldorfDie Notenbanken werden in der neuen Börsenwoche den Takt vorgeben. Die Geldschleusen bleiben offen, wird die Botschaft von EZB-Chef Mario Draghi nach Meinung von Marktteilnehmern lauten. Das dürfte dem Dax Rückenwind geben.

„Das Grundszenario für Aktien bleibt positiv: die Notenbanken werden ihren Kurs der expansiven Geldpolitik wohl bestätigen, das billige Geld sucht sich Anlagemöglichkeiten und da gibt es zu Aktien zur Zeit kaum Alternativen“, sagt Kapitalmarktanalyst Stefan Scheurer von Allianz Global Investors.

Italien und die Folgen

Wie sieht die Börsen-Bilanz nach dieser vergangenen Woche aus?

Anders als viele Beobachter gedacht haben, rauschte der Dax nicht dauerhaft in den Keller, sondern erholte sich nach dem ersten Schock über das Wahlergebnis in Italien wieder. Zwar verlor der wichtigste deutsche Aktienindex zum Wochenausklang etwas an Boden, fuhr aber auf Wochensicht ungeachtet der Turbulenzen in Rom ein Plus von 0,60 Prozent ein.

Warum verhalten sich die Börse so widersinnig?

Hier könnte einmal mehr eine alte Börsenweisheit zum Verständnis beitragen: „Politische Börsen haben kurze Beine.“ Diese Regel dürfte sich abermals bewahrheitet haben. „Letztlich wird es eine neue Regierung geben, wenngleich Zweifel bestehen, ob diese die längerfristigen Probleme der italienischen Wirtschaft lösen wird“, heißt es im Wochenausblick der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die aber auch gleich hinterherschickt: „Aber welche Regierung Italiens war damit schon erfolgreich?“

Die Ratingagenturen haben sich wieder zu Wort gemeldet...

So ganz ohne Risiko ist die Lage in Italien nicht: Große Unsicherheit bei der Regierungsbildung in dem Euro-Krisenland galt schon im Vorfeld als Gift für die Märkte. Schließlich droht Rom von dem unter dem bisherigen Regierungschef Mario Monti eingeschlagenen Spar- und Reformkurs abzukommen. Da war es nicht allzu verwunderlich, dass sich nach der Auszählung der Stimmen auch gleich wieder die Bonitätswächter der Ratingagenturen zu Wort meldeten. So erwägt Moody's, die Kreditwürdigkeit des Landes weiter herabzustufen. Das Wahl-Patt zwischen den Bündnissen von Mitte-Links und Mitte-Rechts erhöhe die politische Ungewissheit, argumentierte die Agentur.

Was ist für die nächsten Wochen zu erwarten?

Die Regierungsbildung wird angesichts des politischen Patts schwierig - eine längere Hängepartie droht. Die Commerzbank erwartet daher auch keine schnelle und nachhaltige Entspannung an den Anleihe- und Devisenmärkten. In den kommenden Wochen wollen sich die Euro-Krisenländer Spanien und Italien am Anleihemarkt frisches Geld besorgen. Bereits am Mittwoch musste Rom für frisches Kapital schlagartig wieder mehr Zinsen bezahlen. Auch der Euro geriet nach der Italien-Wahl unter Druck. „Wer mit einem schnellen Abklingen der Unsicherheit gerechnet hatte, wurde bisher enttäuscht“, meinen die Commerzbank-Ökonomen.

Greift die EZB ein?

Sollte Rom heftig ins Kreuzfeuer der Finanzmärkte geraten, müsste die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Italiener Mario Draghi an der Spitze eigentlich zum Kriseneinsatz ausrücken. Die EZB könnte mit dem Kauf von Staatsanleihen für Entlastung sorgen, doch die Währungshüter haben die Latte dafür selbst hoch gelegt: Erst wenn ein Land einen Hilfsantrag beim Euro-Rettungsfonds ESM stellt und somit politische Reformauflagen akzeptiert, wäre die EZB prinzipiell bereit zum Kauf von Bonds des betreffenden Staates.

An den Nerven der Investoren zerren allerdings die politischen Unsicherheiten nach der Italien-Wahl. Das dürfte mögliche Gewinne am deutschen Aktienmarkt nach Einschätzung von Scheurer begrenzen.

Beruhigungspille von der EZB

Die Commerzbank-Volkswirte sind trotz dieser Risiken der Meinung, dass die Anleger sich von der bloßen Existenz des EZB-Anleihekaufprogrammes weiter beruhigen lassen. Denn: „Die EZB hat tiefe Taschen“, schreiben die Analysten. Sie könne unendlich viele Mittel schaffen, um Staatsanleihen zu kaufen und die Finanzmärkte damit zu stabilisieren.

„Anleger stellen sich ungern gegen einen solchen Marktteilnehmer, zumal die EZB Schützenhilfe erhält von den Finanzministern der Peripherieländer, die wohl nach wie vor Druck ausüben auf die von ihnen regulierten Banken, Versicherungen und Pensionsfonds, die eigenen Staatsanleihen zu kaufen.“

Die Ratings der Euro-Länder

Belgien

S&P Rating: AA
Ausblick: Negativ
Moody's Rating: Aa3
Ausblick: Negativ
Fitch Rating: AA
Ausblick: Stabil

Deutschland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Estland

S&P Rating: AA-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A1
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Finnland

S&P Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Frankreich

S&P Rating: AA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aa1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Griechenland

S&P Rating: B-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Caa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: B
Ausblick: Stabil

Irland

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Italien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Baa2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Luxemburg

S&P Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Malta

S&P Rating: BBB+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A3
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Niederlande

S&P Rating: AA+
Ausblick: Negativ

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Negativ

Österreich

S&P Rating: AA+
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Aaa
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: AAA
Ausblick: Stabil

Portugal

S&P Rating: BB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba2
Ausblick: Positiv

Fitch Rating: BB+
Ausblick: Negativ

Slowakei

S&P Rating: A
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: A2
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: A+
Ausblick: Stabil

Slowenien

S&P Rating: A-
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Ba1
Ausblick: Negativ

Fitch Rating: BBB+
Ausblick: Negativ

Spanien

S&P Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Moody's Rating: Baa3
Ausblick: Stabil

Fitch Rating: BBB
Ausblick: Stabil

Zypern

S&P Rating: B
Ausblick: Positiv

Moody's Rating: Caa3

Ausblick: Negativ

Fitch Rating: B-

Ausblick: Stabil

Draghi hatte zuletzt deutlich gemacht, dass die EZB weit davon entfernt sei, an eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik zu denken. Am Donnerstag entscheidet die Europäische Zentralbank (EZB) über ihren Leitzins, Experten erwarten keine Änderung des historisch niedrigen Satzes von 0,75 Prozent. Auch die Notenbanker in Japan und England treffen sich am Donnerstag.

„Großen Spielraum die Daumenschrauben wieder anzuziehen hat Mario Draghi nicht. Zweifel an seinem Versprechen alles zu tun, um die Währungsunion zu retten, dürfen unter keinen Umständen aufkommen, da sonst ein Anstieg der Risikoprämien droht.“, schreibt Ulf Krauss von der Helaba in seinem Wochenausblick.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

02.03.2013, 18:10 Uhr

Keine Ahnung, ob das irgendwen interessiert, aber Italien hat inzwischen 127% Bruttostaatsverschuldung, gemessen am BIP.
Wie wollen die da wieder herunterkommen? Mit Beppo auf dem Clownfahrrad?
Die italienische Autoindustrie, ein Kernsegment für Wertschöpfung und Beschäftigung, ist verdampft, auf das Niveau von 1958 (s. "Querschuesse"). Werksauslastung nur noch um die 40%, absolut nicht mehr kostendeckend.
Aber klar, gleich montag früh um 9, ach quatsch, gleich Sonntag auf der israelischen Börse, stecke ich alles in den EuroStoxx, lol.

Stinksauer

02.03.2013, 18:38 Uhr

Könnte der Irrsinn mit dem billigen Geld bitte endlich aufhören? Ich habe nämlich überhaupt keine Lust, halb Europa durch eine gewaltige Inflation, die eigentlich nur noch eine Frage der Zeit ist, zu entschulden. Danke!

Account gelöscht!

02.03.2013, 19:33 Uhr

Glaubst du doch selber nicht, dass diese deine Interessen an Bürger, Sparer und Wähler ertreten, oder? Also wird auch deine Bitte nutzlos sein. Daher musst du dich wehren. Kauf Silber und Gold.

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