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06.01.2014

14:33 Uhr

Der Verlierer des Jahres

Warum Bill Gross die Kunden weglaufen

VonJörg Hackhausen

Bill Gross war einst der König der Anleihemärkte. Im vergangenen Jahr machte der Star-Investor jedoch reihenweise Fehler. Die Kunden laufen ihm in Scharen davon. Dabei könnte Gross am Ende sogar Recht behalten.

Pimco-Gründer Bill Gross: Im Vorjahr gab es noch mehr als zehn Prozent Überschuss, 2013 dann ein Minus von 1,92 Prozent. Reuters

Pimco-Gründer Bill Gross: Im Vorjahr gab es noch mehr als zehn Prozent Überschuss, 2013 dann ein Minus von 1,92 Prozent.

DüsseldorfEs war ein schreckliches Jahr für alle, die in vermeintlich „sichere Häfen“ investierten. Das musste Kleinanleger genauso erfahren wie der mächtigste Anleiheinvestor der Welt: Bill Gross.

Der Chef der Fondsgesellschaft Pimco, früher einmal bekannt als „Bond-König“, verschätzte sich mit seinen Anlageentscheidungen grandios. Das Ergebnis: Die Kunden zogen reihenweise Geld ab. Der Pimco Total Return Fund von Bill Gross verlor 41,1 Milliarden Dollar im gesamten Jahr, im Schnitt fast 3,5 Milliarden Dollar pro Monat, im Juni waren es sogar zehn Milliarden Dollar.

Aktuell kommt der Pimco Total Return auf Vermögenswerte von 237 Milliarden Dollar. Den Titel als größter Publikumsfonds der Welt ist damit ebenfalls Geschichte. Das ist jetzt der Vanguard Total Stock Market Index Fund.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Bill Gross ist eigentlich bekannt für sein gutes Timing. Er gründete 1971 die Vermögensverwaltung Pimco in Newport Beach, Kalifornien. Die Gesellschaft wuchs schnell, stieg zum größten Anleiheinvestor auf. Gemeinsam mit Mohamed El-Erian bestimmt Gross bis heute die Geschicke, auch wenn Pimco seit 2000 zum deutschen Allianz-Konzern gehört.

Im vergangenen Jahr ließ das Glück Gross im Stich. Sein entscheidender Fehler: Er täuschte sich in Ben Bernanke. Gross setzte darauf, dass die Zinsen niedrig bleiben und am Aktienmarkt herbe Verluste drohen würden. Er kaufte daher lieber auf „sicherere“ Staats- oder Unternehmensanleihen mit kurzen Laufzeiten.

Doch die Ankündigung von Bernanke, Chef der US-Notenbank, das sogenannte Quantitative Easing (QE), also die ständige Ausweitung der Geldmenge, zurückzufahren, ließ die Kurse von Anleihen abrutschen, umgekehrt stiegen die Renditen von zehnjährigen US-Staatsanleihen von rund 1,7 Prozent auf mehr als drei Prozent. An den Anleihemärkten sind das Welten. Die Notenbanker machten schließlich im Dezember ernst und beschlossen eine Verringerung der monatlichen Ankäufe von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren. Die Party an den Aktienmärkten lief indessen unbeeindruckt weiter. Der amerikanische S&P 500 stieg um 30 Prozent. Kurzum: Es lief alles gegen Gross.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

06.01.2014, 14:54 Uhr

Natürlich sollte man nicht jeder Strömung am Markt hinterherlaufen. Wer aber in 18 Monaten dermaßen viele Fehler macht wie Hr. Gross, ist ganz gewiß kein besonders schlauer Fuchs, auf den man nun unbedingt setzen sollte. Wer gegen die Notenbanken dieser Welt spekuliert, verliert in fast allen Fällen. Das ist das kleinste Einmaleins, was dieser Herr trotz seines fortgesetzten Alters immer noch nicht begriffen hat.

Account gelöscht!

06.01.2014, 15:48 Uhr

"Am Ende" recht zu behalten reicht leider bei Weitem nicht, um reich zu werden. Sonst wäre es ja leicht.

Aber des Ende kommt. Da werden sich die angelsächsichen Ökonomen um Krugman, Stieglitz & Co. noch die Augen reiben, weil sie ja immer meinen, dass das Ende mit Schrecken bloss ein deutsches Hirngespinst sei.

@clemensespe: Bill Gross ist bestimmt nicht auf den Kopf gefallen, trotz seines Alters. Aber richtig ist, dass er sich zu riskablen Wetten hat hinreissen lassen, die sonst gar nicht der Art von Pimco entsprechen. Da hat er anscheinend vergessen, dass der Markt länger irrational agieren kann, als Pimco seine Investoren zu halten vermag. Vor allem dann, wenn der "Markt" ohnehin nur noch eine potemkinsche Kulisse für die zentrale Planwirtschaft der Notenbanken ist.

Preissignale gibt´s nicht mehr, aber die Weltwirtschaft ist wenigstens gerettet.

Allerdings: Das sowjetische Wirtschaftsdenken hat über den westlichen Kapitalismus genauso nachhaltig gewonnen wie das Christentum oder die griechische Staatsphilosofie über die zunächst anscheinend so siegreichen Römer.

Und nach den Römern kamen ja bekanntlich die Barbaren des frühen und dunklen Mittelalters - Mal bloss ganz am Rande bemerkt.

ANONYM

06.01.2014, 16:35 Uhr

"Gross setzte darauf, dass die Zinsen niedrig bleiben und am Aktienmarkt herbe Verluste drohen würden."

Kann mir das einer mal erklären? Grade wegen der Niedrigzinsen sind Aktientitel doch so attraktiv und Anleihen bzw. Renten werden vernachlässigt. Wieso spekulierte er, dass Aktien an Wert verlieren und die Leute vermehrt in Renten investieren, wenn das Zinsniveau niedrig bleibt?

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