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20.01.2011

07:48 Uhr

Derby Cycle

Börsengang mit Lifestyle

VonChristian Schnell

In der Fahrradbranche folgt ein nächstes Unternehmen dem neuen Trend, dass einfache Produkte bei Investoren immer beliebter werden. Derby Cycle soll nächste Woche an die Börse gehen - und könnte mit seinen Lifestyle-Produkten einen Erfolg landen.

In der Fahrradbranche zählt Lifestyle. Quelle: gms

In der Fahrradbranche zählt Lifestyle.

FRANKFURT . Es gab Zeiten, da waren Börsenkandidaten bei Investoren besonders angesagt, wenn man ihr Geschäftsmodell nicht verstand - vorzugsweise aus den Bereichen Informations- und Biotechnologie oder Internet. Diese Zeiten sind vorbei. Gekauft wird jetzt, was der Otto-Normalinvestor versteht. Die Werbeplakate von Ströer, die T-Shirts von Tom Tailor oder die Wasserhähne der chinesischen Joyou gehörten im vergangenen Jahr dazu. Schon nächste Woche soll Marktgerüchten zufolge mit dem Fahrradhersteller Derby Cycle der erste Kandidat für dieses Jahr folgen. Der ist mit 173 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr der größte Anbieter im zersplitterten deutschen Fahrradmarkt. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern betrug 12,2 Millionen Euro.

Das Interessante daran: Es gibt bei Börsengängen keine Branchenmode mehr. Der Lifestyle selbst ist die Mode. Beispiel Derby Cycle: Rund 200 000 Fahrräder mit Elektroantrieb - sogenannte E-Bikes - sind im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft worden. 21 Prozent trugen die Namen Kalkhoff, Rixe, Raleigh oder Univega, alles Derby-Marken. Im Verhältnis zu den 3,8 Millionen Fahrrädern ohne elektronische Hilfe, die in dieser Zeit ausgeliefert wurden, ist dies überschaubar. In Anbetracht dessen, dass der Trend erst vor fünf Jahren entstand, ist die Zahl beträchtlich. Zumal sie stetig steigt.

Bei E-Bikes ist das Rentner-Image von einst dahin

Noch wichtiger: Das E-Bike hat nichts vom Rentner-Image des einstigen "Fahrrads mit Hilfsmotor". Der Akku ist klein, das Design chic, und die Geschwindigkeit von bis zu 55 Stundenkilometern lässt traditionelle Fahrradfahrer in völlig neue Dimensionen vorstoßen. Zumal sich generell ein weiterer Lifstyle-Aspekt ergibt: Radreisen sind angesagt wie nie, das Radwegenetz in Deutschland wächst ständig. Und die Wege an Elbe, Main und Donau gleichen ab dem Frühjahr oftmals einer Radfahrer-Autobahn.

Wer einen Vergleich zu schon börsennotierten Fahrradherstellern sucht, der sollte weniger die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) heranziehen. Die sind seit 2004 an der Börse, starteten damals zu 9,25 Euro je Aktie und kosten heute drei Euro. Mifa beliefert die Discounter und Baumärkte mit günstigen Fahrrädern, Derby Cycle den Fachhandel mit qualitativ Hochwertigerem. Und bei teuren Rädern brach die Nachfrage nicht ein. Giant aus Taiwan und Accell aus den Niederlanden sind daher eher der passende Vergleich. Beide produzieren im gleichen Segment, beide haben erfolgreiche Marken. Zu Accell gehören beispielsweise Hercules, Ghost und Batavus.

Jetzt geht es noch um den Preis. Der wird ab der kommenden Woche über die Zukunft der Derby-Aktie entscheiden.

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