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18.05.2015

09:58 Uhr

Deutsche Staatsanleihen

Dänischer Pensionsfonds hält an Bundesanleihen fest

Seit Mitte April währt der Ausverkauf deutscher Staatsanleihen, Anleger mussten seither herbe Kursverluste wegstecken. Der 106-Milliarden-Euro-schwere dänische Pensionsfonds bleibt dennoch bei den Bunds. Aus gutem Grund.

Der Pensionsfonds des Landes hält an deutschen Staatsanleihen fest. dpa

Der Pensionsfonds des Landes hält an deutschen Staatsanleihen fest.

DüsseldorfDänemarks Pensionsfonds ATP wird an Bundesanleihen festhalten – obwohl diese seit etwa vier Wochen enorm im Kurs verlieren. Derzeit rentiert eine zehnjährige Bundesanleihe bei 0,66 Prozent bei einem Kurs von rund 98,5. Mitte April sah es noch so aus, als würde der Zehnjahres-Bund in den Bereich negativer Renditen abdriften. Dann startete der Ausverkauf.

Der Bestand an Bundesanleihen im Dänischen Pensionsfond diene als „strategische Absicherung der ATP-Pensionsgarantien”, erklärte ATP-Chef Carsten Stendevad, dessen Pensionsfonds sich um 120 Milliarden Dollar (rund 106 Milliarden Euro) kümmert. „Wir sind daher nicht an einem Verkauf interessiert.”

Seine Äußerungen beziehen sich auf Anleihen in einem Portfolio, das mehr als 80 Prozent der Gesamtanlagen von ATP umfasst. In seinen anderen Portfolios, bei denen der Fonds für höhere Erträge größere Risiken eingeht, „sind wir positioniert, um von den steigenden Zinssätzen zu profitieren”, sagte Stendevad. ATP hielt laut Jahresabschluss Ende 2014 deutsche Staatsanleihen im Wert von 30 Milliarden Dollar, was ihn zu einem der größten Besitzer dieser Schuldpapiere in Europa machte.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

ATP bekennt sich zu den Anleihen, die Europas größte Volkswirtschaft emittiert, während die Bondkurse an den Märkten seit Ende April purzeln. Grund sind aufkommende Zweifel der Anleger an der Logik der Renditen, die in einigen Laufzeitbereichen unter null lagen. Zusammen mit den sich wieder erholenden Ölpreisen und der Rückkehr der Inflation trug dies zu einem Stimmungsumschwung bei, der eine Reihe von Marktverwerfungen nach sich gezogen hat, während sich Käufer und Verkäufer um ein neues Gleichgewicht bemühen.

Die Kursschwankungen wurden durch die mangelnde Liquidität verstärkt, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Programm zum Ankauf von Anleihen begann. Stendevad zufolge ist ein Großteil der Kursbewegungen auf kurzfristig orientierte Anleger zurückzuführen, die Derivate handeln.

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