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03.02.2017

15:51 Uhr

Deutsche Börse und LSE

Im Tauziehen um eine Fusion einen Schritt weiter

Deutsche Börse und LSE sind im Ringen um die geplante Milliardenfusion zu weiteren Zugeständnissen gegenüber der EU bereit. Eine weitere Hürde: die hessische Börsenaufsicht. Finanzminister Schäfer wird da sehr deutlich.

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange wollen der EU bei der geplanten Fusion entgegenkommen. dpa

Zentrale Deutsche Börse

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange wollen der EU bei der geplanten Fusion entgegenkommen.

Frankfurt/BrüsselDie Deutsche Börse und die London Stock Exchange gehen im Ringen um ihre gut 25 Milliarden Euro schwere Fusion auf die EU-Wettbewerbshüter zu. Die beiden Börsenbetreiber wollen der EU-Kommission am kommenden Montag weitere Zugeständnisse im Bereich Derivate-Clearing anbieten, um grünes Licht für den Deal zu bekommen, wie zwei mit dem Vorgang vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Offeriert werden sollten zum einen strukturelle Zugeständnisse wie der Verkauf oder die Einstellung von Geschäften. Andererseits seien verhaltensbezogene Maßnahmen geplant, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. „Man kann einiges tun, um Wettbewerbern zu helfen, bestimmte Geschäftsfelder zu erschließen.“ Eine finale Entscheidung, wie das angebotene Paket genau aussehen werde, sei allerdings noch nicht gefallen.

Diese Fusionspläne der Deutschen Börse sind gescheitert

17. Juli 2000

Die Deutsche Börse präsentiert einen Plan für die Gründung de iX international exchange zusammen mit der Londoner LSE. Die beiden Partner hoffen, mit der paneuropäischen Handelsplattform weitere Börsenbetreiber mit ins Boot zu holen. Das Projekt scheitert allerdings an mangelnder Unterstützung.

Sommer 2003

Der damalige Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, trifft sich mit Euronext-Chef Francois Theodore. Die Gespräche über eine Fusion werden allerdings beendet, nachdem sich beide Seiten nicht über die Bewertung ihrer Häuser einig werden.

Frühling 2004

Seifert und Theodore nehmen ein weiteres Mal Kontakt auf. Ein Zwist über die Besetzung der Führungspositionen lässt sie abermals ergebnislos auseinandergehen.

August 2004

Die Schweizer Börse SWX lehnt Pläne der Deutschen Börse für eine Fusion, faktisch eine Übernahme, ab.

13. Dezember 2004

Die Deutsche Börse veröffentlicht ein Übernahmeangebot für die LSE über knapp zwei Milliarden Euro, das 2005 am Widerstand des Hedgefonds und Deutsche-Börse-Aktionärs TCI scheitert.

21. Februar 2006

Der neue Börsenchef Reto Francioni legt ein vorläufiges Fusionsangebot für die Pariser Euronext vor und facht damit ein Konsolidierungsfieber in der Branche an.

19. Mai 2006

Die Deutsche Börse dient Euronext-Chef Theodore die Führung eines vereinten Unternehmens an, besteht allerdings auf Frankfurt als Hauptsitz. Auch der Großteil des Managements sollte am Main angesiedelt sein.

Juni 2006

Die Deutsche Börse unterbreitet der Euronext einen überarbeiteten Fusionsvorschlag. Die Frankfurter geben in der Hauptquartiersfrage nach, doch der Vorstoß kommt zu spät: Die Euronext schließt sich mit der NYSE zusammen.

Dezember 2008

Deutsche Börse und NYSE Euronext loten eine Fusion aus. Die Pläne werden vorzeitig bekannt und scheitern.

April 2011

Die Börse wagt einen weiteren Versuch, mit der Nyse Euronext als Partner eine neue Größenordnung zu erreichen. Die US-Börsen Nasdaq OMX und ICE wollen die Fusion mit einer Gegenofferte für die Nyse torpedieren.

Februar 2012

Der Traum Francionis platzt erneut. Die EU-Kommission untersagt die Milliardenfusion mit der Nyse Euronext aus schwerwiegenden wettbewerbsrechtlichen Bedenken. Die EU fürchtet vor allem ein weltweites Monopol im Handel mit europäischen Finanzderivaten.

Februar 2016

Die Deutsche Börse und die Londoner Börse machen nach Marktgerüchten Pläne für einen Zusammenschluss öffentlich.

März 2016

Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange (LSE) sind handelseinig und streben eine Fusion auf Augenhöhe an.

März 2017

Die EU-Kommission untersagt den milliardenschweren Deal, weil er auf dem Markt zur Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen hätte.

Nach Gesprächen mit der EU-Kommission wollen die Unternehmen Insidern zufolge wie in einem Baukastensystem das anbieten, was für eine Zustimmung aus Brüssel nötig sei. Größere Verkäufe – etwa der LSE-Tochter Borsa Italiana oder der LSE-Clearingtochter LCH.Clearnet Limited – würden dabei nicht angeboten, sagten drei Insider. „Es wird keine größeren Verrenkungen geben“, sagte einer von ihnen. Die Deutsche Börse, die LSE und die EU-Kommission äußerten sich dazu nicht.

Die Zustimmung der EU und der hessischen Börsenaufsicht sind die größten verbliebenen Hürden für die Fusion von Deutscher Börse und LSE. Um die Bedenken der EU-Wettbewerbshüter zu mildern, hatten die Unternehmen der EU bereits vor einiger Zeit den Verkauf der LSE-Tochter Clearnet SA angeboten. Sie soll – im Falle einer Fusion – für 510 Millionen Euro an die in Paris beheimatete Mehrländerbörse Euronext gehen. Die EU hat die Frist, bis zu der sie final über den Zusammenschluss entscheiden will, bereits zweimal verlängert - aktuell läuft sie bis zum 13. März.

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Mit einer Studie wollte die Deutsche Börse für ihre Fusionspläne mit der LSE werben. Doch nun sind die Briten sauer – und sahen sich zu einer formellen Mitteilung genötigt, die sich wenig schmeichelhaft liest.

Anschließend müsste noch die hessische Börsenaufsicht grünes Licht geben. Hessens Finanzminister Thomas Schäfer forderte in einem Reuters-Interview vom Freitag so deutlich wie noch nie den Zuschlag für Frankfurt. Auch die Beteiligten in London müssten aus meiner Sicht erkennen, dass es – und zwar in ihrem ureigenen Interesse – keine gute Idee wäre, an den Plänen in ihrer ursprünglichen Form festzuhalten“, sagte der CDU-Politiker. „Ich habe das Gefühl, dass das Management der London Stock Exchange dies erkennt, aber eine Verlegung des Sitzes derzeit aus politischen Gründen scheut – nach dem Motto: 'Wie sag ich's meinem Kind?'“

Rational betrachtet lägen die Gründe für einen Hauptsitz in Frankfurt „glasklar auf dem Tisch“, sagte Schäfer. „Doch noch sind die handelnden Personen in nationaler Loyalität gefangen. Sie wollen nicht die ersten sein, von denen ein deutliches, sichtbares Zeichen ausgeht, dass der Brexit unaufhaltsame Nachteile für Großbritannien hat.“

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