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20.12.2011

14:09 Uhr

Derivate

Banken wollen mehr Sicherheiten von Staaten

VonAndrea Cünnen

Wenn europäische Staaten Derivategeschäfte mit Banken machen, müssen sie bislang keine Sicherheiten hinterlegen. Die Institute kostet das viele Milliarden Dollar. Drei große Branchenverbände wollen das jetzt ändern.

Die Finanzindustrie rückt in der europäischen Schuldenkrise zusammen. dpa

Die Finanzindustrie rückt in der europäischen Schuldenkrise zusammen.

FrankfurtDie Finanzindustrie rückt angesichts der Unsicherheit um die Euro-Krisenstaaten enger zusammen: Drei große Verbände haben sich in einer Initiative zusammengeschlossen und fordern, dass die europäischen Staaten für Derivategeschäfte künftig Sicherheiten hinterlegen sollen. Bislang machen das nur Portugal und Irland.

Die fehlenden Sicherheiten kosten die Finanzindustrie laut einer gemeinsamen Studie der Verbände mehr als 70 Milliarden Dollar. Hinter der Initiative stecken die Association for Financial Markets in Europe (AFME), die International Capital Markets Association (ICMA) und die International Swaps and Derivatives Association (ISDA). Sie vertreten die Interessen von Tausenden Banken, Fondsgesellschaften und Anwaltskanzleien.

Der Zusammenhang dabei ist folgender: Die für das Schuldenmanagement zuständigen Finanzagenturen der Staaten nutzen Derivate, indem sie etwa Zinsswaps mit einer Bank oder einem Fonds abschließen und dabei feste gegen variable Zinszahlungen tauschen. Dadurch können die Schuldenmanager von sinkenden Geldmarktzinsen profitieren.

Wenn sie diese Geschäfte mit Banken, Fonds oder Hedge-Fonds eingehen, verlangen die Schuldenmanager der Staaten Sicherheiten in Form von zum Beispiel Bargeld oder Bundesanleihen. Sie selbst hinterlegen jedoch nichts.

Diese Einseitigkeit schafft nach Ansicht der Verbände deutliche Risiken im Finanzsystem und zieht außerdem Liquidität von den Banken und den anderen Investoren ab. Der Grund: Weil es keine Sicherheiten von den Staaten gibt, versuchen die Investoren, sich selbst über den Kauf von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps, CDS) vor dem möglichen Ausfall der staatlichen Partner bei den Zinsderivate-Geschäften abzusichern. Genau das aber kostet Geld.

Die Verbände haben ausgerechnet, dass die Finanzindustrie per Ende März gut 70 Milliarden Euro an Prämien für CDS auf europäische Staaten gezahlt hat, die sie nur gekauft hat, um sich einen Sicherheitspuffer bei den Derivategeschäften mit den Staaten zu schaffen.

Sorgen macht der Industrie auch, dass solche Absicherungen künftig gar nicht mehr möglich sind. Denn die EU will den Kauf von CDS-Versicherungen nur noch den Investoren erlauben, die Anleihen der entsprechenden Staaten haben.

Kommentare (4)

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Thomas-Melber-Stuttgart

20.12.2011, 14:17 Uhr

Wer glaubt eigentlich noch an die Werthaltigkeit von CDS?

Account gelöscht!

20.12.2011, 16:11 Uhr

NIX verstanden oder?
Hier sind die Staaten das Problem. Die Banken zocken hier eben NICHT. Sie versuchen die Risiken, die die Staaten auf sie Abwälzen auszugleichen. (So zusagen ein Null-Summenspiel, bei dem sie eigentlich immer nur ihr Provision bekommen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger)

Anonymus

20.12.2011, 20:57 Uhr

Also zunächst mal hat es jahrelang die Finanzindustrie nicht gestört, dass sie sich so absichern mussten, waren halt Betriebsausgaben. Mich würde interessieren wie viel Gewinn die Finanzindustrie bei diesen Geschäften gemacht hat, und wie oft die Ausfallversicherungen zahlen mussten. Die Finanzindustrie hat sich doch bisher gerne das Risiko auf sich abwälzen lassen, warum? Weil es Profitabel war.

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