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10.06.2015

16:15 Uhr

Deutsche Pfandbriefbank

Unser aller Bank geht an die Börse

Das gibt es wahrlich nicht alle Tage: Staatseigentum geht an die Börse. Noch vor dem Sommer sollen Aktien der Deutsche Pfandbriefbank, Überreste der verstaatlichten Hypo-Real-Estate, Investoren zum Kauf geboten werden.

Der gesunde Kern der ehemaligen Hypo-Real-Estate soll noch vor dem Sommer an die Börse. dpa

Deutsche Pfandbriefbank

Der gesunde Kern der ehemaligen Hypo-Real-Estate soll noch vor dem Sommer an die Börse.

FrankfurtBörsengang statt Verkauf: Der Bund will sich mit Hilfe des Aktienmarkts wieder von der einst mit Steuermilliarden geretteten Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) trennen. Die staatlichen Eigentümer erhoffen sich mit dem Schritt angesichts der derzeit guten Stimmung an den Börsen höhere Einnahmen, als sie bei einem Verkauf der Bank an einen Investor zu erzielen wären. Gelingt das, schließt der Bund ein weiteres Kapitel der HRE-Geschichte ab.

Das seit Februar laufende Bieterverfahren wird ausgesetzt, der Schritt auf das Parkett soll im Juli gemacht werden, teilte die Bank nach der Hauptversammlung am Mittwoch in München mit. Kern der einst im Dax notierten HRE ist inzwischen die Deutsche Pfandbriefbank (pbb) die das eigentliche Geschäft macht, damit inzwischen wieder erfolgreich ist und Geld verdient. Die pbb sei „in jeder Hinsicht reif für einen Börsengang“, sagte Aufsichtsratschef Günter Bräunig.

„Unter Berücksichtigung aller Chancen und Risiken sind wir überzeugt, dass ein Börsengang der pbb im Vergleich zu einem Verkauf im Bieterverfahren das bessere Ergebnis für den Steuerzahler bringen wird. Deshalb unterstützen wir den Börsengang ausdrücklich“, sagte Jutta Dönges, Mitglied im Leitungsauschuss der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung, die über die Bankenrettungsfonds wacht.

Chronologie der Krisenbank HRE

28. September 2008

Die Notlage des Konzerns wird bekannt. Um den Kollaps mit unabsehbaren Folgen für das Finanzsystem zu verhindern, schnüren Bund und Banken eilig ein erstes Rettungspaket über 35 Milliarden Euro. Wenige Tage später wird es auf 50 Milliarden aufgestockt.

18. Februar 2009

Die Bundesregierung billigt ein Gesetz, das die Verstaatlichung maroder Banken als letzte Option vorsieht. Das „Rettungsübernahmegesetz“ ist auf die HRE zugeschnitten. Die Hilfen an die HRE belaufen sich inzwischen auf 102 Milliarden Euro.

5. Oktober 2009

Auf einer Hauptversammlung beschließt der Bund mit seiner Stimmenmehrheit den Zwangsausschluss („Squeeze Out“) der letzten Aktionäre, um sich 100 Prozent an der HRE zu sichern. Die verbliebenen Anleger müssen ihre Papiere für je 1,30 Euro an den Bund abgeben.

8. Juli 2010

Die HRE gründet eine „Bad Bank“. Der Bank zufolge werden rund 170 Milliarden Euro an giftigen Papieren in die neue FMS Wertmanagement übertragen.

18. September 2010

Es wird bekannt, dass die HRE für 2009 rund 1400 Mitarbeitern Prämien von insgesamt 25 Millionen Euro gezahlt hat.

20. Januar 2011

Frühere HRE-Aktionäre scheitern mit ihrer Klage gegen die Verstaatlichung. Der Bund habe mit dem „Squeeze Out“ nicht gegen das Grundgesetz verstoßen, urteilt das Landgericht München.

2. November 2011

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) räumt einen Bilanzierungsfehler von 55,5 Milliarden Euro bei der Bad Bank der HRE ein. Es sei ein Missverständnis bei der Bilanzierung zwischen HRE und der Bad Bank FMS-Wertmanagement gewesen.

26. August 2013

Die HRE stellt die Depfa zum Verkauf.

Mindestens 75,1 Prozent der Anteile will der Bund nun loswerden, hat sich aber verpflichtet, für zwei Jahre mit 20 Prozent beteiligt zu bleiben. Ganz los ist der Staat die HRE damit frühestens 2017. Die teuren Altlasten der HRE lagern ohnehin woanders.

Die Trennung von der Immobilienbank ist eine Auflage der EU-Kommission, die der Bund im Gegenzug für die milliardenschwere Rettung und Verstaatlichung der HRE in der weltweiten Finanzkrise erfüllen muss. Der Börsengang war dabei stets eine Möglichkeit, auch wenn seit Jahresbeginn auch nach einem Käufer gesucht wurde.

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