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26.05.2015

07:17 Uhr

Deutsche Firmen wagen IPOs

Vor der großen Börsenwelle

VonPeter Köhler, Robert Landgraf

Die Börsianer sehen einen großen Boom voraus. Bis zum Sommer drängen namhafte Kandidaten auf das Parkett. Mindestens fünf Firmen stehen kurz vor Abschluss der Vorbereitungen. Doch nicht jeder IPO wird ein Erfolg werden.

Die große IPO-Welle steht bevor: Doch nicht jeder Ritt wird gelingen. ap

Wellenreiter in Kalifornien

Die große IPO-Welle steht bevor: Doch nicht jeder Ritt wird gelingen.

FrankfurtDen Rekord-Börsengang des chinesischen Onlinekonzerns Alibaba im vergangenen September vor Augen, hofften die Börsianer im neuen Jahr auf reichlich Nachschub – auch in Deutschland. Was dem Englischlehrer Jack Ma mit dem Konzern aus Hangzhou gelungen war, sollte in kleinerem Maßstab auch in Deutschland machbar sein, dachten die Investmentbanker. Doch bislang wurden die Hoffnungen enttäuscht. Es blieb vor allem bei großen Plänen und vielen Worten.

Von den zum Jahreswechsel erwarteten insgesamt 15 Börsengängen fehlte bislang jede Spur. Das Geschäft lief nach dem ersten Börsengang durch den drittgrößten Kabelbetreiber Tele Columbus und dem finnischen Kleinkreditanbieter Ferratum Oyj nur sehr zäh an. Erst in den letzten Wochen folgten die Neuemissionen von Sixt Leasing und Windeln.de.

So läuft ein Börsengang ab

1. Auswahl einer Emissionsbank

Hat sich die Führungsebene eines Unternehmens zu einem Börsengang entschlossen, sind diverse Vorbereitungen zu treffen. Zunächst müssen Gespräche mit Banken geführt werden, um einen geeigneten Partner bei der Durchführung des IPO zu finden. Im weiteren Verlauf wird in der Regel eine der Banken zum Konsortialführer bestimmt, oftmals gehören dem Konsortium weitere Banken an, die an der Emission ebenfalls beteiligt werden.

2. Durchführung einer Unternehmensanalyse

Um die geplante Gesellschaft zu analysieren, wird eine Due Diligence-Prüfung durchgeführt. In deren Verlauf wird der Unternehmenswert ermittelt. Die Analyse mündet in der Formulierung eines rechtlich verbindlichen Börsenprospektes, der Voraussetzung für den Handel an der Börse ist.

3. Roadshow

Im Rahmen einer so genannten Roadshow wirbt das Unternehmen auf Basis des Börsenprospektes Investoren für den eigenen Börsengang. Dabei werden die Informationen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ziel einer Roadshow ist es darüber hinaus, das potenzielle Interesse an den Aktien des eigenen Unternehmens auszuloten.

4. Festlegen eines Emissionspreises

Nach der Roadshow legen die Konsortialbanken eine ihrer Meinung nach angemessene Preisspanne fest, in deren Rahmen die Unternehmensaktien gezeichnet werden sollten. Der Emissionspreis liegt gemeinhin im Rahmen dieser so genannten Bookbuildingspanne und wird in Folge festgelegt. Alternativ kann die Gesellschaft auch einen Festpreis bestimmen.

5. Zuteilung der Aktien

Nach Festlegung des Emissionspreises können die Anteilsscheine den Investoren zugeteilt werden. Dabei werden die Aktien öffentlich zur Zeichnung angeboten. Während dieser vorher festgelegten Zeichnungsfrist legen sich potenzielle Anleger auf eine bestimmte Stückzahl fest. Ist die Nachfrage nach Aktien größer als das Angebot, spricht man davon, dass der Börsengang "überzeichnet" ist. Dann wird bestimmt, wie die Anteilsscheine zugeteilt werden.

6. Erstnotiz

Nach erfolgreicher Zuteilung der Aktien werden die Papiere erstmals an den Börsenparketts gehandelt. Dabei wird ein erster Kurs festgestellt, die so genannte Erstnotiz. Von diesem ersten Börsenkurs ist abhängig, ob die Investoren – in Abhängigkeit von dem gezahlten Emissionspreis – Zeichnungsgewinne oder -verluste einfahren.

7. Regulärer Handel an der Börse

Die Anteilsscheine können nun regulär am Kapitalmarkt gehandelt werden. Allgemeine Informationen zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren können Sie zum Beispiel hier einsehen.

Quelle

Doch kurz vor den Ferien wird es jetzt ernst: „Fünf Börsengänge bis zum Start der Sommerpause im Juli sind eine realistische Zahl. Auch Finanzinvestoren suchen den Gang an die Börse, um sich von Beteiligungen zu trennen“, sagt Armin Heuberger, der bei der Schweizer Großbank UBS das Geschäft mit Aktienemissionen im deutschsprachigen Raum leitet. Was er aber nicht sagt, ist, dass es hier insgesamt um ein Volumen von mindestens zwei Milliarden Euro geht.

Auch nennt er nicht die heißen Kandidaten, die in den Endvorbereitungen stecken. Dabei ist aus Finanzkreisen zu hören, dass dazu die Parfümeriekette Douglas, die Wafer-Tochter Siltronic von Wacker Chemie, der Modehändler CBR, der Immobilienkonzern Aurelis sowie die Wohnungsgesellschaft Ado Properties ‧gehören. Und bei Douglas, der Beteiligung des Finanzinvestors Advent, geht es immerhin um ein Volumen von deutlich über einer Milliarde Euro, wie aus Finanzkreisen verlautet.

Ein großer Brocken könnte auch die Deutsche Pfandbriefbank werden, die bis Ende des Jahres verkauft werden muss. In den nächsten zwei bis drei Wochen wird die Entscheidung fallen, ob es zu einem Börsengang kommt oder ein Verkauf an einen Strategen erfolgt. Hier sind noch drei Kandidaten im Rennen, berichten Finanzkreise. Dazu zählen der chinesische Versicherer Anbang sowie der Finanzinvestor Blackstone. Doch die Chancen für einen Börsengang werden unverändert als gut eingeschätzt.

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