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21.04.2015

16:27 Uhr

Deutsche Bank

Sorgen um Strategie lässt Risikoprämie steigen

Die Deutsche Bank hat ihre Strategie auf den Prüfstand gestellt. Wahrscheinlich ist, dass der Konzern ganz oder teilweise aus dem Privatkundengeschäft aussteigt. Investoren sind besorgt, die Risikoprämie steigt.

Die Risikoprämie der vorrangigen Deutsche-Bank-Anleihe im Volumen von 1,5 Mrd. Euro und Fälligkeit im März 2025 gegenüber Benchmark-Zinsen ist auf 83 Basispunkte gestiegen. dpa

Deutsche Bank

Die Risikoprämie der vorrangigen Deutsche-Bank-Anleihe im Volumen von 1,5 Mrd. Euro und Fälligkeit im März 2025 gegenüber Benchmark-Zinsen ist auf 83 Basispunkte gestiegen.

FrankfurtAnleihegläubiger der Deutsche Bank sorgen sich, dass ein Verkauf des Privatkundengeschäfts und die Ausrichtung auf das Investmentbanking der Bank die Einlagen entziehen könnte, die sie zur Finanzierung braucht. Damit würde das Risiko für die Investoren zunehmen.

Die Risikoprämie der vorrangigen Anleihe im Volumen von 1,5 Mrd. Euro und Fälligkeit im März 2025 gegenüber Benchmark-Zinsen ist auf 83 Basispunkte gestiegen, wie Daten von Bloomberg zeigen. Im März, als die Anleihe an den Markt kam, lag der Renditeaufschlag bei 55 Basispunkten. Zum Vergleich: die durchschnittliche Risikoprämie für vorrangige Bank-Bonds erhöhte sich um elf Basispunkte auf 48 Basispunkte. Das geht aus Index- Daten von Bank of America Merrill Lynch hervor.

Die größte deutsche Bank hat ihre Strategie auf den Prüfstand gestellt. Wahrscheinlich wird sie sich dafür entscheiden, ganz oder teilweise aus dem Privatkundengeschäft auszusteigen, wie eine Person, die mit den Vorgängen vertraut ist, in der vergangenen Woche sagte. Investoren sind besorgt, dass damit der stetige Fluss an liquiden Mitteln aus dem Privatkundengeschäft versiegen würde.

Modelle für die Zukunft der Deutschen Bank

Modell 1

Weiter so wie bisher mit allen Produkten für alle Kunden. Vollintegration der Postbank in den Konzern. Wahrscheinlichkeit: sehr gering.

Modell 2

Verkauf oder IPO der Postbank und des BHW-Bauspargeschäfts. Die für den Verschuldungsgrad relevante Bilanzsumme würde im Investmentbanking um 195 Milliarden und im Retailbereich um 140 Milliarden Euro sinken. Wahrscheinlichkeit: mittel bis hoch.

Modelle 3 und 4

Fokus auf Kunden bzw. Länder. Optionen mit vielen Nachteilen. Wahrscheinlichkeit: null.

Modell 5

Abgespalten wird das inländische und europäische Privatkundengeschäft, inklusive der Postbank (400 Milliarden Bilanzsumme). Die neue Deutsche Bank ist dann eine Unternehmerbank mit Investmentbanking, Zahlungsverkehr und Vermögensverwaltung. Die Bilanzsumme sinkt um 50 bis 100 Milliarden auf rund eine Billion Euro. Wahrscheinlichkeit: hoch.

„Wenn sich die Deutsche Bank von ihrem Privatkundengeschäft trennen und zu einer reinen Investmentbank werden würde, wäre das negativ für die Anleihegläubiger”, sagte Paul Smillie, Analyst bei Columbia Threadneedle Investments in Singapur. Die Bank „würde volatilere Erträge bekommen, wäre abhängiger von Finanzierungen am Interbankenmarkt und bekäme ein riskanteres Profil.”

Die Kosten für Kreditausfallswaps zur Absicherung gegen einen Zahlungsausfall bei Anleihen der Deutschen Bank liegen laut Daten von Bloomberg mit 77 Basispunkte an einem Dreimonatshoch.

Die Bank will das Ergebnis ihrer Strategieüberprüfung im zweiten Quartal vorstellen. Das Ergebnis für das erste Quartal steht am 29. April an.

Die Mitarbeiter der Tochtergesellschaft Deutsche Postbank haben sich in dieser Woche für einen unbefristeten Streik entschieden. Sie fordern Sicherheit für ihre Arbeitsplätze.

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