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02.11.2015

15:18 Uhr

Dax-Umfrage

„Die Zuversicht schwindet“

VonJessica Schwarzer

1.200 Punkte hat der Dax im Oktober zugelegt. War das der Auftakt zur Jahresendrally oder ist die Party schon vorbei? Eine exklusive Analyse zeigt, wie gut die Stimmung der Anleger ist oder ob sie schon wieder kippt.

Wie sehr kann der Dax noch steigen?

Skeptischer Banker

Wie sehr kann der Dax noch steigen?

DüsseldorfWas für ein Kursfeuerwerk. Der Oktober war ein extrem guter Börsenmonat, stolze 1.200 Punkte hat der Deutsche Aktienindex (Dax) zugelegt – auch wenn es in der vergangenen Woche nur noch magere 0,5 Prozent nach oben ging. Zum Beginn des neuen Monats kann der Dax wieder ordentlich Boden gutmachen. Mit einem Kursplus von 0,9 Prozent am Montagmorgen kratzt der Leitindex sogar wieder an der Marke von 11.000 Punkten.

Angefeuert wurde die Rally der vergangenen Wochen einmal mehr von Mario Draghi. Der EZB-Präsident hatte weiteres billiges Geld in Aussicht gestellt und an den Märkten für Partylaune gesorgt. Doch wie lange hält diese gute Stimmung? Ist sie vielleicht sogar übertrieben, was für Experten ein Alarmsignal wäre?

Dax-Sentiment: Vergleich Prognosen mit Indexverlauf

Börsenwoche 15.2. - 19.2.

Der Dax legte um 4,7 Prozent zu und beendete den Handel bei  9388 Punkten. Heibels Ratschlag am Montag (15.2.):  „Auf eine Bodenbildung mit anschließend weiter steigenden Kursen würde ich nur mit einem kleinen Betrag spekulieren“. Diese Investition sollten Anleger, falls die 9.300 Punkte im Dax nicht überwunden werden, schnell wieder auflösen.

Börsenwoche 8.2. - 12.2

Das deutsche Börsenbarometer verlor in der vergangenen Woche weitere 3,4 Prozent. Heibel sah am Montag (8.2.) aber nur eine sehr geringe Chance für einen weiteren Ausverkauf im Dax.

Börsenwoche 1.2. - 5.2.

Der Dax verlor 5, 2 Prozent. „Vieles deutet daraufhin, dass die Kurse weiterhin gen Süden driften, unterbrochen nur von kurzfristigen Gegenbewegungen“, sagte Stephan Heibel am Montag (1.2.).

Börsenwoche 25.1. - 29.1.

Der Dax kletterte leicht um 0,3 Prozent auf 9.798 Punkte.  Vor einer Woche warnte Stephan Heibel noch vor einer möglichen Abwärtsspirale. Diese könne, je länger die Baissephase an den Märkten dauere, eine eigene Dynamik entwickeln. „Noch ist es nicht soweit, doch wir werden diese Entwicklung aufmerksam verfolgen müssen“, sagte er am vergangenen Montag unter der Überschrift „Noch ist es nicht soweit“. (25.1.)

Börsenwoche 18.1. - 22.1.

Der Dax stieg um 2,3 Prozent. Heibels Erkenntnis am Montag (18.1.): Die Aktienbörsen sind nun in einer Baissephase. „Entsprechend dürften Kurssteigerungen in den kommenden Tagen nicht viel mehr als eine Zwischenerholung sein.“

Börsenwoche 11.1. -15.1

Der Dax stieg am Montag und Dienstag um mehr als 150 Punkte auf knapp 10.000 Zähler, rutschte  zum Wochenende aber wieder ab auf 9545 Punkte.  Heibels Prognose am Montag (11.): „Kurzfristig sorgt die maximale Niedergeschlagenheit der Anleger für eine moderate Gegenbewegung. Ob aus dieser Gegenbewegung eine Rally wird oder ob sie verpufft und neue Tiefs angesteuert werden, wird nach wie vor von der Entwicklung in China abhängen.“

Börsenwoche 14.12-18.12

Der Dax legte unter heftigen Schwankungen um 2,6 Prozent zu. Heibels Prognose am Montag (14.12.): „Das größere Überraschungspotential ist auf Seiten steigender Kurse zu sehen“.

Börsenwoche 7.12.-11.12

Der Dax verlor 3,8 Prozent. Der Volatilitätsindex VDax, der die Schwankungen des deutschen Leitindexes misst, stieg von 21 auf 27 Punkte. Heibels Prognose am Montag (7.12.): „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können. Entsprechend würde ich nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“.

Börsenwoche 30.11.-4.12

Der Dax verlor 4,8 Prozent. Am Montag (30.11.) kommentierte Stephan Heibel die Jubelstimmung so: „Je besser die Stimmung, desto leichter kann ein Pulverfass hochgehen“.

Börsenwoche 23.11. - 26.11

Der Dax rutschte am Montag (16.11.) ab, ehe eine Rally einsetzte. Der deutsche Leitindex  legte 3,8 Prozent zu. Am Montag (16..1) prognostizierte Stephan Heibel „heftige, aber begrenzte Korrekturen“, aber keinen nachhaltigen Kursrutsch.

Börsenwoche 9.11 - 13.11

Der Dax verlor in dieser Woche 2,5 Prozent. „Wer also von der gesunden Börsenverfassung profitieren möchte, braucht nun nicht mehr bei der kleinsten Korrektur zu kaufen“, lautet Heibels Ratschlag am Montag (9.11.). „Sie können sich mit Käufen meines Erachtens Zeit lassen, bis der Dax mal wieder fünf Prozent unter seinem vorhergehenden Hoch notiert“.

Börsenwoche 2.11. - 6.11.

Der Dax stieg um weitere 1,3 Prozent. Am Montag davor (2.11.) hatte Stephan Heibel  die Sommerkorrektur zu den Akten gelegt. Unter der Überschrift „Die Zuversicht schwindet“ war er der Auffassung, dass kurzfristige Rückschläge eine Kaufgelegenheit seien.

Börsenwoche 26.10 - 30.10

Der Dax stieg um 0,5 Prozent. Heibels Prognose am Montag (26.10): „Die Rally dürfte weiterlaufen“. Sein Ratschlag: „Ich halte es für Anleger für ratsam, auf dieser Welle mitzuschwimmen, bei Rückschlägen nachzukaufen, aber sämtliche Positionen mit großzügigen Stop-Loss-Kursen zu sichern“.

Börsenwoche 19.10. - 23.10.

Der Dax stieg um fast sieben Prozent und beendete den Handel bei über 10.800 Punkten. Heibels Prognose am Montag (19.10.): In den kommenden Tagen könnte der Dax bis auf 10.500 Punkte steigen. „Bei dieser Marke dürften wieder eine Reihe von Investoren ihre für viele Monate unter Wasser befindlichen Aktienpositionen auflösen und für eine weitere kleine Konsolidierung sorgen“.

Börsenwoche 12.10. - 16.10.

Der Dax blieb fast unverändert. Heibels Prognose am Montag (12.10.): „Eine Konsolidierung der erzielten Kursgewinne wird wahrscheinlich, dürfte jedoch nur kurze Zeit dauern“, sagt er. Es könnte sogar sein, dass der kleine Rücksetzer nur einen halben Handelstag dauert. „Im Wochenverlauf könnte die Rally durchaus noch höhere Kurse hervorbringen.“ Dass diese Rally aber nachhaltig ist, bezweifelte er.

 

Antworten auf diese und andere Fragen gibt die wöchentliche Dax-Umfrage des Handelsblatts zur Stimmung der Anleger. Stephan Heibel vom Analysehaus AnimusX, Experte für Börsenpsychologie und die Stimmungslagen der Anleger – im Börsendeutsch Sentiment genannt – analysiert die Umfrage Woche für Woche. Er sieht Börsianer in blendender Stimmung.

„Die Anlegerstimmung kommt schon an den euphorischen Bereich der Stimmungsausschläge heran“, so Heibel. „Doch das soll uns nicht wundern, denn nach den heftigen Kursgewinnen der Vorwochen haben Anleger tatsächlich allen Grund zur Freude.“ Und die dürfen sie wohl auch erst einmal genießen. „Erst wenn die Stimmung trotz einer nachhaltigen Seitwärtsbewegung im Dax oder gar nach einem Rückschlag euphorisch bleibt, wird es gefährlich.“

Aktuell ist die Gefahr einer Rückkehr in den Korrekturmodus aber noch gering, denn die Zuversicht über die künftige Dax-Entwicklung ist deutlich zurückgekommen. Heibel erinnert an den vergangenen Sommer. Während der Sommermonate verharrte die Zuversicht auf extrem hohem Niveau, ungeachtet des Einbruchs an den Aktienbörsen.

„Der Dax ist nun seit dem Ausverkauf Ende August quasi als Gegenreaktion angesprungen“, analysiert er. „Allein Deckungskäufe erfolgreicher Short-Spekulationen haben für heftige Kursgewinne im Dax gesorgt.“ Börsenteilnehmer, die auf fallende Kurse gesetzt hatten, mussten ihre Positionen irgendwann schließen – und diese Käufe haben natürlich die Rally befeuert.

Noch stärker dürfte allerdings der Notenbanken-Effekt gewesen sein: die Aussicht auf eine weitere Liquiditätsspritze der EZB, weiterhin moderate Worte hinsichtlich der erwarteten ersten Zinserhöhung in den USA sowie eine Leitzinssenkung um 0,25 Prozent in China. „Liquidität treibt Aktienkurse in die Höhe“, so Heibel. „Für eine Fortsetzung der Rally fehlt nun aber vorerst der Brennstoff.“ Gute Quartalsergebnisse dürften zwar einzelne Aktien stützen.

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