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03.07.2013

14:15 Uhr

Deutsche Bank und Co.

S&P stuft europäische Großbanken ab

Die Ratingagentur S&P hat der Deutschen Bank, Credit Suisse und Barclays schlechtere Noten verpasst. S&P sieht insbesondere Unsicherheiten bei der Investmentsparte. Deshalb wurden auch andere Banken hochgestuft.

Dunkle Wolken über die Zentrale der Deutschen Bank. Das Rating der Bank wurde auf „A“ herabgesetzt. dpa

Dunkle Wolken über die Zentrale der Deutschen Bank. Das Rating der Bank wurde auf „A“ herabgesetzt.

FrankfurtDie Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) gibt der Deutschen Bank, Credit Suisse und Barclays schlechtere Noten. Die Bonitätswächter begründen ihren Schritt mit schärferen regulatorische Anforderungen und unsicheren Aussichten für das wichtige Kapitalmarktgeschäft. Das drücke auf die Rentabilität der Institute. „Wir sehen steigende Risiken für die großen europäischen Banken, die im Investmentbanking aktiv sind“, erklärte die Agentur am Dienstagabend.

Die langfristige Bewertung der drei Geldhäuser liegt nun bei „A“ und nicht mehr bei „A+“, der Rating-Ausblick ist stabil. Das entspricht dem Niveau der Schweizer UBS und des US-Branchenprimus JP Morgan, während S&P die reinen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley eine Stufe niedriger bewertet. Höher eingestuft werden dagegen Institute wie HSBC oder BNP Paribas, bei denen das Kapitalmarktgeschäft eine geringere Rolle spielt.

Ratingagenturen ABC

Wie arbeiten Ratingagenturen?

Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Welche Auswirkungen hat ein schlechtes Rating?

Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.

Was bedeuten Ratings wie „AAA“ oder „BB+“?

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.

Was bemängeln Kritiker an Ratingagenturen?

Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.

Welche Alternativen gibt es zu Ratingagenturen?

Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

S&P hatte die Herabstufung der Institute, die deren Refinanzierung am Markt tendenziell verteuert, vor ein paar Monaten bereits signalisiert. Daher waren Investoren nicht überrascht. S&P sei mit den Erkenntnissen etwas spät dran, kommentieren die Experten vom Brokerhaus ETX Capital. „Dennoch sind das keine guten Nachrichten: Die Aussichten für die europäischen Banken sind wenig rosig.“ Befürchtungen vor einem Aufflammen der Schuldenkrise in Europa zogen die Aktien der Geldhäuser am Mittwoch in die Tiefe. Der europäische Bankenindex verlor 2,5 Prozent. Die Papiere der Deutschen Bank, von Credit Suisse und Barclays gaben jeweils mehr als drei Prozent ab. Zu der Ratingentscheidung äußerten sie sich nicht.

Die Agentur sieht diese Institute wegen ihrer vergleichsweise großen Abhängigkeit vom Investmentbanking besonders kritisch. Die Märkte blieben wacklig, die europäische Wirtschaft stagniere und die Kosten für Rechtsstreitigkeiten gingen nach oben. Zudem drohe speziell im Kapitalmarktgeschäft eine Vielzahl an schärferen Auflagen, wie etwa eine mögliche Abspaltung des Privatkundengeschäfts, härtere Bonusregeln oder höhere Kapitalanforderungen. Speziell bei der Deutschen Bank rechnet S&P auch mit negativen Folgen, sollten die USA die geplanten Kapitalregeln für Auslandsbanken verschärfen. Das würde die Gewinne der dortigen Geschäfte belasten.

Von

rtr

Kommentare (5)

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BanksterareBiomuell

03.07.2013, 14:42 Uhr

tztztz, wenn die Obermafia über die Mafia urteilt. Die Ratingagenturen gehören haftbar gemacht für ihre Falschbewertung der Papiere anno 2008. Dann gehören sie zerschlagen und ihre Bosse ins Kitchen!

Account gelöscht!

03.07.2013, 15:38 Uhr

"Dann gehören sie zerschlagen und ihre Bosse ins Kitchen!"

Jep, die zuerst.

Account gelöscht!

03.07.2013, 16:10 Uhr

Bei dem Keller-Inhalt hätte ich die Deutsche Bank schon längst auf RAMSCHNIVEAU gesetzt...?!!!!

http://www.neuemitte.info/publikationen/item/4-deutsche-bank-ist-eine-wasserstoffbombe.html

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