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20.01.2011

10:21 Uhr

Deutsche Aktien

Ausländische Investoren profitieren vom Dax-Boom

VonUlf Sommer

Deutschlands Aktien steigen so stark wie lange nicht – und vor allem ausländische Investoren jubeln. Früher hielten die Deutschen rund zwei Drittel an den Dax-Firmen, heute weniger als die Hälfte. Und der schleichende Ausverkauf dürfte sich fortsetzen.

Die Deutsche Börse in Frankfurt: Ausländische Investoren haben ihre Vorliebe für deutsche Dax-Konzerne entdeckt. DAPD

Die Deutsche Börse in Frankfurt: Ausländische Investoren haben ihre Vorliebe für deutsche Dax-Konzerne entdeckt.

DÜSSELDORF. Khadem Abdullah Al Qubaisi ist ein reicher und zugleich cleverer Mann. Als im Frühjahr 2009, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, viele an der Zukunft der deutschen Autoindustrie zweifelten, sah der Scheich aus Abu Dhabi seine Chance gekommen. Für zwei Milliarden Euro kaufte der von ihm geleitete Staatsfonds „Aaber“ Aktien des Premiumherstellers Daimler – zum Preis von 20,27 Euro. Daimler-Chef Dieter Zetsche begrüßte den „neuen Schlüsselinvestor als strategischen Partner“. Heute steht der Kurs bei 58 Euro – ein Plus von 186 Prozent für den Mann aus Abu Dhabi.

Der Scheich ist nicht der Einzige, der in den vergangenen Jahren seine Vorliebe für deutsche Konzerne entdeckte. Viele Anleger folgten ihm. Seit Anfang 2009 kauften ausländische Investoren Aktien deutscher Dax-Konzerne im Volumen von 60 Milliarden Euro. Damit stieg ihr Anteil um acht Prozent auf 55,8 Prozent – ein Rekord. Vor zehn Jahren noch hielten heimische Anleger zwei Drittel an den Dax-Konzernen, heute deutlich weniger als die Hälfte. Das ergeben Berechnungen des Handelsblatts.

Nach zwei geplatzten Blasen in nur einem Jahrzehnt fürchten die deutschen Anleger einen neuen Absturz und bleiben deshalb außen vor. Die ohnehin schwache deutsche Aktienkultur verstärkt diesen Trend. Die jüngste Shell-Studie brachte es auf den Punkt: „Wenn etwas out ist neben Drogen, dann sind das Aktien“, resümierten die Autoren der Studie über die Jugend.

Die deutsche Börse hat die Neueinsteiger aus dem Ausland für ihr Engagement reich belohnt. Der Dax ist seit Anfang 2009 um fast 70 Prozent gestiegen. Die Dax-Konzerne haben ihre Nettogewinne seither mehr als verdoppelt. Etliche verdienten 2010 so viel wie noch nie.

Am stärksten erhöhten die Ausländer ihre Anteile an der Deutschen Bank, dem Sportartikelhersteller Adidas und an konjunkturempfindlichen Konzernen wie dem Gasehersteller Linde und den Autobauern. Deren Aktienkurse entwickelten sich dank des Weltwirtschaftsbooms noch besser als der Dax. An Daimler erhöhten ausländische Investoren ihren Besitz um 13 auf 72 Prozent.

Der mit Abstand größte Aktionär bei den 30 Dax-Konzernen ist der US-Vermögensverwalter Blackrock. Über passiv und aktiv gemanagte Fonds ist der Marktführer inzwischen an allen Dax-Konzernen beteiligt. Bei 21 Unternehmen liegt der Anteil sogar zwischen drei und neun Prozent. Allein diese Beteiligungen summieren sich auf 30 Milliarden Euro. Das sind vier Prozent des Börsenwerts aller Dax-Konzerne.

„Deutschland hat mit positiven Wirtschaftsdaten überrascht. In vielen Branchen sind die Unternehmen sehr gut aufgestellt“, sagt Nigel Bolton, Leiter des Europa-Teams von Blackrock. Während deutsche Anleger das Nachsehen haben, profitierten Blackrock und seine Anleger: Der Blackrock-Kurs verdoppelte sich seit Anfang 2009.

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