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14.07.2012

08:26 Uhr

Dax-Ausblick

Wenn Analysten irren

VonJörg Hackhausen

Die Euro-Krise spitzt sich zu, der US-Arbeitsmarkt kommt nicht in die Gänge, Chinas Wachstum schwächelt. Trotzdem überbieten sich die Analysten mit Kaufempfehlungen für Aktien. Das sollte Anleger nachdenklich stimmen.

Händler an der Börse in Frankfurt: Der Dax hält sich noch vergleichsweise gut. dapd

Händler an der Börse in Frankfurt: Der Dax hält sich noch vergleichsweise gut.

DüsseldorfImmer dann, wenn Analysten besonders optimistisch sind, sollten Anleger besonders vorsichtig sein. In der Vergangenheit haben sich die Einschätzungen der Experten oft als Kontraindikator erwiesen. Das könnte auch diesmal wieder der Fall sein. Die Kaufempfehlungen der Analysten lassen sich kaum mit der Realität vereinbaren.

In den USA haben Analysten für die Aktien im S&P 500 so viele Kaufempfehlungen vergeben wie nie zuvor. Bei insgesamt 247 der 500 Papiere im US-Index liegen mehr Kaufempfehlungen als Verkauf- und Halte-Empfehlungen zusammen vor. Das ist der höchste Wert seitdem der Datenanbieter Bloomberg im Jahr 2000 mit der Aufzeichnung dieser Daten begann. Gleichzeitig haben dieselben Analysten die Gewinnschätzungen für die Unternehmen im Schnitt deutlich gesenkt. Wie das mit der steigenden Zahl an Kaufempfehlungen zusammenpasst, bleibt ein Rätsel.

Auch für deutsche Aktien sind die meisten Analysten optimistisch. Die Experten der Commerzbank schreiben: "Trotz der sich abzeichnenden Abwärtsrevisionen bei den Gewinnerwartungen während der anstehenden Berichtssaison dürfte sich der Dax in den kommenden Wochen weiterhin seitwärts bewegen. Denn in der relativ niedrigen Bewertung auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses ist das schwache konjunkturelle Umfeld zumindest teilweise bereits eingepreist."

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Seit Mitte März ist der Dax um satte 1000 Punkte abgerutscht. Und die Talfahrt dürfte weiter gehen. Bei vielen Unternehmen schmilzt der Gewinn. Dennoch gibt es Aktien, bei denen der Einstieg lohnt.

Die Aktienmärkte sehen zwar - gemessen an den Gewinnkennziffern - günstig bewertet aus. Außerdem bleiben den Anlegern angesichts niedriger Zinsen kaum Alternativen zu Aktien. Dennoch könnten sich die Annahmen schnell als zu optimistisch herausstellen. Das sehen inzwischen manche Analysten selbst so: "Während die Konjunktur weltweit lahmt oder – wie im Euroraum – sogar in die Rezession abdriftet, schreiben die Analysten auf Marktebene weiterhin zweistellige Gewinnzuwachsraten für die Jahre 2013 und 2014 fort. Wir halten diese Annahmen für zu optimistisch und rechnen spätestens ab dem dritten Quartal mit Gewinnrevisionen", heißt es in einem Kommentar der DZ Bank.

Die Euro-Krise dürfte schon bald auf die deutschen Unternehmen durchschlagen. Für die Dax-Unternehmen ist Europa immer noch der wichtigste Markt - sie erzielen 60 Prozent ihres Ertrags in Europa, bei den Firmen aus dem MDax sind es sogar 72 Prozent. Die fallenden Frühindikatoren wie die Ifo-Geschäftserwartungen und der Einkaufsmanagerindex zeigen bereits an, dass die Unternehmen künftig weniger verdienen werden. Der am Dienstag zur Veröffentlichung anstehende ZEW-Index könnte das bestätigen.

An den Anleihemärkten lässt sich bereits deutlich ablesen, dass die Euphorie nach dem Euro-Gipfel verpufft ist. Die Risikoaufschläge für die Schuldenstaaten steigen schon wieder. Eine Reihe von Anleiheauktionen stehen in der kommenden Woche auf dem Programm. Deutschland, Frankreich und Spanien wollen Anleihen in einem Volumen von rund zehn Milliarden Euro platzieren. Am Mittwoch werden die Investoren bei zweijährigen Nullkupon-Schatzanweisungen wahrscheinlich wieder negative Renditen in Kauf nehmen. Das von der Finanzagentur angepeilte Volumen liegt bei fünf Milliarden Euro. Frankreich und Spanien wollen am Donnerstag an den Markt gehen. Dabei dürfte es nur um kleine Aufstockungen für insgesamt zwei bis drei Milliarden Euro gehen.

Kommentare (36)

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Ludwig500

14.07.2012, 08:43 Uhr

Politik, Banken, Grosskonzerne,Rating-Agenturen, sie alle mogeln, verschweigen, täuschen, lügen, betrügen. Wer da noch glaubt, Analystenschätzungen hätten einen Wert, der über die mit etwas Googeln untermauerte eigene Einschätzung hinausgeht, der ist einfach nur das geborene Opfer.

Account gelöscht!

14.07.2012, 09:20 Uhr

Bedenklich an vielen Analysten ist, dass sie immer noch arbeiten muessen. Offensichtlich taugen ihre Analysen nichts, sonst haetten sie genug Geld auf dem Konto.

Account gelöscht!

14.07.2012, 09:21 Uhr

Ja, ja. Alle Analysten sind scheiße. Deren AG werden deshalb auch genau das Gegenteil machen. Da glaub ich nicht dran. Es mag aber sein, dass viele Analysten Drückerkolonnen angehören und versuchen Aktien schön zu reden. Und es mag auch sein, dass die Börse wieder fällt, genauso wie sie auch wieder steigen wird. Welche sinnvolle Alternativen zu Aktien gibt es aber? Ich vertraue mittlerweile mehr den großen Konzernen und setze auf Dividenden. Wie soll ich mein Geld sonst sinnvoll anlegen? Immos habe ich natürlich, selbst und fremdgenutzt , letztere aber voll finanziert. Geld, dass ich übrig habe setze ich persönlich in Aktien. Langfristig, Blue Chips, weltweit, Dividendenorientiert. Ich lass mich da nicht durch solch Artikel verängstigen. Das Rad dreht sich weiter. Ich seh auch keine Weltuntergangsstimmung. Ich komme aber auch aus dem Rheinland. Et hätt noch immer jot jegange. Was fott is is fott. Prost!

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