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24.08.2015

12:22 Uhr

Dax unter 10.000

Schmerzhafter Absturz

VonJessica Schwarzer

Der Dax ist im freien Fall, bis auf 9.760 Punkte sackte das Börsenbarometer am Morgen ab. Damit ist die Marke von 10.000 Punkten gerissen: Ist das nur eine psychologische Marke oder ein dramatisches Signal?

Die 10.000 sind nicht das Maß aller Dinge

Video: Die 10.000 sind nicht das Maß aller Dinge

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DüsseldorfDie Angst vor einem Schwächeanfall der chinesischen Wirtschaft hat den Dax unter die Marke von 10.000 Punkten gedrückt und weltweit die Börsen belastet. Der Kurseinbruch in China und auch der wieder erstarkte Euro kosteten inzwischen fast den kompletten Jahresgewinn im Dax. Nur noch ein Prozent sind von den ehemals recht stattlichen Gewinnen übrig geblieben. Allein im ersten Quartal hatte das deutsche Standardwertebarometer mehr als 20 Prozent zugelegt.

Und jetzt? Außer Spesen nichts gewesen, sogar die Marke von 10.000 Punkten ist gefallen. Experten sprechen oft von einer „psychologisch wichtigen Marke“. Das klingt wahnsinnig hochtrabend und suggeriert, hier ist Großes oder Dramatisches passiert. Doch das täuscht. „Die 10.000er-Marke ist da eher symbolisch als wirklich marktbeeinflussend“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. „Wir haben eine gewissen Vorliebe für runde Zahlen und daher findet es mehr Beachtung, wenn eine solche Ereigniszahl über- oder unterschritten wird.“ An den Märkten habe sie nur eine geringe technische Bedeutung.

Die schwärzesten Tage des Dax: 1989-2001

Was zeichnet einen Crash aus?

Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet. Die höchsten Verluste des Dax seither:

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

Mit Blick auf die Bewertungen ist es aber völlig egal, ob der Dax bei 9.900, 10.000 oder 10.100 Punkten steht. Trotzdem wurde es natürlich gefeiert, als der Dax am 5. Juni 2014 das erste Mal in seiner Geschichte fünfstellig war. Um 14.33 Uhr kletterte er an diesem Tag auf 10.003 Punkte. Die Europäische Zentralbank hatte kurz zuvor verkündigt, den extrem niedrigen Leitzins von 0,25 auf 0,15 Prozent zu senken.

Psychologen erklären das Phänomen so: Menschen neigen dazu, sich an bestimmten Werten zu orientieren. Das können Allzeithochs oder runde Zahlen sein. Verankerungsheuristik nennt man das. Anleger werfen Anker. Nur leider fällt es ihnen sehr schwer, sie hinterher wieder einzuholen.

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Ein turbulenter Börsentag geht zu Ende. Der Dax schließt so tief wie seit mehr als sieben Monaten nicht mehr. Zwischenzeitlich rutschte der Index auf unter 9400 Punkte. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

Deshalb haben diese Anker auch eine so große Bedeutung. An der Börse können das neben Indexständen vor allem die Kurse sein, zu denen wir eine Aktie gekauft haben. Dax 10.000 – das ist vor allem für Privatanleger ein ziemlich starker Anker.

Kommentare (10)

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Herr Ingo Tietz

24.08.2015, 13:04 Uhr

Ich rufe die Ereignisse des Jahres 2000 in Erinnerung. Damals ist der Traum vom raschen Reichtum an der Börse geplatzt.
10. März 2000 stand der Nemax (Neuer-Markt-Index) 50 bei: 9632 Punkten
Dann am 1. Dezember 2000 stand der Nemax 50 bei: 3228 Punkten
Verlust = 6404 Punkte! Betroffene Unternehmen am „Neuen Markt“ waren: T-Online Wertverlust (Wvl.) = 60,4 Milliarden Mark, Broadvision (Wvl.) = 31,5 Mrd. Mark, EM.TV (Wvl.) = 22,3 Mrd. Mark, Intershop (Wvl.) = 16,1 Mrd. Mark, Mobilcom (Wvl.) = 13,0 Mrd. Mark, Carrier 1 (Wvl) = 12.0 Mrd. Mark, Fantastic (Wvl.) = 11.6 Mrd. Mark, Consors (Wvl.) = 8,8 Mrd. Mark, Brokat (Wvl.) = 8,0 Mrd. Mark, Pixelpark (Wvl.) = 5,7 Mrd. Mark. Damals leitete der Kurseinbruch den Anfang vom Ende des Traums ewig steigender Aktien ein. Alleine T-Online hatte damals 62% an Marktwert eingebüßt, und umgerechnet 60 Milliarden Mark Verlust zu verzeichnen, mit im untergegangenen Boot sassen viele Kleinanleger, welche man vorher in doppelseitigen Medienanzeigen in Aktien getrieben hatte, die dann nach dem Absturz der sogenannten „Volksaktie“ vor dem fianaziellen Ruin standen. Alles schon wieder vergessen?! Bei EM.TV (ehem. TV-Rechte-Händler aus München) wurde im großen Stil durch Buchungsmanipulationen betrogen. Warum sollte dies heute bei den Bilanzbewertungen anderer börsennotierter Unternehmen anders laufen?
Wer z. Bsp. im März 2000 eine Million Mark in EM.TV Aktien anlegte, war am 1. Dezember 2000 um 900.000 Mark ärmer. Genau so ist es heute wieder, viele Unternehmen sind komplett überbewertet, auch wenn die Bilanzen auf den ersten Blick gut ausschauen. Das ganze Kapitalsystem inklusive der Börsen ist auf Lug und Betrug aufgebaut, ein Schneeballsystem, genau wie der Strukturvertrieb von Versicherungen, die oben kassieren und die breite Masse verliert. Wie bei einer Pyramide, an der Spitze konzentriert sich das Kapital.

Herr Tom Schmidt

24.08.2015, 13:27 Uhr

Sorry Frau Schwarzer,

aber schon wieder möchte ich einen Artikel von Ihnen prinzipiell kritisieren und in Frage stellen. Die "Marken" sind doch heute im 20-Punkte-Abstand gesetzt, die runden Zahlen, die technischen Analyse-Marken, und, und, und.

Das Thema Psychologie möchte ich auch relativieren. Psychologie und Massenpsychologie spielen in einem Markt eine Rolle, in dem Menschen die Kurse beieinflussen. Heute haben wir einen Hochfrequenzhandel, die Nachrichten werden nicht gelesen und bewertet, sondern von Computerprogrammen nach Stichworten gesucht, die dementsprechend Kauf- oder Verkauforders auslösen. Man kann über das System trefflich diskutieren, nur mit Psychologie hat das nichts zu tun. Platinen sind nicht nervös.

Aber auch früher, ist noch nie jemand mit Chart-Technik reich geworden. Und die, die wirklich reich geworden sind... naja fragen Sie mal Warren nach seiner Meinung zu Chart-Technik!

Ob Kurse teuer oder billig sind, liegt halt an der wirtschaftlichen Gesamt- und Risikolage. Und das stellt sich die Frage, wie es um China jenseits der Partei-Propaganda wirklich bestellt ist und welche systemischen Risiken sich daraus für die Weltwirtschaft ergeben! Und richtig gut sieht das nicht gerade aus, die Notenbanken haben uns 2009 Zeit gekauft... irgendwann ist die halt aufgebraucht!

Herr Thomas Albers

24.08.2015, 13:41 Uhr

"Heute haben wir einen Hochfrequenzhandel, die Nachrichten werden nicht gelesen und bewertet, sondern von Computerprogrammen nach Stichworten gesucht, die dementsprechend Kauf- oder Verkauforders auslösen. Man kann über das System trefflich diskutieren, nur mit Psychologie hat das nichts zu tun. "

Das ist aber eine sehr einfache Sicht auf den bunten Strauß an Möglichkeiten des Algohandelns. Nebenbei: Sind Sie sicher, dass bei dem Keyword-Spotting kein psychologisches Modell zugrunde liegt?

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