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18.08.2012

14:22 Uhr

Dax-Vorschau

Ist das kleine Kursfeuerwerk bald vorbei?

Der Dax hat die Marke von 7.000 Punkten geknackt. Aber was kommt nun, ist der Aufwärtstrend intakt? Die Experten sind skeptisch; zumindest, was die Kursentwicklung in den kommenden Handelstagen betrifft.

Händler an der Frankfurter Börse. dapd

Händler an der Frankfurter Börse.

FrankfurtZum Abschluss der Berichtssaison dürfte sich der Dax in der neuen Woche nahe der Marke von 7.000 Punkten einpendeln. Das Jahreshoch von 7.194 Zählern bleibt allerdings außer Reichweite. "Zuletzt haben sich die Kurse eigentlich gut gehalten, wir sehen auch in den nächsten Tagen keinen Grund für massiven Druck", sagt Tobias Basse, Aktienstratege der NordLB. Auf Wochensicht legte der Dax bis Freitagnachmittag um rund ein Prozent zu, das war der sechste Wochengewinn in Folge. Am Donnerstag hatte er die psychologisch wichtige 7.000-Punkte-Marke geknackt.

In der alten Woche weilten viele Marktteilnehmer noch in den Ferien, das sorgte für extrem niedrige Umsätze. Ähnliches erwarten Analysten auch für die neue Woche. "Bis zum Labour Day am 3. September in den USA werden die Umsätze niedrig bleiben", meint Jörg Rahn von der Privatbank Marcard, Stein & Co.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Andere Börsianer machen zusätzlich die im September anstehenden Entscheidungen rund um die Schuldenkrise für die Zurückhaltung der Investoren verantwortlich. Am 12. September will das Bundesverfassungsgericht über die Rechtmäßigkeit des Rettungsschirms ESM entscheiden. "Im Vorfeld dieses Urteils fehlt es an klaren Signalen, um eine Tendenz am Aktienmarkt zu etablieren", schreiben die Analysten der Landesbank Berlin in einem Kommentar. Anfang kommenden Monats will zudem die Europäische Zentralbank (EZB) Details zu ihren in Aussicht gestellten Hilfen für kriselnde Euro-Staaten bekanntgeben. Außerdem will sich die Troika aus EU, EZB und Internationalem Währungsfonds zu den Sanierungsfortschritten Griechenlands äußern. Von dem Bericht hängt ab, ob das Land weitere Gelder bekommt.

Die EZB als entscheidende finanzpolitische Macht

Käufer von Staatsanleihen

Die EZB hat ein Programm zum Ankauf von Staatsanleihen. Sie kann frei entscheiden, wie viele Anleihen sie von Ländern kauft, um deren Zinslast zu drücken. Bislang hat die EZB für 211 Milliarden Euro Staatsanleihen gekauft - wie viele Bonds sie jeweils von welchen Ländern gekauft hat, hält sie geheim.

Regierungsaufseher

In Griechenland, Portugal und Irland kontrolliert die EZB zusammen mit der EU-Kommission und dem Internationalen Währungsfonds direkt die Finanz- und Wirtschaftspolitik der jeweiligen Regierung. Das schließt sogar detaillierte Vorgaben zur Reform des Taxigewerbes ein. Wenn der Rettungsschirm ESM einsatzbereit sein sollte und weitere Länder sich unter seinen Schutz begeben, könnte sich die indirekte Regierungsbeteiligung der EZB bald über halb Europa erstrecken.

Bankenretter

Eigentlich sollte die EZB nur solventen, also kreditwürdigen Banken Liquidität gegen gute Sicherheiten geben. Aber nachdem ganze Bankensysteme aus den Fugen geraten waren, zeigte die EZB sich immer großzügiger: Sie hat den Banken eine Billion Euro an Krediten mit dreijähriger Laufzeit gegeben. Damit ersetzt sie die Bankanleihen, über die sich die Häuser sonst finanzieren, die viele Banken aber nicht mehr absetzen können, weil sie als nicht mehr solvent genug gelten. Ohne diese Sonderkredite der EZB hätten viele Banken auslaufende Bankanleihen nicht mehr bedienen können und hätten geschlossen werden müssen, mit hohen Kosten für die Steuerzahler.

Undurchsichtige Nothilfen

Besonders undurchsichtig sind die Nothilfen, mit denen nationale Zentralbanken Problembanken helfen. Diese Nothilfe, genannt „Emergency Liquidity Assistance“ (ELA), kommt zum Einsatz, wenn Banken nicht mehr über genügend für die EZB akzeptable Sicherheiten verfügen. Die Notenbanken Griechenlands und Irlands, die am stärksten ELAs vergeben haben, weisen das Volumen dieser Hilfsprogramme in ihren Bilanzen nicht eindeutig aus. Griechische Banken können sich derzeit nur noch über ELA mit Liquidität versorgen.

Bankaufseher

Die europäischen Regierungschefs haben beschlossen, eine gemeinsame europäische Bankaufsicht zu schaffen. Die EZB soll die Oberhoheit bekommen und arbeitet bereits Pläne aus. Kritiker, auch unter den Notenbankern, fragen sich, wie man eine politisch unabhängige Institution, die sich für ihr Tun und Unterlassen nicht rechtfertigen muss, Entscheidungen über die Abwicklung oder Rettung von Banken treffen lassen kann, die die Steuerzahler Hunderte Milliarden Euro kosten können.

Außenhandelsfinanzierer

Durch die großzügige Notenbankhilfe werden nicht nur Banken gerettet, sondern ganze Staaten. Denn mit dem großzügigen Kredit von der EZB bezahlen die griechischen oder spanischen Banken die Forderungen des Auslands. Die entstehen dadurch, dass diese Länder im Handels- und Kapitalverkehr mit dem Ausland weniger einnehmen, als sie bezahlen müssen. Da sie den nötigen Kredit von privater Seite nicht mehr bekommen, müssten sie ihre Einfuhren sofort massiv einschränken, wenn die Notenbank nicht so großzügig Kredit gewährte.

Auch die Experten der Commerzbank sind kurzfristig eher vorsichtig. "Es gibt Signale, dass den Unternehmensgewinnen im dritten Quartal ein noch stärkerer Gegenwind von der globalen Konjunktur droht", warnt Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp. Langfristig könnten die Börsen dem NordLB-Experten Basse zufolge aber von den Unsicherheiten am Markt für Staatsanleihen profitieren. Die niedrigen Renditen für risikoarme Anleihen und das hohe Risiko bei den renditestarken Papieren der Euro-Peripheriestaaten trieben Anleger vermehrt in Aktien.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

18.08.2012, 14:54 Uhr

Zum Kaufen ist es viel zu spät, aber zum Aktien-Leerverkaufen (Shorten) m.E. auch noch zu früh, und sowieso nicht mein Ding.
Bleibt also nur weiter die Seitenlinie, vom Tagesgeld (über)leben und auf Rückschläge hoffen um kräftig Aktien dann wieder billig kaufen zu können.

Audi

18.08.2012, 16:34 Uhr

Generell gibt es schon ein paar Short Kandidaten
AMD
ADM
CERN

Aber Long, hmmmmm
Evt. DIS
LER
BIIB


Mal sehen, was aus Gold wird, iwa ist die up-flag beendet.

zugspitze

18.08.2012, 17:42 Uhr

Falls es noch niemand merkte: MERKel macht das immer zum FREITAG um so über das Wochenende die starken Wogen an der Börse zu halten. So auch zuletzt aus Südtirol - diese Börse ist KEIN MARKT mehr sondern purer Honnecker-Sozialismus. Und Margot in Chile lacht mit ihrer 1500 EUR Rente so laut dass die Atlantikwogen Merkel kommunistisch umspülen und mental auffrischen.

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